#1 und #2 findet ihr ebenfalls hier auf diesem Blog.
Vielleicht springt ja auch eine kleine Rezension für mich dabei raus. ^^
Viel Spaß beim Lesen!
~ № 3 ~
Zum
wiederholten Mal klingelte jetzt das Telefon auf der Station und Caleb wies die
Schwestern ärgerlich an, seinen Exfreund nicht mehr zu ihm durchzustellen. Max
wollte ihn beknien, ihn regelrecht mürbe machen und ihn zum x-ten Mal um
Verzeihung bitten, aber er hatte einfach keinen Nerv mehr dafür. Es war vorbei.
Außerdem hatte er noch immer ein Lächeln von
letzter Nacht auf den Lippen. Eigentlich war er nicht der Typ für eine Nacht,
aber dieses Mal hatte er sich darauf eingelassen und es nicht bereut. Es war
heiß gewesen. Dreckig. Und absolut nicht langweilig. Was war Max doch für ein
Arschloch, er hatte ihn überhaupt nicht zu würdigen gewusst. Da war dieser
junge Lance doch ein ganz anderes Kaliber. Dem hatte es ausnehmend gut
gefallen, wie er ihn sich zur Brust genommen hatte und ihm selbst natürlich
auch. Da wäre er einem zweiten Treffen nicht abgeneigt, auch wenn es nicht den
Anschein hatte, als würde Lance sich darauf einlassen. Wenigstens hatte er sich
bei ihm austoben dürfen und allein das war schon ein dauerhaftes Lächeln wert.
»Dr. Bernstein?«
Caleb zuckte unter der schrillen Stimme der
Stationsschwester zusammen. »Ja?«
»Bereit für die Visite?«
»Ich denke schon. Alles ruhig geblieben letzte
Nacht?« Wieder unterdrückte er ein leichtes Grinsen bei dem Gedanken an seine
eigenen nächtlichen Aktivitäten.
»Bis auf Mr. Fisher, ja. Das Übliche, er hat
leicht durchgedreht und musste erneut ruhiggestellt werden.«
»In Ordnung, ich sehe mir die Krankenakte noch
einmal genauer an. Wie oft war er inzwischen bei der Beschäftigungstherapie?«
»Dreimal laut meinen Aufzeichnungen. Er
erwartet Wunder, die wir nicht liefern können. Sie sollten ihm das deutlich im
Einzelgespräch klarmachen, Dr. Bernstein.«
»Wir werden sehen. Geben Sie ihm auf jeden Fall
seine Medikamente in der verordneten Dosis, bevor wir eventuell doch noch über
eine Erhöhung nachdenken. So, dann mal los! Wir haben noch eine Menge zu tun
heute!«
Zusammen schritten sie den steril wirkenden
Krankenhausflur entlang Richtung des ersten Patientenzimmers. Wenigstens waren
heute keine Studenten dabei, die die Prozedur meist in die Länge zu ziehen
pflegten, weil man viel erklären und abfragen musste. Trotzdem liebte Caleb es
zu unterrichten, denn manchmal brachten die jungen Mediziner auch erfrischende
Einsichten und neue Ansatzpunkte zutage. Nicht selten überdachte er seine
eigene Diagnose nach so einer Visite dann noch einmal und versicherte sich auf
diese Weise seiner eigenen Kompetenz und der bestmöglichen Behandlung im Sinne
des Patienten. Er war eben mit Leib und Seele Arzt.
Der restliche Arbeitstag verlief
außerordentlich ruhig für seine Verhältnisse, er konnte pünktlich um fünf das
Krankenhaus verlassen und freute sich auf einen gemütlichen Abend zu Hause auf
der Couch. Leider wurde dieser Wunsch jäh unterbrochen, als er Max mit
schuldbewusster Miene vor seinem Apartment antraf. Eigentlich hätte er sich
denken können, dass der junge Mann nicht so einfach aufgeben würde.
