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Donnerstag, 24. November 2016

Leseprobe Mysterious Encounter #3

Hier noch mal eine kleine Leseprobe (#3) als Appetizer ;-) 
#1 und #2 findet ihr ebenfalls hier auf diesem Blog.
Vielleicht springt ja auch eine kleine Rezension für mich dabei raus. ^^
Viel Spaß beim Lesen! 

~ № 3 ~


Zum wiederholten Mal klingelte jetzt das Telefon auf der Station und Caleb wies die Schwestern ärgerlich an, seinen Exfreund nicht mehr zu ihm durchzustellen. Max wollte ihn beknien, ihn regelrecht mürbe machen und ihn zum x-ten Mal um Verzeihung bitten, aber er hatte einfach keinen Nerv mehr dafür. Es war vorbei.
Außerdem hatte er noch immer ein Lächeln von letzter Nacht auf den Lippen. Eigentlich war er nicht der Typ für eine Nacht, aber dieses Mal hatte er sich darauf eingelassen und es nicht bereut. Es war heiß gewesen. Dreckig. Und absolut nicht langweilig. Was war Max doch für ein Arschloch, er hatte ihn überhaupt nicht zu würdigen gewusst. Da war dieser junge Lance doch ein ganz anderes Kaliber. Dem hatte es ausnehmend gut gefallen, wie er ihn sich zur Brust genommen hatte und ihm selbst natürlich auch. Da wäre er einem zweiten Treffen nicht abgeneigt, auch wenn es nicht den Anschein hatte, als würde Lance sich darauf einlassen. Wenigstens hatte er sich bei ihm austoben dürfen und allein das war schon ein dauerhaftes Lächeln wert.
»Dr. Bernstein?«
Caleb zuckte unter der schrillen Stimme der Stationsschwester zusammen. »Ja?«
»Bereit für die Visite?«
»Ich denke schon. Alles ruhig geblieben letzte Nacht?« Wieder unterdrückte er ein leichtes Grinsen bei dem Gedanken an seine eigenen nächtlichen Aktivitäten.
»Bis auf Mr. Fisher, ja. Das Übliche, er hat leicht durchgedreht und musste erneut ruhiggestellt werden.«
»In Ordnung, ich sehe mir die Krankenakte noch einmal genauer an. Wie oft war er inzwischen bei der Beschäftigungstherapie?«
»Dreimal laut meinen Aufzeichnungen. Er erwartet Wunder, die wir nicht liefern können. Sie sollten ihm das deutlich im Einzelgespräch klarmachen, Dr. Bernstein.«
»Wir werden sehen. Geben Sie ihm auf jeden Fall seine Medikamente in der verordneten Dosis, bevor wir eventuell doch noch über eine Erhöhung nachdenken. So, dann mal los! Wir haben noch eine Menge zu tun heute!«
Zusammen schritten sie den steril wirkenden Krankenhausflur entlang Richtung des ersten Patientenzimmers. Wenigstens waren heute keine Studenten dabei, die die Prozedur meist in die Länge zu ziehen pflegten, weil man viel erklären und abfragen musste. Trotzdem liebte Caleb es zu unterrichten, denn manchmal brachten die jungen Mediziner auch erfrischende Einsichten und neue Ansatzpunkte zutage. Nicht selten überdachte er seine eigene Diagnose nach so einer Visite dann noch einmal und versicherte sich auf diese Weise seiner eigenen Kompetenz und der bestmöglichen Behandlung im Sinne des Patienten. Er war eben mit Leib und Seele Arzt.
