Pssst...

Pssst...
Mit einem Klick auf das Bild landest du auf meiner Autorenseite auf Amazon.

Donnerstag, 24. November 2016

Leseprobe Mysterious Encounter #3

Hier noch mal eine kleine Leseprobe (#3) als Appetizer ;-) 
#1 und #2 findet ihr ebenfalls hier auf diesem Blog.
Vielleicht springt ja auch eine kleine Rezension für mich dabei raus. ^^
Viel Spaß beim Lesen! 

~ № 3 ~


Zum wiederholten Mal klingelte jetzt das Telefon auf der Station und Caleb wies die Schwestern ärgerlich an, seinen Exfreund nicht mehr zu ihm durchzustellen. Max wollte ihn beknien, ihn regelrecht mürbe machen und ihn zum x-ten Mal um Verzeihung bitten, aber er hatte einfach keinen Nerv mehr dafür. Es war vorbei.
Außerdem hatte er noch immer ein Lächeln von letzter Nacht auf den Lippen. Eigentlich war er nicht der Typ für eine Nacht, aber dieses Mal hatte er sich darauf eingelassen und es nicht bereut. Es war heiß gewesen. Dreckig. Und absolut nicht langweilig. Was war Max doch für ein Arschloch, er hatte ihn überhaupt nicht zu würdigen gewusst. Da war dieser junge Lance doch ein ganz anderes Kaliber. Dem hatte es ausnehmend gut gefallen, wie er ihn sich zur Brust genommen hatte und ihm selbst natürlich auch. Da wäre er einem zweiten Treffen nicht abgeneigt, auch wenn es nicht den Anschein hatte, als würde Lance sich darauf einlassen. Wenigstens hatte er sich bei ihm austoben dürfen und allein das war schon ein dauerhaftes Lächeln wert.
»Dr. Bernstein?«
Caleb zuckte unter der schrillen Stimme der Stationsschwester zusammen. »Ja?«
»Bereit für die Visite?«
»Ich denke schon. Alles ruhig geblieben letzte Nacht?« Wieder unterdrückte er ein leichtes Grinsen bei dem Gedanken an seine eigenen nächtlichen Aktivitäten.
»Bis auf Mr. Fisher, ja. Das Übliche, er hat leicht durchgedreht und musste erneut ruhiggestellt werden.«
»In Ordnung, ich sehe mir die Krankenakte noch einmal genauer an. Wie oft war er inzwischen bei der Beschäftigungstherapie?«
»Dreimal laut meinen Aufzeichnungen. Er erwartet Wunder, die wir nicht liefern können. Sie sollten ihm das deutlich im Einzelgespräch klarmachen, Dr. Bernstein.«
»Wir werden sehen. Geben Sie ihm auf jeden Fall seine Medikamente in der verordneten Dosis, bevor wir eventuell doch noch über eine Erhöhung nachdenken. So, dann mal los! Wir haben noch eine Menge zu tun heute!«
Zusammen schritten sie den steril wirkenden Krankenhausflur entlang Richtung des ersten Patientenzimmers. Wenigstens waren heute keine Studenten dabei, die die Prozedur meist in die Länge zu ziehen pflegten, weil man viel erklären und abfragen musste. Trotzdem liebte Caleb es zu unterrichten, denn manchmal brachten die jungen Mediziner auch erfrischende Einsichten und neue Ansatzpunkte zutage. Nicht selten überdachte er seine eigene Diagnose nach so einer Visite dann noch einmal und versicherte sich auf diese Weise seiner eigenen Kompetenz und der bestmöglichen Behandlung im Sinne des Patienten. Er war eben mit Leib und Seele Arzt.
Der restliche Arbeitstag verlief außerordentlich ruhig für seine Verhältnisse, er konnte pünktlich um fünf das Krankenhaus verlassen und freute sich auf einen gemütlichen Abend zu Hause auf der Couch. Leider wurde dieser Wunsch jäh unterbrochen, als er Max mit schuldbewusster Miene vor seinem Apartment antraf. Eigentlich hätte er sich denken können, dass der junge Mann nicht so einfach aufgeben würde.
»Was tust du hier?«, fragte er ihn mit einiger Beherrschung und zückte zugleich seinen Wohnungsschlüssel, um die Tür zu öffnen. »Und wer hat dich ins Haus gelassen?«
»Hab einfach überall geklingelt. Cal… Kann ich mit dir reden?«
»Eigentlich habe ich keine Zeit.«
»Du hast doch nicht schon eine neue Verabredung?« Seine Stimme klang nicht wirklich gefasst. »Hast du?«
»Und wenn es so wäre?« Caleb betrat sein Apartment und wollte schon die Tür hinter sich schließen, als Max blitzschnell seinen Fuß zwischen Tür und Angel platzierte. »Muss das sein?«
»Ich vermisse dich. Bitte, lass mich dir erklären…«
»Max, ich habe dir alles gesagt und ich möchte keine weiteren Erklärungen von dir hören, denn nichts, was du sagst, kann meine Meinung ändern! Vielleicht bist du in fünf Jahren so weit, aber jetzt in diesem Moment passen wir einfach noch nicht zusammen. Du musst erst einmal erwachsen werden, kapiert?!«
»Ich war dumm… Kannst du mir denn nicht verzeihen? Es ist… Ich habe mich sicher gewähnt, verstehst du? Du warst immer da. Mir war nicht klar, dass ich kein Gewohnheitsrecht auf dich habe. In Zukunft werde ich an unserer Beziehung arbeiten, versprochen!«
»Max… Deine Einsicht kommt reichlich spät. Ich… Es geht nicht mehr. Meine Gefühle für dich haben sich im Laufe der Zeit verändert. Da ist nichts mehr, was man wiederbeleben könnte. Also, bitte… Lass mich in Ruhe und mach dein eigenes Ding, ja?«
Der junge Mann sah wirklich elend aus. Caleb hatte sogar irgendwie Mitleid mit ihm, konnte seinem Wunsch aber dennoch nicht einfach so nachkommen.
»Du hast einen anderen«, murmelte Max frustriert und schlug die Augen nieder.
»Wenn du so willst, ja, ich habe einen Neuen.« Warum log er ihn jetzt an? Vielleicht weil es dann einfacher für Max war, ihn zu vergessen?
»Ich wusste es.« Traurig machte der junge Mann kehrt und winkte zum Abschied. »Ich werde dich immer lieben.«
Caleb schluckte, als er ihn das sagen hörte, während er bereits die Treppe hinunter ging. Max bot ein Bild des Jammers und für eine Millisekunde war er tatsächlich versucht, seinem flehenden Wunsch nachzugeben. Das plötzliche nüchterne Klingeln seines Handys hielt ihn aber glücklicherweise vor einer großen Dummheit zurück. Er schloss leise die Tür und nahm den Anruf innerlich erleichtert entgegen.