»Was tust du hier?«, fragte er ihn mit einiger
Beherrschung und zückte zugleich seinen Wohnungsschlüssel, um die Tür zu
öffnen. »Und wer hat dich ins Haus gelassen?«
»Hab einfach überall geklingelt. Cal… Kann ich
mit dir reden?«
»Eigentlich habe ich keine Zeit.«
»Du hast doch nicht schon eine neue
Verabredung?« Seine Stimme klang nicht wirklich gefasst. »Hast du?«
»Und wenn es so wäre?« Caleb betrat sein
Apartment und wollte schon die Tür hinter sich schließen, als Max blitzschnell
seinen Fuß zwischen Tür und Angel platzierte. »Muss das sein?«
»Ich vermisse dich. Bitte, lass mich dir
erklären…«
»Max, ich habe dir alles gesagt und ich möchte
keine weiteren Erklärungen von dir hören, denn nichts, was du sagst, kann meine
Meinung ändern! Vielleicht bist du in fünf Jahren so weit, aber jetzt in diesem
Moment passen wir einfach noch nicht zusammen. Du musst erst einmal erwachsen
werden, kapiert?!«
»Ich war dumm… Kannst du mir denn nicht
verzeihen? Es ist… Ich habe mich sicher gewähnt, verstehst du? Du warst immer
da. Mir war nicht klar, dass ich kein Gewohnheitsrecht auf dich habe. In
Zukunft werde ich an unserer Beziehung arbeiten, versprochen!«
»Max… Deine Einsicht kommt reichlich spät. Ich…
Es geht nicht mehr. Meine Gefühle für dich haben sich im Laufe der Zeit
verändert. Da ist nichts mehr, was man wiederbeleben könnte. Also, bitte… Lass
mich in Ruhe und mach dein eigenes Ding, ja?«
Der junge Mann sah wirklich elend aus. Caleb
hatte sogar irgendwie Mitleid mit ihm, konnte seinem Wunsch aber dennoch nicht
einfach so nachkommen.
»Du hast einen anderen«, murmelte Max
frustriert und schlug die Augen nieder.
»Wenn du so willst, ja, ich habe einen Neuen.«
Warum log er ihn jetzt an? Vielleicht weil es dann einfacher für Max war, ihn
zu vergessen?
»Ich wusste es.« Traurig machte der junge Mann
kehrt und winkte zum Abschied. »Ich werde dich immer lieben.«
Caleb schluckte, als er ihn das sagen hörte,
während er bereits die Treppe hinunter ging. Max bot ein Bild des Jammers und
für eine Millisekunde war er tatsächlich versucht, seinem flehenden Wunsch
nachzugeben. Das plötzliche nüchterne Klingeln seines Handys hielt ihn aber
glücklicherweise vor einer großen Dummheit zurück. Er schloss leise die Tür und
nahm den Anruf innerlich erleichtert entgegen.
*
Eine
Woche später hatte er in der Klinik ziemlich viel Stress und wollte sich am
Abend ausnahmsweise wieder einmal abreagieren, um all die schlimmen Schicksale
irgendwie zu vergessen, sie nicht mit nach Hause zu nehmen und nächtelang über
den härtesten Fällen zu grübeln. In seiner Eigenschaft als Mediziner verordnete
Caleb sich kurzerhand einmal selbst Beschäftigungstherapie und stand
schließlich beherzt vorm Spiegel im Badezimmer, um sich schön zu machen. Er war
doch etwas eitel, gestand er sich peinlich berührt ein und grinste seinem
Spiegelbild frivol entgegen. Eigentlich war es ganz schön, mal eine Weile
Single zu sein und einfach keinerlei Verpflichtungen zu haben. Bisher hatte er
noch immer jemanden für eine Nacht gefunden und auch heute wollte er seine
überschüssige Energie auf diese Weise loswerden.