Der restliche Arbeitstag verlief außerordentlich ruhig für seine Verhältnisse, er konnte pünktlich um fünf das Krankenhaus verlassen und freute sich auf einen gemütlichen Abend zu Hause auf der Couch. Leider wurde dieser Wunsch jäh unterbrochen, als er Max mit schuldbewusster Miene vor seinem Apartment antraf. Eigentlich hätte er sich denken können, dass der junge Mann nicht so einfach aufgeben würde.
»Was tust du hier?«, fragte er ihn mit einiger Beherrschung und zückte zugleich seinen Wohnungsschlüssel, um die Tür zu öffnen. »Und wer hat dich ins Haus gelassen?«
»Hab einfach überall geklingelt. Cal… Kann ich mit dir reden?«
»Eigentlich habe ich keine Zeit.«
»Du hast doch nicht schon eine neue Verabredung?« Seine Stimme klang nicht wirklich gefasst. »Hast du?«
»Und wenn es so wäre?« Caleb betrat sein Apartment und wollte schon die Tür hinter sich schließen, als Max blitzschnell seinen Fuß zwischen Tür und Angel platzierte. »Muss das sein?«
»Ich vermisse dich. Bitte, lass mich dir erklären…«
»Max, ich habe dir alles gesagt und ich möchte keine weiteren Erklärungen von dir hören, denn nichts, was du sagst, kann meine Meinung ändern! Vielleicht bist du in fünf Jahren so weit, aber jetzt in diesem Moment passen wir einfach noch nicht zusammen. Du musst erst einmal erwachsen werden, kapiert?!«
»Ich war dumm… Kannst du mir denn nicht verzeihen? Es ist… Ich habe mich sicher gewähnt, verstehst du? Du warst immer da. Mir war nicht klar, dass ich kein Gewohnheitsrecht auf dich habe. In Zukunft werde ich an unserer Beziehung arbeiten, versprochen!«
»Max… Deine Einsicht kommt reichlich spät. Ich… Es geht nicht mehr. Meine Gefühle für dich haben sich im Laufe der Zeit verändert. Da ist nichts mehr, was man wiederbeleben könnte. Also, bitte… Lass mich in Ruhe und mach dein eigenes Ding, ja?«
Der junge Mann sah wirklich elend aus. Caleb hatte sogar irgendwie Mitleid mit ihm, konnte seinem Wunsch aber dennoch nicht einfach so nachkommen.
»Du hast einen anderen«, murmelte Max frustriert und schlug die Augen nieder.
»Wenn du so willst, ja, ich habe einen Neuen.« Warum log er ihn jetzt an? Vielleicht weil es dann einfacher für Max war, ihn zu vergessen?
»Ich wusste es.« Traurig machte der junge Mann kehrt und winkte zum Abschied. »Ich werde dich immer lieben.«
Caleb schluckte, als er ihn das sagen hörte, während er bereits die Treppe hinunter ging. Max bot ein Bild des Jammers und für eine Millisekunde war er tatsächlich versucht, seinem flehenden Wunsch nachzugeben. Das plötzliche nüchterne Klingeln seines Handys hielt ihn aber glücklicherweise vor einer großen Dummheit zurück. Er schloss leise die Tür und nahm den Anruf innerlich erleichtert entgegen.