*

Eine Woche später hatte er in der Klinik ziemlich viel Stress und wollte sich am Abend ausnahmsweise wieder einmal abreagieren, um all die schlimmen Schicksale irgendwie zu vergessen, sie nicht mit nach Hause zu nehmen und nächtelang über den härtesten Fällen zu grübeln. In seiner Eigenschaft als Mediziner verordnete Caleb sich kurzerhand einmal selbst Beschäftigungstherapie und stand schließlich beherzt vorm Spiegel im Badezimmer, um sich schön zu machen. Er war doch etwas eitel, gestand er sich peinlich berührt ein und grinste seinem Spiegelbild frivol entgegen. Eigentlich war es ganz schön, mal eine Weile Single zu sein und einfach keinerlei Verpflichtungen zu haben. Bisher hatte er noch immer jemanden für eine Nacht gefunden und auch heute wollte er seine überschüssige Energie auf diese Weise loswerden.
Die Nacht war warm, Regen kündigte sich auf dem Weg zum Club an. Den ganzen Tag über war es schon schwül und drückend gewesen, eigentlich keine Nacht für ein erotisches Rendezvous, wenn man schon allein von der Bewegung des kleinen Fingers das Gefühl hatte, eine Hitzewelle würde einen gleich außer Gefecht setzen. Wenn seine Patienten ihn in dem knappen Outfit sehen könnten, das er gerade wagte zu tragen, würden sie ihm vermutlich kein Wort mehr glauben. In seinem schwarzen Top und einer knackig enger Jeans sah er wirklich gut aus. Seine blonden, längeren Haare fielen ihm neckisch ins Gesicht und umrahmten einen sexy Dreitagebart, als hätte er nie im Leben etwas anderes gemacht, als hübsche Männer an der Bar aufzureißen. Und genau das wollte er jetzt auch tun. Sich einfach amüsieren und an gar nichts denken – außer an ein Kondom natürlich.
Die ersten Regentropfen fielen bereits, als er durch die Eingangstür des Clubs schnell ins trockene Innere verschwand. In seinem Alter war er zwar schon etwas überreif für die junge schwule Community, aber durch sein gutes Aussehen hatte er noch immer mehr als gute Chancen auf dem Markt. Viele junge Männer standen auf ältere Kerle, die fest im Leben standen, über genügend Geld verfügten und vor allem schon einen fertig entwickelten Körper aufzuweisen hatten. Und davon konnte er eine ganze Menge präsentieren, dank seines regelmäßigen Trainings am frühen Morgen vor der Schicht im Krankenhaus.
Mit hungrigen Augen scannte er die anwesenden Appetithäppchen und setzte sich dann guter Dinge an die Bar, um sich erst einmal ein Bier zu gönnen, während er die Tanzfläche im Auge behalten wollte. Selbst wenn er keinen Mann auftun sollte, das Beobachten allein war schon Entspannung genug, wenn man es genau betrachtete. Seine Gedanken schweiften zu möglichen Partnern und er ertappte sich dabei, wie er jeden potentiellen Bettgenossen mit dem Kerl von letzter Woche zu vergleichen drohte. Der hatte mächtig Eindruck auf ihn gemacht und er wollte diese Gedanken und Gefühle eigentlich gar nicht zulassen, aber irgendwie schlich der junge Mann sich immer wieder in seine Überlegungen, ob er das nun wollte oder nicht.
Während er noch krampfhaft versuchte, sein Augenmerk auf die Menge tanzender Kerle zu richten, entdeckte er plötzlich sein eigentliches Objekt der Begierde den Raum betreten. Nein, das war nicht ganz richtig, er schien den Raum förmlich zu füllen. Zumindest kam es Caleb so vor. Lance war ein unglaublich schöner Mann, wie er erneut feststellen musste. Seine Art sich zu kleiden war einfach umwerfend attraktiv und das schien er auch zu wissen, was ihn nicht unbedingt sympathischer für ihn machte. Er war ziemlich sehr auffällig gekleidet und stach aus der Menge heraus, weil sein Körper sich regelrecht in die schwarze enge Hose und das glänzende, anthrazit farbige Hemd hinein schmiegte. Die dunklen kurzen Haare und ein eleganter Gang rundeten das Bild ab.
Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. Caleb meinte ein leichtes Aufleuchten in seinen Augen entdeckt zu haben, schalt sich aber sofort einen kompletten Narren und nippte zur Ablenkung an seinem Bier. Als ob so ein Kerl sich mehr als einmal mit demselben Mann einlassen würde! Lächerlich! Er war ja selbst auch nicht gewillt dazu. Nur bei ihm würde er nur zu gern eine Ausnahme machen, wenn er ehrlich war. Neben seinen körperlichen Vorzügen, die nicht von der Hand zu weisen waren, bot Lance auch einen netten Charakter, soviel er bis jetzt in der kurzen Zeit hatte erkennen können. Meist waren Aufreißer dieser Art ziemliche Schweine und absolut unsozial gestrickt.
Nachdenklich senkte er den Blick in sein Bier und wollte plötzlich gar keinen anderen Mann mehr abschleppen. Was halfen denn all die Logik und der Verstand, wenn die Gefühle nicht mitspielen wollten? Leise fluchte er vor sich hin, sich über sich selbst und sein widerspenstiges Herz ärgernd.
»Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?«
Caleb blickte erschrocken auf und fand sich plötzlich seinem Wunschtraum gegenüber. Zuerst hatte er noch gehofft, Parker hätte ihn angesprochen, um ihm noch ein Bier zu entlocken.
»Du hier?«, fragte er zurück, ohne ihm auf zu antworten.
»Sieht ganz so aus. Also, was lässt dich so mies drauf sein?«
»Vergiss es! Stress im Job.«
Lance grinste verrucht. »Du solltest hinter dem Tresen arbeiten, wie ich! Da relativiert sich so einiges!«
»Wieso sehe ich dich dann nie etwas ausschenken?«
»Vermutlich, weil ich nicht hier arbeite. Hatte ich dir nicht davon erzählt? Die GYM Sports Bar?«
Das klang einleuchtend für Caleb. Er hatte das wohl inzwischen wieder vergessen. Mit neugierigem Blick musterte er ihn und prostete ihm dann mit seinem Bier zu.
»Darf ich dir einen ausgeben?«, fragte er ihn mutig, erwartete aber eine klare Absage, wenn er ehrlich zu sich selbst war.
»Warum nicht? Ich habe noch zwei Stunden Zeit, bevor mein Dienst beginnt.« Lance lächelte vergnügt. Dieser schöne Arzt schien überhaupt nicht zu wissen, was für eine erotische Ausstrahlung er hatte. Aber er wäre sicher der Letzte, der ihm das auf dem Silbertablett präsentieren würde.
»Ein Bier für dich?«
»Danke, gerne. Hast du heute schon was vor?«
»Ich dachte, du musst später noch arbeiten?«, grinste Caleb überrascht über die ähnliche resolute Anmache. 
»Zwei Stunden sind verdammt lang.«
»Da magst du wohl Recht haben. Aber ich sage nicht nein, wenn es das ist, was du hören willst.«
Parker stellte ihnen das Bier vor die Nase und zwinkerte ihm neckisch zu. Lance schürzte kurz die Lippen zum Dank und antwortete dann Caleb auf seine Frage.
»Genau das wollte ich hören!«, prostete er Caleb vergnügt zwinkernd zu. »Normalerweise habe ich keinen Kerl zweimal, aber für dich mache ich eine Ausnahme.«
»Weil ich so armselig drein blicke?«, brummte Caleb verletzt.
»Nein, weil du keinen Schimmer zu haben scheinst, was für eine Sahneschnitte du bist! Jemand muss dir mal die Augen öffnen!«
Das aus seinem Mund zu hören, veranlasste Caleb nun doch herzhaft zu lachen. Nie zuvor hatte ihm ein Mann derart Honig um den Bart geschmiert, nur um ihn ins Bett zu bekommen. Das grenzte schon fast an Ironie des Schicksals, denn Max hatte ihm immer im Streit an den Kopf geworfen, er würde nie im Leben noch einmal so einen Schönling wie ihn treffen oder gar abschleppen. Und da stand er nun vor ihm: einer der schönsten Männer überhaupt und er hatte ihn nach einer heißen Nacht gefragt.