Die Nacht war warm, Regen kündigte sich auf dem
Weg zum Club an. Den ganzen Tag über war es schon schwül und drückend gewesen,
eigentlich keine Nacht für ein erotisches Rendezvous, wenn man schon allein von
der Bewegung des kleinen Fingers das Gefühl hatte, eine Hitzewelle würde einen
gleich außer Gefecht setzen. Wenn seine Patienten ihn in dem knappen Outfit
sehen könnten, das er gerade wagte zu tragen, würden sie ihm vermutlich kein
Wort mehr glauben. In seinem schwarzen Top und einer knackig enger Jeans sah er
wirklich gut aus. Seine blonden, längeren Haare fielen ihm neckisch ins Gesicht
und umrahmten einen sexy Dreitagebart, als hätte er nie im Leben etwas anderes
gemacht, als hübsche Männer an der Bar aufzureißen. Und genau das wollte er
jetzt auch tun. Sich einfach amüsieren und an gar nichts denken – außer an ein
Kondom natürlich.
Die ersten Regentropfen fielen bereits, als er
durch die Eingangstür des Clubs schnell ins trockene Innere verschwand. In
seinem Alter war er zwar schon etwas überreif für die junge schwule Community,
aber durch sein gutes Aussehen hatte er noch immer mehr als gute Chancen auf
dem Markt. Viele junge Männer standen auf ältere Kerle, die fest im Leben
standen, über genügend Geld verfügten und vor allem schon einen fertig
entwickelten Körper aufzuweisen hatten. Und davon konnte er eine ganze Menge
präsentieren, dank seines regelmäßigen Trainings am frühen Morgen vor der
Schicht im Krankenhaus.
Mit hungrigen Augen scannte er die anwesenden
Appetithäppchen und setzte sich dann guter Dinge an die Bar, um sich erst
einmal ein Bier zu gönnen, während er die Tanzfläche im Auge behalten wollte.
Selbst wenn er keinen Mann auftun sollte, das Beobachten allein war schon
Entspannung genug, wenn man es genau betrachtete. Seine Gedanken schweiften zu
möglichen Partnern und er ertappte sich dabei, wie er jeden potentiellen
Bettgenossen mit dem Kerl von letzter Woche zu vergleichen drohte. Der hatte
mächtig Eindruck auf ihn gemacht und er wollte diese Gedanken und Gefühle
eigentlich gar nicht zulassen, aber irgendwie schlich der junge Mann sich immer
wieder in seine Überlegungen, ob er das nun wollte oder nicht.
Während er noch krampfhaft versuchte, sein
Augenmerk auf die Menge tanzender Kerle zu richten, entdeckte er plötzlich sein
eigentliches Objekt der Begierde den Raum betreten. Nein, das war nicht ganz
richtig, er schien den Raum förmlich zu füllen. Zumindest kam es Caleb so vor.
Lance war ein unglaublich schöner Mann, wie er erneut feststellen musste. Seine
Art sich zu kleiden war einfach umwerfend attraktiv und das schien er auch zu
wissen, was ihn nicht unbedingt sympathischer für ihn machte. Er war ziemlich sehr
auffällig gekleidet und stach aus der Menge heraus, weil sein Körper sich regelrecht
in die schwarze enge Hose und das glänzende, anthrazit farbige Hemd hinein
schmiegte. Die dunklen kurzen Haare und ein eleganter Gang rundeten das Bild
ab.
Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen
Moment. Caleb meinte ein leichtes Aufleuchten in seinen Augen entdeckt zu
haben, schalt sich aber sofort einen kompletten Narren und nippte zur Ablenkung
an seinem Bier. Als ob so ein Kerl sich mehr als einmal mit demselben Mann
einlassen würde! Lächerlich! Er war ja selbst auch nicht gewillt dazu. Nur bei
ihm würde er nur zu gern eine Ausnahme machen, wenn er ehrlich war. Neben
seinen körperlichen Vorzügen, die nicht von der Hand zu weisen waren, bot Lance
auch einen netten Charakter, soviel er bis jetzt in der kurzen Zeit hatte
erkennen können. Meist waren Aufreißer dieser Art ziemliche Schweine und
absolut unsozial gestrickt.
Nachdenklich senkte er den Blick in sein Bier
und wollte plötzlich gar keinen anderen Mann mehr abschleppen. Was halfen denn
all die Logik und der Verstand, wenn die Gefühle nicht mitspielen wollten?