»Lass gut sein, Lance! So nötig habe ich es nun auch wieder nicht!«
Als ob er dieses Gesülze auch nur im Ansatz glauben könnte! Wenn er ihn flach legen wollte, bräuchte er es nur zu sagen, statt ihm so übertriebene Komplimente zu machen.
»Dann danke für das Bier, Caleb! Ich finde sicher auch einen anderen Stecher für die zwei lausigen Stunden.« Das würde noch interessant werden, dachte der Jüngere amüsiert über Calebs bissige Reaktion auf sein tatsächlich ernst gemeintes Kompliment.
»Keine Ursache. Such dir in Zukunft einen anderen Dummen für deine schleimige Anmache.«
Ohne sich noch einmal umzudrehen, machte sich Lance davon auf die Tanzfläche, um sich dort ein wenig abzureagieren und nach einem neuen Opfer Ausschau zu halten. Immer mit der Absicht, den jungen Arzt damit eifersüchtig zu machen und doppelt zu reizen. So schnell wollte er nicht aufgeben. Seine Ausstrahlung hatte bisher noch nie ihre Wirkung verfehlt.
Caleb trank sein Bier aus und wollte den Club gerade verlassen, als ihm noch auffiel, dass Lance inzwischen tatsächlich einen anderen Typ aufgetan hatte und mit ihm förmlich über die Tanzfläche flirtete. Er konnte sich ohne Zweifel bewegen. Mit geöffneten Lippen sah er ihm von weitem noch eine Weile zu und ärgerte sich über seine verpatzte Chance. Schließlich hätte es ja nur eine geile Nacht werden sollen und keine Ehe für die Ewigkeit. Aber nun war es eindeutig zu spät. Unbefriedigt trat er schließlich durch die Tür ins Freie und kramte eine Zigarette aus seiner Jackentasche, was er eigentlich nur machte, wenn er richtig fertig war. Vielleicht war das einer dieser Augenblicke, er wusste es nicht genau.
»Feuer?«, hielt ihm Lance plötzlich sein Feuerzeug vor die Nase, noch bevor Caleb die Zigarette selbst hatte entzünden können.
Nach einigen Zügen brannte der Glimmstängel und Caleb war wieder sicher genug, um ihm zu antworten.
»Das war aber eine schnelle Nummer!«
»Ich fand den Song schon immer geil.«
Verblüfft über seine schlagfertige Antwort, schüttelte Caleb nur den Kopf und wandte sich zum Gehen.
Aber Lance hielt ihn kurzerhand am Ärmel auf. »Eigentlich laufe ich Männern nicht hinterher, aber bei dir mache ich eine Ausnahme.«
»Schon wieder? Du gibst wohl nie auf?«
»Das sollte dir zu denken geben.«
»Mir die Augen öffnen, meinst du wohl.«
»Oder so.« Verlegen lächelte er ihm zu. »Ich pflege nicht zu schleimen. Das habe ich nicht nötig.«
»Aha. Und nun?«
»Gehen wir zu dir und du vögelst mir das Hirn raus, was denn sonst?« Seine Lippen schienen förmlich zu glänzen, was Caleb nicht gerade kalt zu lassen schien. »Irgendwelche Einwände?«
Der junge Arzt schüttelte erneut den Kopf über die dreiste Anmache des hübschen Mannes, nickte aber dann doch zustimmend und ging voraus den Bürgersteig entlang.
Lance folgte ihm auf dem Fuß, die Hände in den Hosentaschen. Er wusste selbst nicht wirklich, was in ihn gefahren war, aber dieser Mann machte ihn verrückt mit seiner Ausstrahlung, der nüchternen Art und dem offensichtlichen Desinteresse an seiner Person. Dass Caleb seinen Körper geil zu finden schien, war keine Frage, aber irgendwie genügte dem jungen Mann das in seinem Fall nicht. Er wollte ihn beeindrucken. Mit Humor und Intellekt. Nicht mit seinem wohlgeformten Körper und dem hübschen Gesicht. Vielleicht weil er ein renommierter Arzt war. Besser verdienend. Es ging hier um die Ehre, irgendwie. Zumindest kam es ihm so vor.
»Jetzt haben wir nur noch eine gute Stunde«, murmelte Caleb neben ihm, während sie Richtung seines Apartments liefen.
»Dumm gelaufen.«
Zielstrebig näherten sie sich der Wohnung. Es nieselte und leichter Wind kam auf. In Calebs Kopf herrschte absolute Leere, noch immer dachte er an das Kompliment des Jüngeren an ihn. Und er konnte es trotz allem noch nicht glauben. Aber Fakt war, der junge Schönling war ihm extra gefolgt und hatte noch einmal alles auf eine Karte gesetzt. So etwas Verrücktes war ihm noch nie vorher passiert. Max hätte sich bestimmt wieder über ihn lustig gemacht.
Die gute Stunde begannen sie schließlich nicht lange mit Small Talk, sondern kamen sofort zum Wesentlichen. Nur dass Caleb ihn diesmal nicht an Max‘ Stelle bestrafen wollte, sondern sich vielmehr nur zu gerne in seinem Erfolg sonnte. Auch wenn der Sex wieder wild und unverblümt war, hatte es jetzt doch eine etwas freundschaftlichere Note. Vor allem konnte Caleb dieses Mal nicht sofort danach einschlafen, sondern starrte neben Lance an die Zimmerdecke und wunderte sich über ihr einzigartiges Zusammenspiel beim Sex.
Lance seufzte zufrieden. »Hat sich gelohnt. Definitiv.«
»Bisher haben sich öfter mal Kerle beschwert über meine Aktivitäten im Bett. Du scheinst dich allerdings ganz wohl mit mir zu fühlen.«
»Beschwert? Über den Sex mit dir?«
»Ich wäre langweilig. Zu schnell. Egoistisch. Total daneben. Such dir was aus!«
Lance war ja einiges gewöhnt, aber das hier setzte dem Fass die Krone auf. »Dann waren die offensichtlich alle nicht ganz dicht. Oder aber hetero.« Er grinste über seinen kleinen Scherz.
»Hattest du schon viele im Bett?« Schließlich muss man ja vergleichen können, wenn man solche Behauptungen aufstellt, dachte Caleb interessiert.
»Mehr als fünfzig bestimmt. Reicht das, um dich beurteilen zu können?«
»Definitiv. Das reicht. Gegen dich bin ich ein armseliger Tropf.«
»Qualität ist besser als Quantität.«
»Auch wieder wahr. Ich hatte nur vier. Mit dir fünf. Nicht gerade viel Übung.«
»Hattest du auch Frauen?«
»Zwei. Also sieben insgesamt. Du?«
»Ich weiß nicht.« Nachdenklich kratzte Lance sich am Kopf.
»Du weißt es nicht?«
»Ja. Ich kann mich an keine erinnern, aber mein Gefühl sagt mir, ich habe damit Erfahrung. Klingt das sehr dumm für dich?«
»Immerhin bist du ein Bottom. Das ist auch eine Art von weiblicher Erfahrung…«, meinte Caleb tiefsinnig und grinste ihm amüsiert ins Gesicht.
»So habe ich das nicht gemeint, aber es wäre eine Erklärung«, lachte Lance amüsiert. »Obwohl ich manchmal auch gern der Top bin.«
»Man vergisst doch keine sexuellen Abenteuer?«
»Ich schon. Offensichtlich. Vielleicht bin ich ja mal auf den Kopf gefallen, oder so. Ich habe keinerlei Erinnerung an meine Kindheit.«
»Ich glaube, du solltest jetzt in die GYM Bar und ausschenken.«
»Wohl wahr. Sehen wir uns wieder?«, hörte Lance sich tatsächlich fragen und wusste kaum wie ihm geschah.
»Lassen wir den Zufall entscheiden.«
»Er wird mir Recht geben, du wirst sehen!« Grinsend schlüpfte er in seine Hose und das Hemd und winkte noch kurz zum Abschied.
Dann war er auch schon weg. Caleb starrte ihm noch eine ganze Weile sprachlos hinterher. Zwickte sich schließlich selbst in den Oberschenkel und schrie kurz auf vor Schmerz. Nein, er träumte nicht. Offensichtlich hatte der jüngere Mann tatsächlich einen Narren an ihm gefressen. Auch wenn es wohl nur eine Bettgeschichte werden sollte, alles war besser als nichts. Nur die vergessene Kindheit und Jugend gab ihm ein wenig zu denken, nicht umsonst beschäftigte er sich tagtäglich beruflich mit Psychologie. 



      



Donnerstag, 17. November 2016

Goodie / Story zum Mitlesen -------------->>> Rebellion - Aufbruch nach New York - ONE


Ihr Lieben...
Hab mir gedacht, ich könnte euch doch auch mal eine kleine Story hier als Goodie präsentieren  ;-) 
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! 
Updates erfolgen je nachdem, wie viel Zeit ich zum Schreiben erübrigen kann ;-)



°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°


Rating
P18

Kategorie
Gay Romance, Drama, History, Lemon

Zusammenfassung
Max und Leon, zwei Jungs aus Virginia/USA in den 30er Jahren aus einer kleinen Stadt namens Hopewell, entdecken ihre Gefühle füreinander und sind alsbald auf der Flucht in die Großstadt.


°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°



REBELLION

Aufbruch nach New York



~ ONE ~



     Die Weltwirtschaftskrise hatte auch Hopewell in Virginia nicht verschont. Vieles blieb Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts unerschwinglich für die Bewohner des kleinen Städtchens. Einzig die Farmer konnten sich wenigstens mit dem eigenen Feldertrag ein wenig leichter über Wasser halten, aber auch die Ernten waren wetterabhängig und nicht immer garantiert. In dieser schlimmen Zeit ging man nur zu gerne am Sonntag in die Kirche und traf sich mit anderen Gemeindemitgliedern zum gemeinsamen Jammern über die schlechten Zeiten. Oder aber auch nur, um sich nach einem Ehepartner umzusehen und Freundschaften zu pflegen.
     Leon war mit seiner Familie erst vor drei Jahren hierher gezogen, nachdem sie den Gemischtwarenladen von seinem Großonkel geerbt hatten. Damals, mit vierzehn, war er noch halbwegs begeistert gewesen, weiter hinaus aufs Land zu ziehen. Jetzt jedoch, mit siebzehn, wollte er nur noch weg aus diesem Nest. Es gab einfach nichts hier. Noch nicht mal viele Freunde in seinem Alter. Die meisten wohnten weit verstreut auf ihren Farmen, waren zu fein für den Sohn eines einfachen Gemischtwarenhändlers, dessen verstorbener Großonkel seit jeher als unsympathischer Geizhals verschrien war, oder einfach nicht im richtigen Alter für ihn. Was sollte er mit kleinen Kindern anfangen?
     »Leon, übernimm mal den Laden für eine Stunde! Ich muss dringend nach Richmond, um neue Ware zu sichten!«, schrie ihm sein Vater schon von weitem zu, als er aus der Schule nach Hause kam.
     Er wollte das Geschäft wieder auf Vordermann bringen, um es bis nach der Krise über Wasser halten zu können, und so musste Leon oft nach dem Unterricht noch die Stellung halten und zickige Kundschaft bedienen. Mittlerweile wurde es immer schwieriger, überhaupt sofort bezahlt zu werden, denn niemand hatte noch genug Geld in der Tasche, nicht einmal für die einfachsten Dinge. Ihm wurden daher auch lebende Hühner, Ferkel und Handarbeiten als Bezahlung angeboten, was Mr. Sickler ganz und gar nicht passte. Leon fand es nicht so schlimm, er wäre auch mit Tieren als Bezahlung zufrieden gewesen, aber er war angewiesen, möglichst nichts anzuschreiben und immer auf Bargeld zu bestehen. Manchmal drückte er aber doch ein Auge zu, um die Leute nicht total gegen seinen Dad aufzubringen. Es war schon schwer genug, den unschönen Ruf des Großonkels wieder wettmachen zu müssen.
     Gerade hatte er Mrs. Pentecost noch einmal erlaubt, anschreiben zu lassen, als ein junger Bursche den Laden betrat, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Und der Ort war nicht gerade groß.
     »Hey!«, begrüßte der junge Mann ihn freundschaftlich.
     Leon unterdrückte ein Schmunzeln. »Selber hey! Was kann ich für dich tun?«
     »Meine Mum bräuchte drei Kilo Mehl und zwei Kilo Zucker.«
     »Kommt sofort!« Schnell hatte Leon das Gewünschte zusammengesucht und stellte es auf den Tresen vor den gutaussehenden, jungen Mann. »Noch etwas?«
     »Eine Haarspange für meine kleine Schwester.«
     »Komm rüber und sieh dir an, was wir haben!«
     Leon führte ihn zu einem Regal neben dem Tresen und zeigte ihm die verschiedenen Modelle nach dem allerletzten Schrei. »Billig sind die nicht, kannst du dir das leisten?« Seiner einfachen, aber sauberen Kleidung nach zu urteilen, war der junge Mann ein Farmer.
     »Ich zahle bar. Die hier gefällt mir. Wie viel?«
     »Zehn Cent.«
     »Gekauft.«
     »Sonst noch etwas?«
     »Das wär‘s, danke. Was macht das zusammen?«
     »35 Cent. Ich hab dich noch nie hier gesehen, wo ist denn eure Farm?«
     Max zog seine Stirn in Falten. »Was macht dich so sicher, dass ich auf einer Farm lebe?«
     »Touché!« Leon grinste beschämt. »Es kommt nicht wieder vor.«
     Max nickte kurz und verließ ohne ein weiteres Wort den Laden. Das Klingeln beim Öffnen der Tür hallte noch lang in seinem Kopf.
     Mit einem lauten Seufzer schloss Leon die Registrierkasse und blickte ihm nachdenklich hinterher. Das hatte er gründlich vermasselt! Dabei sah der Junge verdammt gut aus, obwohl er das offensichtlich nicht wusste. Diese Jungs vom Land waren einfach nicht so oberflächlich wie die jungen Männer in der Stadt. Früher in Richmond hatte er schon ab und zu versucht ein paar zarte Bande zu knüpfen, war aber mangels Mut dann doch immer wieder ohne eine neue Erfahrung stehengelassen worden. Bis zu diesem einen verrückten Tag vor etwa sechs Monaten, als sein Vater zum Gericht bestellt worden war, um die Erbschaft des Großonkels anzunehmen.
     Es hatte alles ganz harmlos angefangen. Er war mitgefahren, um sich den neuesten Kinofilm anzusehen, während sein Vater das Geschäftliche regelte. Der kleine Saal mit den roten Samtsesseln war kaum besetzt so früh am Nachmittag und Leon hatte sich in die letzte Reihe gesetzt. Nur ein einziger anderer Junge hatte noch dort ein paar Sessel weiter gesessen.
     »Kann ich mich zu dir setzen?«, begann der andere die Unterhaltung.
     Leon zuckte nur mit den Schultern. Es war schon dunkel im Saal.
     »Wie heißt du? Ich bin Aldous. Aldous Brent.«
     »Leon Sickler.« Noch nie hatte ihn an anderer Junge einfach so an-gesprochen.
     »Leon… Wie alt bist du?«
     »Tut das was zur Sache?«
     »Ich will schon wissen, wenn ich ein Kind angrabe.«
     Selbst in der Dunkelheit konnte Leon sein teuflisches Grinsen erkennen. Wollte er ihn testen? Eine heikle Situation für ihn, ihm war plötzlich ganz mulmig zumute, aber in seiner Hose regte sich mehr als erwünscht.
     »Fünfzehn. Du?«
     »Erwachsen. Willst du rummachen?«
     Hektische rote Flecken erschienen auf Leons Wangen. Er fühlte sich regelrecht überrumpelt. Wie kam der Kerl überhaupt darauf, dass er…?
     »Spinnst du?«, flüsterte er. »Ich bin doch nicht schwul!«
     »Und ob du das bist!« Aldous lachte dreckig. »Also? Willst du?«
     Entsetzt über so viel Dreistigkeit, fiel Leon keine passende Antwort darauf mehr ein. Er hatte genug damit zu tun, nach Luft zu schnappen. Bis heute wusste er nicht, was dann geschehen war, aber plötzlich fanden sich weiche Lippen warm auf den seinen wieder. Dieser fremde junge Mann hatte es gewagt, ihn im Dunkel des Kinos einfach zu küssen! Mit drängender Zunge und kundigen Fingern hatte er ihm zum ersten öffentlichen Orgasmus seines Lebens verholfen. Nach nicht einmal einer halben Minute. Er wäre am liebsten vor Scham im Erdboden versunken.
     »Armer Kleiner! Das gibt deutliche Flecken auf der Hose!«, traute sich Aldous noch schadenfroh zu bemerken, bevor er sich wieder der Leinwand zuwandte, um endlich den Film zu gucken.
     Am Ende der Vorstellung hatte er ihm noch einen Zettel zugesteckt, auf dem ein geheimer Treffpunkt stand. Noch heute wurde er tiefrot, wenn er nur daran dachte, wie lange er sich dazu hatte durchringen müssen, zu dem Treffen zu gehen. Das waren sicher die schlimmsten Stunden seines bisherigen Lebens gewesen. Im Nachhinein war er froh darüber. Aldous hatte ihm in seiner kleinen Unterkunft in den nächsten Wochen alles gezeigt, was man als schwuler Mann wissen musste, um zu überleben und in den Genuss der höchsten Wonnen zu kommen. Er hatte ihm einiges zu verdanken!