Leise fluchte er vor sich hin, sich über sich selbst und sein widerspenstiges
Herz ärgernd.
»Welche Laus ist dir denn über die Leber
gelaufen?«
Caleb blickte erschrocken auf und fand sich
plötzlich seinem Wunschtraum gegenüber. Zuerst hatte er noch gehofft, Parker
hätte ihn angesprochen, um ihm noch ein Bier zu entlocken.
»Du hier?«, fragte er zurück, ohne ihm auf zu
antworten.
»Sieht ganz so aus. Also, was lässt dich so
mies drauf sein?«
»Vergiss es! Stress im Job.«
Lance grinste verrucht. »Du solltest hinter dem
Tresen arbeiten, wie ich! Da relativiert sich so einiges!«
»Wieso sehe ich dich dann nie etwas
ausschenken?«
»Vermutlich, weil ich nicht hier arbeite. Hatte
ich dir nicht davon erzählt? Die GYM Sports Bar?«
Das klang einleuchtend für Caleb. Er hatte das
wohl inzwischen wieder vergessen. Mit neugierigem Blick musterte er ihn und
prostete ihm dann mit seinem Bier zu.
»Darf ich dir einen ausgeben?«, fragte er ihn
mutig, erwartete aber eine klare Absage, wenn er ehrlich zu sich selbst war.
»Warum nicht? Ich habe noch zwei Stunden Zeit,
bevor mein Dienst beginnt.« Lance lächelte vergnügt. Dieser schöne Arzt schien
überhaupt nicht zu wissen, was für eine erotische Ausstrahlung er hatte. Aber
er wäre sicher der Letzte, der ihm das auf dem Silbertablett präsentieren
würde.
»Ein Bier für dich?«
»Danke, gerne. Hast du heute schon was vor?«
»Ich dachte, du musst später noch arbeiten?«,
grinste Caleb überrascht über die ähnliche resolute Anmache.
»Zwei Stunden sind verdammt lang.«
»Da magst du wohl Recht haben. Aber ich sage
nicht nein, wenn es das ist, was du hören willst.«
Parker stellte ihnen das Bier vor die Nase und
zwinkerte ihm neckisch zu. Lance schürzte kurz die Lippen zum Dank und
antwortete dann Caleb auf seine Frage.
»Genau das wollte ich hören!«, prostete er
Caleb vergnügt zwinkernd zu. »Normalerweise habe ich keinen Kerl zweimal, aber
für dich mache ich eine Ausnahme.«
»Weil ich so armselig drein blicke?«, brummte
Caleb verletzt.
»Nein, weil du keinen Schimmer zu haben
scheinst, was für eine Sahneschnitte du bist! Jemand muss dir mal die Augen
öffnen!«
Das aus seinem Mund zu hören, veranlasste Caleb
nun doch herzhaft zu lachen. Nie zuvor hatte ihm ein Mann derart Honig um den
Bart geschmiert, nur um ihn ins Bett zu bekommen. Das grenzte schon fast an
Ironie des Schicksals, denn Max hatte ihm immer im Streit an den Kopf geworfen,
er würde nie im Leben noch einmal so einen Schönling wie ihn treffen oder gar
abschleppen. Und da stand er nun vor ihm: einer der schönsten Männer überhaupt
und er hatte ihn nach einer heißen Nacht gefragt.
»Lass gut sein, Lance! So nötig habe ich es nun
auch wieder nicht!«
Als ob er dieses Gesülze auch nur im Ansatz
glauben könnte! Wenn er ihn flach legen wollte, bräuchte er es nur zu sagen,
statt ihm so übertriebene Komplimente zu machen.
»Dann danke für das Bier, Caleb! Ich finde
sicher auch einen anderen Stecher für die zwei lausigen Stunden.« Das würde
noch interessant werden, dachte der Jüngere amüsiert über Calebs bissige
Reaktion auf sein tatsächlich ernst gemeintes Kompliment.
»Keine Ursache. Such dir in Zukunft einen anderen
Dummen für deine schleimige Anmache.«
Ohne sich noch einmal umzudrehen, machte sich
Lance davon auf die Tanzfläche, um sich dort ein wenig abzureagieren und nach
einem neuen Opfer Ausschau zu halten. Immer mit der Absicht, den jungen Arzt
damit eifersüchtig zu machen und doppelt zu reizen. So schnell wollte er nicht
aufgeben. Seine Ausstrahlung hatte bisher noch nie ihre Wirkung verfehlt.
Caleb trank sein Bier aus und wollte den Club
gerade verlassen, als ihm noch auffiel, dass Lance inzwischen tatsächlich einen
anderen Typ aufgetan hatte und mit ihm förmlich über die Tanzfläche flirtete.
Er konnte sich ohne Zweifel bewegen. Mit geöffneten Lippen sah er ihm von
weitem noch eine Weile zu und ärgerte sich über seine verpatzte Chance.
Schließlich hätte es ja nur eine geile Nacht werden sollen und keine Ehe für
die Ewigkeit. Aber nun war es eindeutig zu spät. Unbefriedigt trat er
schließlich durch die Tür ins Freie und kramte eine Zigarette aus seiner
Jackentasche, was er eigentlich nur machte, wenn er richtig fertig war.
Vielleicht war das einer dieser Augenblicke, er wusste es nicht genau.
»Feuer?«, hielt ihm Lance plötzlich sein
Feuerzeug vor die Nase, noch bevor Caleb die Zigarette selbst hatte entzünden
können.
Nach einigen Zügen brannte der Glimmstängel und
Caleb war wieder sicher genug, um ihm zu antworten.
»Das war aber eine schnelle Nummer!«
»Ich fand den Song schon immer geil.«
Verblüfft über seine schlagfertige Antwort,
schüttelte Caleb nur den Kopf und wandte sich zum Gehen.
Aber Lance hielt ihn kurzerhand am Ärmel auf. »Eigentlich
laufe ich Männern nicht hinterher, aber bei dir mache ich eine Ausnahme.«
»Schon wieder? Du gibst wohl nie auf?«
»Das sollte dir zu denken geben.«
»Mir die Augen öffnen, meinst du wohl.«
»Oder so.« Verlegen lächelte er ihm zu. »Ich
pflege nicht zu schleimen. Das habe ich nicht nötig.«
»Aha. Und nun?«
»Gehen wir zu dir und du vögelst mir das Hirn
raus, was denn sonst?« Seine Lippen schienen förmlich zu glänzen, was Caleb
nicht gerade kalt zu lassen schien. »Irgendwelche Einwände?«
Der junge Arzt schüttelte erneut den Kopf über
die dreiste Anmache des hübschen Mannes, nickte aber dann doch zustimmend und
ging voraus den Bürgersteig entlang.
Lance folgte ihm auf dem Fuß, die Hände in den
Hosentaschen. Er wusste selbst nicht wirklich, was in ihn gefahren war, aber
dieser Mann machte ihn verrückt mit seiner Ausstrahlung, der nüchternen Art und
dem offensichtlichen Desinteresse an seiner Person. Dass Caleb seinen Körper
geil zu finden schien, war keine Frage, aber irgendwie genügte dem jungen Mann
das in seinem Fall nicht. Er wollte ihn beeindrucken. Mit Humor und Intellekt.
Nicht mit seinem wohlgeformten Körper und dem hübschen Gesicht. Vielleicht weil
er ein renommierter Arzt war. Besser verdienend. Es ging hier um die Ehre, irgendwie.
Zumindest kam es ihm so vor.
»Jetzt haben wir nur noch eine gute Stunde«,
murmelte Caleb neben ihm, während sie Richtung seines Apartments liefen.
»Dumm gelaufen.«
Zielstrebig näherten sie sich der Wohnung. Es
nieselte und leichter Wind kam auf. In Calebs Kopf herrschte absolute Leere,
noch immer dachte er an das Kompliment des Jüngeren an ihn. Und er konnte es
trotz allem noch nicht glauben. Aber Fakt war, der junge Schönling war ihm
extra gefolgt und hatte noch einmal alles auf eine Karte gesetzt. So etwas
Verrücktes war ihm noch nie vorher passiert. Max hätte sich bestimmt wieder
über ihn lustig gemacht.