  
*


     Wieso nur wollte ihm dieser dunkeläugige Junge hinter dem Tresen nicht mehr aus dem Kopf gehen? Woher hatte er gewusst, dass er Farmer werden sollte? War er so schlecht gekleidet? Oder etwa so armselig? Selten war ihm etwas so peinlich gewesen. Nachdenklich betrachtete er sich im Badezimmerspiegel des kleinen Farmhauses. Zum ersten Mal fiel ihm auf, dass er tatsächlich ein wenig langweilig, um nicht zu sagen schäbig, gekleidet war. In den letzten Jahren hatte es nicht mehr zu besonderer Kleidung gereicht. Die Ernte war schlecht und die Wirtschaftskrise tat ihr Übriges. Es war Ebbe in der Kasse. Die Haarspange für Rosalie hatte er sich mühsam zusammengespart. Sie sollte nicht unter den äußeren Umständen leiden, das war ihm als großer Bruder sehr wichtig.
Gerade, als er sich die Haare am Scheitel zurecht bürstete und die widerspenstigen blonden Locken zu bändigen versuchte, blickte seine kleine Schwester zur Tür herein.
     »Verschwinde!«, zischte er böse in ihre Richtung.
     Rosalie grinste hämisch. »Machst dich wohl schick für ein Mädchen, was?«
     Max streckte ihr nur die Zunge raus und warf die Tür krachend hinter ihr ins Schloss.        »Schade, ich hab dir heute was mitgebracht aus dem Laden!«, rief er laut genug, dass sie jedes Wort verstehen konnte. Noch einmal strich er sich die Locken hinter die Ohren und lächelte seinem Spiegelbild aufmunternd zu. »Hässlich bin ich nicht grade«, murmelte er zufrieden mit seinem Äußeren.
     »Bitte! Zeig‘s mir! Ich sag auch, dass es mir leid tut!«, bettelte Rosalie lautstark durch das alte Holz. »Bitte! Bitte! Bitte!«
     Mit Schwung öffnete er die Tür, sie stürzte ihm regelrecht in die Arme und er zauberte hinter seinem Rücken die neue Haarspange für ihre hüftlangen weißblonden Locken hervor.
     »Ist die schön! Danke!«
     »Steht dir bestimmt hervorragend!«, meinte er charmant mit einem Lächeln auf den Lippen.
     »Hier! Sieh mal! Findest du, ich sehe hübsch aus?« Ihre Blicke trafen sich im Spiegel.
     »Wunderschön! Und ich?« Wer ließ sich nicht gerne mit Komplimenten überhäufen?
     »Du?«
     »Ja, ich! Bin ich auch hübsch in deinen Augen?«
     Ihre Lippen formten einen kleinen Schmollmund. »Hm… Ein bisschen vielleicht.«
     »Nur ein bisschen?«
     »Ja, okay! Du bist hübsch!«, ließ sie sich zäh aus der Nase ziehen.
     »Wie hübsch?« Max wollte nicht locker lassen. Er musste wissen, wie er auf andere Menschen wirkte.
     »Meine Freundin Carmela steht total auf dich!«, grinste Rosalie frech in den Spiegel und zupfte sich dabei gemächlich eine Strähne zurecht.
     Jetzt wurde er auch noch rot! Verdammte Scheiße!
     Rosalie lachte prompt mit vorgehaltener Hand und verließ noch immer kichernd das Badezimmer. Er hätte nicht fragen sollen. Aber immerhin bestätigte ihm das sein doch recht gutes Aussehen. Auch wenn man kleinen elfjährigen Mädchen nicht recht trauen konnte.
     »Max! Komm runter, du musst noch Heu einbringen!«, rief ihn sein Vater streng zur Ordnung.
     Schnell rannte er die Treppe hinunter und schwang sich wie immer auf den klappernden Traktor, um auf der Farm zu helfen, die er einmal übernehmen sollte. Draußen auf dem Feld unter strahlendem Sonnenschein und sengender Hitze, zog er sich den Stetson tiefer in die Stirn und ließ seine Gedanken schweifen, während er das Heu einbrachte.
     Warum war ihm dieser Junge nie zuvor im Laden aufgefallen? Er war doch schon oft mit seinem Vater dort gewesen, hatte aber immer nur Mr. Sickler dort angetroffen. Wo hatte er seinen Sohn bloß all die Monate versteckt?
     Er war nett.
     Und sah verdammt gut aus.
     Max konnte nicht umhin, ein Kribbeln in seinem Bauch zu registrieren, wann immer er seitdem an Leon dachte. Ihm war, als hätte er Fieber. Sicher war das nur die Hitze auf dem Feld. Oder etwa doch nicht?
     Wieder errötete er zutiefst und schalt sich einen Narren. Trotzdem wanderten seine Gedanken unweigerlich erneut zu dem apart aussehenden, dunkelhaarigen jungen Mann hinter dem Tresen des Gemischtwarenladens…


Tbc…


°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°



So, jetzt ist es an euch, zu entscheiden, ob das was zu lesen sein könnte oder lieber nicht ;-) Freu mich über Anregungen, Kommis und Bemerkungen jeglicher Art.
Mehr von Max und Leon demnächst hier auf diesem Blog! ^^ 


Sonntag, 6. November 2016

Buchtrailer für Anfänger ;-)

So, Ihr Lieben, ich hab mir mal erlaubt selbst einen Buchtrailer zu kreieren. *hüstel*
Ein Meister bin ich sicher nicht darin, aber für den Anfang kann ich zufrieden sein, denke ich. Ihr dürft mir aber bei Nichtgefallen gern die Hucke voll hauen! *lach* Ich schreibe definitiv besser, als ich Filme mache, versprochen. 
Es gibt ja bekanntlich keine schlechte Publicity, darum... 
Viel Spaß bei meinem kurzen Video zu Mysterious Encounter - Geheimnisvolle Begegnung! 

P.S.: Inzwischen schon als Paperback zu erwerben, als E-Book erst ab 12. November, aber bereits vorbestellbar  -->> Autorenseite auf Amazon: http://bit.ly/mariceleste

*Trommelwirbel* 
  Tadaaaaaa!!!!