Die gute Stunde begannen sie schließlich nicht
lange mit Small Talk, sondern kamen sofort zum Wesentlichen. Nur dass Caleb ihn
diesmal nicht an Max‘ Stelle bestrafen wollte, sondern sich vielmehr nur zu
gerne in seinem Erfolg sonnte. Auch wenn der Sex wieder wild und unverblümt
war, hatte es jetzt doch eine etwas freundschaftlichere Note. Vor allem konnte
Caleb dieses Mal nicht sofort danach einschlafen, sondern starrte neben Lance
an die Zimmerdecke und wunderte sich über ihr einzigartiges Zusammenspiel beim
Sex.
Lance seufzte zufrieden. »Hat sich gelohnt.
Definitiv.«
»Bisher haben sich öfter mal Kerle beschwert
über meine Aktivitäten im Bett. Du scheinst dich allerdings ganz wohl mit mir
zu fühlen.«
»Beschwert? Über den Sex mit dir?«
»Ich wäre langweilig. Zu schnell. Egoistisch.
Total daneben. Such dir was aus!«
Lance war ja einiges gewöhnt, aber das hier
setzte dem Fass die Krone auf. »Dann waren die offensichtlich alle nicht ganz
dicht. Oder aber hetero.« Er grinste über seinen kleinen Scherz.
»Hattest du schon viele im Bett?« Schließlich
muss man ja vergleichen können, wenn man solche Behauptungen aufstellt, dachte
Caleb interessiert.
»Mehr als fünfzig bestimmt. Reicht das, um dich
beurteilen zu können?«
»Definitiv. Das reicht. Gegen dich bin ich ein
armseliger Tropf.«
»Qualität ist besser als Quantität.«
»Auch wieder wahr. Ich hatte nur vier. Mit dir
fünf. Nicht gerade viel Übung.«
»Hattest du auch Frauen?«
»Zwei. Also sieben insgesamt. Du?«
»Ich weiß nicht.« Nachdenklich kratzte Lance
sich am Kopf.
»Du weißt es nicht?«
»Ja. Ich kann mich an keine erinnern, aber mein
Gefühl sagt mir, ich habe damit Erfahrung. Klingt das sehr dumm für dich?«
»Immerhin bist du ein Bottom. Das ist auch eine
Art von weiblicher Erfahrung…«, meinte Caleb tiefsinnig und grinste ihm
amüsiert ins Gesicht.
»So habe ich das nicht gemeint, aber es wäre
eine Erklärung«, lachte Lance amüsiert. »Obwohl ich manchmal auch gern der Top
bin.«
»Man vergisst doch keine sexuellen Abenteuer?«
»Ich schon. Offensichtlich. Vielleicht bin ich
ja mal auf den Kopf gefallen, oder so. Ich habe keinerlei Erinnerung an meine
Kindheit.«
»Ich glaube, du solltest jetzt in die GYM Bar
und ausschenken.«
»Wohl wahr. Sehen wir uns wieder?«, hörte Lance
sich tatsächlich fragen und wusste kaum wie ihm geschah.
»Lassen wir den Zufall entscheiden.«
»Er wird mir Recht geben, du wirst sehen!«
Grinsend schlüpfte er in seine Hose und das Hemd und winkte noch kurz zum
Abschied.
Dann war er auch schon weg. Caleb starrte ihm
noch eine ganze Weile sprachlos hinterher. Zwickte sich schließlich selbst in
den Oberschenkel und schrie kurz auf vor Schmerz. Nein, er träumte nicht.
Offensichtlich hatte der jüngere Mann tatsächlich einen Narren an ihm
gefressen. Auch wenn es wohl nur eine Bettgeschichte werden sollte, alles war
besser als nichts. Nur die vergessene Kindheit und Jugend gab ihm ein wenig zu denken,
nicht umsonst beschäftigte er sich tagtäglich beruflich mit Psychologie.

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