Hatte versucht das Video hier hochzuladen, aber irgendwie wollte das nicht funktionieren. *schäm*








Sonntag, 30. Oktober 2016

Leseprobe Mysterious Encounter #2

Und schon gibt's Leseprobe #2 !
Viel Spaß ;-)

~ № 2 ~


3 Monate früher



Es war inzwischen nach elf Uhr abends und Caleb wusste genau, dass Max nicht mehr auftauchen würde. Er saß zum wiederholten Mal alleine in der Wohnung und wartete vergeblich auf seinen Freund. Sie wollten, wie so oft, zusammen zu Abend essen, aber wie üblich tauchte der gute Max entweder erst gar nicht auf oder erst so spät, dass Caleb der Hunger inzwischen vergangen war. Das musste jetzt endgültig aufhören, beschloss er zuversichtlich und bediente sich ausnahmsweise der modernen Technik, um den unverschämten Langzeit-Liebhaber auf diese Weise möglichst elegant abzuservieren. Eine kurze eindeutige SMS und Max wäre Geschichte. Nicht die feine Art, aber er wusste sich nicht anders zu helfen, nachdem er sich mittlerweile mehr als nur verarscht fühlte. Er selbst sah verdammt gut aus, hatte genug Geld und einen verantwortungsvollen Job, da musste er sich nicht von einem fünf Jahre jüngeren Möchtegern so auf der Nase herumtanzen lassen.
Kaum hatte er die Nachricht abgeschickt, machte er sein Handy aus und schnappte sich die Wohnungsschlüssel, um sich in einer ausgesuchten Bar etwas Abwechslung und vielleicht auch mehr zu gönnen. Was dieser Schönling konnte, konnte er allemal. Viel zu lange schon hatte er sich von ihm über den Tisch ziehen lassen. Aber was konnte man von einem Studenten schon erwarten? Die wollten einfach alle nur Spaß haben. Er hingegen war schon einige Jahre im Geschäft und hatte sich die Hörner bereits oft genug abgestoßen. Ihn verlangte nach einer festen Beziehung, etwas Halt im Leben und einem Zuhause, auf das man sich nach einem langen Tag in der Klinik freuen konnte. Vor allem aber etwas Verlässlichkeit und Struktur in seinem sonst so hektischen und unberechenbaren Alltag als Mediziner.
Jetzt allerdings war er einfach nur scharf auf einen Flirt. Vielleicht wollte er sich auch selbst etwas beweisen, das wollte er nicht unbedingt ausschließen. Schließlich war er auch nur ein Mann und hatte etwas Bestätigung nötig nach der monatelangen negativen Erfahrung mit Max.
 Als er die Bar betrat, schlug ihm sofort der altbekannte Geruch in die Nase. Warum waren Männer unter sich eigentlich auf den ersten Blick zu erkennen und vor allem zu erschmecken? Wieder ein Klischee, das nicht treffender hätte sein können. Seine Nase führte ihn direkt an die Bar zu seinem ehemaligen Studienkollegen und inzwischen  Vollzeitbarkeeper Parker Jones.
»Hey, Cal! Was treibt dich denn so spät noch hierher?«, begrüßte der schöne Mann den alten Freund und grinste breit. Seine Hände trockneten ein Cocktailglas, während er Caleb freundlich zuzwinkerte.
»Was wohl, hm?«, gab der junge Mediziner etwas ertappt zurück.
»Ich dachte, du und Max…?«
»Falsch gedacht, Mann!«
»Er hat dich betrogen?«
»Sagen wir so: Er ist einfach nicht anwesend und wahrscheinlich fickt er sich dabei durch die halbe Stadt.«
»Ich hatte dich gewarnt. Max ist einfach noch nicht so weit. Gib ihm fünf Jahre, dann ist er so wie du ihn haben willst«, lächelte Parker amüsiert.
»Kein Bedarf, danke!« Caleb war ziemlich konsequent. Wenn er sich einmal zu etwas durchgerungen hatte, konnte man ihn auch nicht wieder davon abbringen. Max war und blieb Geschichte. »Gib mir einen Whiskey! Ohne Eis. Ich brauche jetzt etwas Vernünftiges zu trinken.«
»Sollst du haben, Cal!« Parker war schon dabei, ihm den Drink zuzubereiten, als sich plötzlich ein jüngerer Mann schwungvoll neben Caleb an die Bar setzte und ihn auffallend musterte.
»Lance Falcone und wer bist du?«, sprach er Caleb gleich darauf einfach an und grinste breit.
Er sah unglaublich gut aus, entschied Caleb im Bruchteil einer Sekunde. Das war genau, was er gerade nötig hatte. Schicksal? Vielleicht eine Art göttlicher Belohnung? Nein, das ganz sicher nicht.
»Caleb Bernstein. Nett dich kennenzulernen, Lance.« Er reichte ihm die Hand.
»Du bist mir sofort aufgefallen. Diese Sorgenfalte zwischen deinen Augen könnte ich ohne weiteres wegzaubern, wenn du mich lässt.«
Caleb und Parker staunten gleichermaßen über die direkte Anmache des jungen Mannes, aber irgendwie imponierte ihnen diese offene Zurschaustellung des eigenen Egos gewaltig und so stellte Parker seinem Freund den Whiskey vor die Nase und meinte süffisant: »Der wird dir sicher einheizen.«
»Danke, aber ich bin schon heiß genug«, antwortete Caleb selbstbewusst, ohne die Augen von seinem Nebenmann zu nehmen, wobei er kurz die Lippen schürzte. »Hast du heute Abend schon etwas vor?«, richtete er seine Frage an den auffälligen Hingucker.
Eigentlich wollte er ja keine jüngeren Männer mehr abschleppen, aber dieser sollte ja auch nur ein kurzes Vergnügen bedeuten und da war ihm sein jugendliches Alter herzlich egal.
»Jetzt schon!« Ein breites Grinsen begleitete Lance' Antwort.
»Hervorragend! Ich sehe, wir verstehen uns!« Caleb stand von seinem Hocker auf, kippte den Whiskey in einem Satz hinunter und winkte den Jüngeren hinter sich her.
»Worauf du einen lassen kannst!«, freute sich Lance über den leichten Aufriss mit grinsendem Gesicht.
Schweigend verließen sie die Bar und gingen nebeneinander auf dem breiten Bürgersteig in der kalten Winterluft Richtung East Village. Caleb hatte dort ein schickes Apartment, seit er zum jüngsten Oberarzt der Klinik befördert worden war. Es war klar, was hier laufen würde, nur die Positionen mussten noch abgesteckt werden. Während Caleb nicht unbedingt auf eine Rolle festgelegt war, schien der junge Hengst augenscheinlich nur den aktiven Part übernehmen zu wollen. Caleb war alles recht in diesem Moment, er wollte einfach nur vergessen, entspannen und begehrt werden. Das war doch nicht zu viel verlangt, oder? Nach einem harten Arbeitstag ein wenig abschalten und einfach alles um sich herum vergessen – wenigstens für fünfzehn Sekunden, solange ein ordentlicher Orgasmus eben dauerte.
»Du scheinst 'ne Menge Kohle zu haben«, bemerkte Lance beim Eintreten in die Wohnung und pfiff leise durch die Zähne. »Was machst du beruflich?«
»Ich bin Arzt. Du?« Er sah nicht aus wie ein Akademiker, so viel stand fest.
»Barkeeper in der GYM Sports Bar. Schon mal dort gewesen? Nein, natürlich nicht, ich würde mich an dich erinnern.« Er grinste wissend.
»Ich war bis gestern in einer Beziehung und daher… Normalerweise gehe ich lieber in Restaurants oder Galerien, manchmal auch Konzerte. Sport treibe ich nur auf dem Golfplatz. Möchtest du etwas trinken?«
»Vielleicht ein Bier?«
»Kommt sofort. Mach's dir bequem! Ich verschwinde mal kurz in die Küche.«
Während Caleb sich hinter den Küchentresen begab, um das Bier aus dem Kühlschrank zu holen, setzte Lance sich lässig auf die weiße Ledercouch und legte seine Beine auf den Designer Glastisch. Seine abgewetzten schwarzen Laufschuhe passten definitiv nicht zur exklusiven Umgebung. Schnell ließ er seine Lederjacke über die Schultern gleiten und angelte nach der Fernbedienung für den DVD-Player.
»Wenn du lieber fernsehen willst…«, meinte Caleb enttäuscht, als er ihm das Bier in die Hand drückte.
»Ich dachte mehr an Erwachsenen-Filme – musst du doch auch haben, oder?« Frech zwinkerte er ihm zu und schürzte vielsagend die Lippen.
»Pornos?« Caleb konnte kaum glauben, dass der andere so direkt danach fragte. Bisher hatte er solche Filmchen nur benutzt, wenn kein Mann zur Hand war.
»Was denn sonst?« Lance schüttelte verwundert den Kopf. »Ich dachte, wenn ich schon mal in so feiner Umgebung bin, könnte man das Zeug ja mal Breitwand gucken, oder? Dein Flatscreen hat doch mindestens 108 Zoll! Wahnsinn!«
»Wo wir gerade von Größen sprechen – was hast du zu bieten?«
Lance kam augenblicklich auf den Boden der Tatsachen zurück und blickte ihn überrascht an. Nicht einmal er war so direkt zu seinen Aufrissen.
»Du fackelst nicht lange, was?«
»Heute nicht, nein.«
»Vielleicht packst du ihn einfach mal aus?«, säuselte der junge Draufgänger verführerisch und legte die Fernbedienung abrupt zur Seite, um sich dem hübschen Mann neben sich zuzuwenden. »Worauf stehst du denn so?«
»Alles, was du dir vorstellen kannst.« Caleb hatte die Finger bereits an seinem Reißverschluss und nestelte wild daran herum.
Ihm war nicht nach reden, er wollte einfach nur seine niederen Triebe befriedigen und nicht zuletzt sein Gegenüber anstelle von Max bestrafen, indem er ihn so hart fickte, dass ihm förmlich die Augäpfel aus den Höhlen traten. Eigentlich gar nicht seine Art, aber diese ohnmächtige Wut auf den einst so geliebten Partner ließ ihn für den Augenblick seine guten Manieren vergessen und sich in den Sumpf des unkonventionellen, und vor allem nicht bindenden Vergnügens, stürzen.
Lance indessen fand sich in seinem selbst ernannten Paradies wieder und nahm mit Freuden die Einladung zum hemmungslosen Ficken an. So eine Gelegenheit bekam man nicht oft und so beabsichtigte er, das auch weidlich auszunutzen. Caleb sich ihn schwindlig vögeln lassen, ihn fix und fertig in seinem eigenen Bett zurück lassen und anschließend befriedigt seiner Wege zu gehen. Nur für einen kurzen Augenblick fragte er sich, was er eigentlich im Begriff zu tun war, aber eine Sekunde später war der Moment des Innehaltens auch schon wieder vorbei. Solche Skrupel hatte er nur sehr selten und komischerweise konnte er sich am nächsten Tag meist nicht mehr daran erinnern, überhaupt auch nur einen Augenblick gezögert zu haben.
Keine zwei Minuten später lagen sie beide splitterfasernackt auf Calebs Bett, wälzten sich erotisch miteinander über die Laken und waren beide positiv erstaunt über die gute Ausstattung des anderen.
»Du bist unglaublich heiß, weißt du das eigentlich?«, fragte Lance den älteren Mann über ihm, als er sich gerade ziemlich rüde zwischen seine Beine drängte und dabei exzessiv auf seine inzwischen stattliche Erektion starrte.
»Hör auf zu quatschen und fass ihn endlich an, verdammt noch mal!«, verlangte Caleb rau, anstatt auf seine Frage auch nur irgendwie einzugehen. »Zieh das Kondom drüber! Aber schön langsam!«
Sofort legten sich Lance' Finger um Calebs bereits zur vollen Größe erigierten Penis und er fing an, ihn kundig zu massieren.
»Ja…  Das ist gut… Weiter so!« Mit geschlossenen Augen genoss der junge Arzt die wohldosierten Aufmerksamkeiten seines nächtlichen Liebhabers.
»Steck ihn rein, verdammt! Ich bin so geil, ich halte es nicht mehr aus!«, befahl Lance ihm schließlich, während er das Kondom kunstvoll auf ihm abrollte.
»Ah…!« Es fühlte sich so gut an, als er ihm den Gummi mit filigranen Fingern überstreifte. »Du willst, dass ich dich ficke? Sag es!«
Lance gefiel diese dreckige Unterhaltung; er war zwar ein Aufreißer, aber nicht im Mindesten dominant oder auf die aktive Rolle beschränkt. Ihm gefiel jede Spielerei auf ihre eigene Weise.
»Ja, fick mich! Besorg es mir, Baby!« Seine Finger bearbeiteten wild den prallen Hintern des anderen. »Zeig mir deinen Hammer! Steck ihn rein so tief es geht!«
»Mit Vergnügen, du geiler Sack…«, murmelte Caleb in höchster Erregung und nahm seinen Schwanz jetzt selbst in die Hand, um ihn in die richtige Position zwischen Lance' Pobacken zu bringen.
Heftig atmend spreizte der junge Mann seine Beine weit auseinander und beobachtete jede Regung im Gesicht des anderen, als er mit geöffneten Lippen ziemlich heftig in ihn eindrang. Beiden entfuhr ein lautes Stöhnen und Lance hielt sich prompt mit den Armen über seinem Kopf an den Stäben des schwarzen Eisengitterbettes fest. Fast sofort stieß Caleb rhythmisch in ihn, zog ihn wieder ganz heraus und steckte ihn erneut genussvoll in die warme Körperöffnung, die sich jedes Mal willig um ihn schloss und ihn geradezu mit ihrer Enge zu erwürgen drohte. Vielleicht war das ja nicht das erste Mal für Lance, aber trotzdem hätte es einiger Vorbereitung bedurft.
»Du bist so verdammt eng!«
»Tiefer! Füll mich ganz aus, Baby!«, schnaufte Lance abgehackt und warf erneut ekstatisch seinen Kopf zurück, als Caleb gerade den ach so wundervoll empfindlichen Punkt in seinem Inneren zu treffen gedachte.
»Wow…! Das ist es!«
»Ich! Bin! Gut! Verdammte! Scheiße!«, schrie Caleb bei jedem Stoß und entlud sich kurz darauf mit heftigen Zuckungen in dem hübschen jungen Mann. Für lange Romantik war in diesem Fall keine Zeit.
Lance spürte die Konvulsionen im Inneren seines Körpers und griff sich instinktiv an den eigenen Penis, um ihn in letzter Sekunde noch einmal zu pumpen, bevor er sich ebenfalls mit voller Wucht zwischen ihren Bäuchen ergoss. Sein ganzer Körper schien förmlich zu beben.
»Fuck! Das war…« Ihm fehlten die Worte.
»Nötig.«
Caleb sackte mit einem ironischen Lächeln auf den Lippen über ihm zusammen, zog seinen bereits wieder erschlaffenden Penis noch schnell aus ihm heraus und driftete, ohne das Kondom zu entsorgen, augenblicklich in einen tiefen erlösenden Schlaf.
Nach etwa einer halben Stunde schälte Lance sich unter ihm hervor und verließ unbemerkt Calebs Wohnung. Nicht ohne ein verruchtes Lächeln auf den Lippen zu haben, obwohl er mit einem ziemlich trockenen Kommentar belohnt worden war. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, bescherte einem das Leben tatsächlich die Kirsche auf der Sahnetorte.


*

Paperback: http://www.bod.de/buch/mari-celeste/mysterious-encounter/9783741297106.html ,
                         sowie überall sonst im Online und stationären Buchhandel unter 
ISBN 9-783741-297106

Amazon: http://bit.ly/mariceleste







Sonntag, 2. Oktober 2016

Leseprobe Mysterious Encounter #1

Heute gibt's Leseprobe #1 meines aktuellen Gay Romance Romans - 
Mysterious Encounter - Geheimnisvolle Begegnung 
Den Klappentext findet ihr im vorigen Post hier.  Hoffe, ihr findet Gefallen daran und freut euch auf mehr!  Leseproben #2 und #3 findet ihr weiter oben auf diesem Blog ;-)
Nun aber viel Spaß beim Lesen, freue mich über Rückmeldungen jeglicher Art. *zwinker*



~ № 1 ~

  

Heute war der schwärzeste Tag seines Lebens. Sein erster Roman The Lonesome Nightowl kam in die Buchläden und er konnte sich nicht einmal darüber freuen. Stattdessen saß er depressiv vor dem Computer und suchte verzweifelt nach den richtigen Worten. Seit einigen unglücklichen Zwischenfällen wusste er plötzlich Dinge über sich, die ihn nahezu vor Schreck erstarren ließen. Seiner derzeitigen Freundin Reba konnte er inzwischen nicht mehr in die Augen sehen, ohne zutiefst zu erröten, darum entschloss er sich lieber zu einem Ende mit Schrecken, als zu einem Schrecken ohne Ende. Sie hatte etwas Besseres verdient. Stundenlang brütete er jetzt schon über einem Abschiedsbrief an sie und kam doch zu keinem passablen Ergebnis. Noch einmal bewegte er seine kalten Finger über die Tastatur und seufzte nachdenklich.
Kaum hatte er den ersten Satz getippt, löschte er ihn auch schon wieder. Nichts wollte ihm gefallen oder der Situation auch nur irgendwie gerecht werden. Am Ende schrieb er einfach nur zwei Sätze und beließ es dabei, sie nicht über seine eigentlichen Gründe aufzuklären. Sie würde es sowieso nicht verstehen. Er verstand es ja nicht einmal selbst.
Kurz entschlossen warf er den Brief noch um halb elf Uhr abends in den nächstbesten Briefkasten und atmete erleichtert auf. Im selben Moment wurde ihm klar, dass die Reise jetzt erst beginnen sollte und er wahrscheinlich nie wieder derselbe sein würde. Seine Hände zitterten und ihm war eiskalt. Sein Weg führte ihn, ohne lange darüber nachzudenken, durch den verschneiten Central Park auf die andere Seite der Stadt zu Roxy, seiner besten Freundin seit der Schulzeit. Sie und er, das war wie Ying und Yang. Sie konnten nicht ohne einander und waren doch kein Liebespaar.
Roxy Fairbanks war eine junge, wild gelockte Rothaarige. Eine aufstrebende Theater-Schauspielerin am Broadway, weitläufig verwandt mit dem berühmten Douglas Fairbanks. Seit der College-Zeit waren sie ein Herz und eine Seele, denn sie war vom ersten Augenblick an von seinen Geschichten im Literaturkurs verzaubert gewesen. Manchmal hatte er sie im Verdacht, heimlich in ihn verliebt zu sein, aber dann wieder belehrte sie ihn regelmäßig eines Besseren, indem sie sich einen neuen Freund angelte, der ein paar Monate bei ihr verweilen durfte. Noch war sie nicht bereit, sich festzulegen, wie sie ihm jedes Mal nach einer Trennung wieder weiszumachen versuchte, dabei war das nur ihre Art mit dem Trennungsschmerz umzugehen. Er war dann der geeignete Kummerkasten und hörte ihr aufmerksam zu. Nicht zuletzt, um für seine Geschichten wertvolle Einblicke in das Liebesleben der Frauen zu gewinnen, wenn er ganz ehrlich war. Die Heldin seines ersten Romans war tatsächlich nach ihrem Vorbild entstanden und er hatte sie sogar nach ihr benannt. Roxy Malone. Na ja, nicht ganz.
Jetzt brauchte er sie allerdings, um ausnahmsweise einmal ihm zuzuhören, um seinen Kummer irgendwo los und getröstet zu werden. Seine ach so geplagten 28 Jahre hatten sich plötzlich in Millionen kleine Einzelteile gespalten und er war so durcheinander, dass er kaum noch vernünftige Sätze bilden konnte – weder auf dem Papier, noch verbal. Mit allem hatte er gerechnet, er hatte schon eine ganze Menge mitgemacht in seinem Leben, aber das? Das war selbst ihm zu viel und er kapitulierte vor seinem eigenen Schicksal. Jemand anderer musste ihn jetzt aus diesem Sumpf ziehen, oder er würde jämmerlich daran zugrunde gehen.
Ziemlich verunsichert klingelte er an Roxys Tür, atmete merklich schneller vor Aufregung. Was würde sie sagen? Von ihm denken? Oder tun? Konnte man ihm überhaupt helfen? Das alles wieder in Ordnung bringen, damit er normal weiterleben konnte? So viele Fragen, so wenige Antworten. Er zitterte am ganzen Körper und schwitzte trotz der Eiseskälte draußen.
»Komm rein, es ist offen!«, hörte er sie schließlich im dritten Stock gut gelaunt durch die geschlossene Wohnungstür rufen, nachdem er sich unten vorher über die Sprechanlage schon angekündigt hatte.
Er stand kaum in ihrem Apartment, da fiel sie ihm auch schon um den Hals und drückte ihn freudig an sich.
»Hey, Großer! Was verschafft mir die Ehre zu so später Stunde?«
Ihre Zähne blitzten so weiß wie frisch gefallener Schnee und er konnte nicht umhin, sie wunderschön zu finden. In einem alten Pyjama und dicken Wollsocken mit hochgesteckten Haaren und dieser schwarzen Nerd-Brille sah sie einfach super süß aus, das musste man ihr neidlos zugestehen.
»Können wir reden? Ernsthaft?« Seine Stimme zitterte.
»Oh... Natürlich. Was ist passiert, Aaron?«
Verwirrt blickte sie ihn mit dieser unglaublich riesigen Brille an und führte ihn dann zielstrebig zu ihrer Couch im Wohnzimmer. Als er schließlich saß, zog er den dicken Wintermantel aus und legte seinen Schal ab. Noch immer waren weiße Flocken darauf zu erkennen.
»Ich koche uns Tee. Oder willst du lieber Kaffee?«, fragte sie durch die Küchentür, die eigentlich nur aus einem windigen Vorhang bestand. New York war teuer und wer wusste das besser als er?
»Tee wäre gut. Danke.«
Wie sollte er bloß anfangen? In seinem Gehirn herrschte so etwas wie gähnende Leere. Ihm fehlten einfach die Worte, um sein Problem irgendwie zu erklären, ohne sein Gegenüber postwendend vom Sofa kippen zu lassen.
Als sie mit der Teekanne und zwei Tassen zurückkam, fühlte er sich sofort irgendwie umsorgt und beschützt. Sie setzte sich neben ihn und sah ihn abwartend an, während der Tee noch ziehen musste. Jetzt musste er wohl oder übel etwas sagen. Konversation machen, wie man es von einem jungen Mann erwartete, wenn er zu Besuch bei seiner besten Freundin war.
»Versprich mir, dass du nicht…«, begann er unsicher, schluckte seinen Speichel nervös wieder hinunter.
»Du kannst mir alles sagen, das weißt du.«
»Ja, ich weiß.« Sein Blick verfing sich in ihrem. »Es ist… Zufällig habe ich heute Morgen etwas gefunden.« Wieder machte er eine bedeutsame Pause. Es war einfach zu ungeheuerlich. Noch immer sinnierte er über die Bedeutung seiner unerwarteten Entdeckung.
»Aha. Und was genau hast du gefunden?«
»Einen Schlüsselbund. In einem fremden Anzug.«
»Und? Ich meine, wo?«
»Also…« Es fiel ihm so verdammt schwer. »Es ist aus mit Reba. Ich habe Schluss gemacht.«
Ihre grünen Augen verfolgten ihn geradezu. Sie fragte sich sicher, was er eigentlich damit sagen wollte, denn eine Antwort auf ihre Frage war das nicht gewesen. Genau wusste er das allerdings selbst noch nicht, aber er hatte jetzt zumindest eine Theorie, nachdem er den Anzug gesehen und den Namen auf dem Schlüsselbund gelesen hatte…