*

Eine Woche später hatte er in der Klinik ziemlich viel Stress und wollte sich am Abend ausnahmsweise wieder einmal abreagieren, um all die schlimmen Schicksale irgendwie zu vergessen, sie nicht mit nach Hause zu nehmen und nächtelang über den härtesten Fällen zu grübeln. In seiner Eigenschaft als Mediziner verordnete Caleb sich kurzerhand einmal selbst Beschäftigungstherapie und stand schließlich beherzt vorm Spiegel im Badezimmer, um sich schön zu machen. Er war doch etwas eitel, gestand er sich peinlich berührt ein und grinste seinem Spiegelbild frivol entgegen. Eigentlich war es ganz schön, mal eine Weile Single zu sein und einfach keinerlei Verpflichtungen zu haben. Bisher hatte er noch immer jemanden für eine Nacht gefunden und auch heute wollte er seine überschüssige Energie auf diese Weise loswerden.
Die Nacht war warm, Regen kündigte sich auf dem Weg zum Club an. Den ganzen Tag über war es schon schwül und drückend gewesen, eigentlich keine Nacht für ein erotisches Rendezvous, wenn man schon allein von der Bewegung des kleinen Fingers das Gefühl hatte, eine Hitzewelle würde einen gleich außer Gefecht setzen. Wenn seine Patienten ihn in dem knappen Outfit sehen könnten, das er gerade wagte zu tragen, würden sie ihm vermutlich kein Wort mehr glauben. In seinem schwarzen Top und einer knackig enger Jeans sah er wirklich gut aus. Seine blonden, längeren Haare fielen ihm neckisch ins Gesicht und umrahmten einen sexy Dreitagebart, als hätte er nie im Leben etwas anderes gemacht, als hübsche Männer an der Bar aufzureißen. Und genau das wollte er jetzt auch tun. Sich einfach amüsieren und an gar nichts denken – außer an ein Kondom natürlich.
Die ersten Regentropfen fielen bereits, als er durch die Eingangstür des Clubs schnell ins trockene Innere verschwand. In seinem Alter war er zwar schon etwas überreif für die junge schwule Community, aber durch sein gutes Aussehen hatte er noch immer mehr als gute Chancen auf dem Markt. Viele junge Männer standen auf ältere Kerle, die fest im Leben standen, über genügend Geld verfügten und vor allem schon einen fertig entwickelten Körper aufzuweisen hatten. Und davon konnte er eine ganze Menge präsentieren, dank seines regelmäßigen Trainings am frühen Morgen vor der Schicht im Krankenhaus.
Mit hungrigen Augen scannte er die anwesenden Appetithäppchen und setzte sich dann guter Dinge an die Bar, um sich erst einmal ein Bier zu gönnen, während er die Tanzfläche im Auge behalten wollte. Selbst wenn er keinen Mann auftun sollte, das Beobachten allein war schon Entspannung genug, wenn man es genau betrachtete. Seine Gedanken schweiften zu möglichen Partnern und er ertappte sich dabei, wie er jeden potentiellen Bettgenossen mit dem Kerl von letzter Woche zu vergleichen drohte. Der hatte mächtig Eindruck auf ihn gemacht und er wollte diese Gedanken und Gefühle eigentlich gar nicht zulassen, aber irgendwie schlich der junge Mann sich immer wieder in seine Überlegungen, ob er das nun wollte oder nicht.
Während er noch krampfhaft versuchte, sein Augenmerk auf die Menge tanzender Kerle zu richten, entdeckte er plötzlich sein eigentliches Objekt der Begierde den Raum betreten. Nein, das war nicht ganz richtig, er schien den Raum förmlich zu füllen. Zumindest kam es Caleb so vor. Lance war ein unglaublich schöner Mann, wie er erneut feststellen musste. Seine Art sich zu kleiden war einfach umwerfend attraktiv und das schien er auch zu wissen, was ihn nicht unbedingt sympathischer für ihn machte. Er war ziemlich sehr auffällig gekleidet und stach aus der Menge heraus, weil sein Körper sich regelrecht in die schwarze enge Hose und das glänzende, anthrazit farbige Hemd hinein schmiegte. Die dunklen kurzen Haare und ein eleganter Gang rundeten das Bild ab.
Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. Caleb meinte ein leichtes Aufleuchten in seinen Augen entdeckt zu haben, schalt sich aber sofort einen kompletten Narren und nippte zur Ablenkung an seinem Bier. Als ob so ein Kerl sich mehr als einmal mit demselben Mann einlassen würde! Lächerlich! Er war ja selbst auch nicht gewillt dazu. Nur bei ihm würde er nur zu gern eine Ausnahme machen, wenn er ehrlich war. Neben seinen körperlichen Vorzügen, die nicht von der Hand zu weisen waren, bot Lance auch einen netten Charakter, soviel er bis jetzt in der kurzen Zeit hatte erkennen können. Meist waren Aufreißer dieser Art ziemliche Schweine und absolut unsozial gestrickt.
Nachdenklich senkte er den Blick in sein Bier und wollte plötzlich gar keinen anderen Mann mehr abschleppen. Was halfen denn all die Logik und der Verstand, wenn die Gefühle nicht mitspielen wollten? Leise fluchte er vor sich hin, sich über sich selbst und sein widerspenstiges Herz ärgernd.
»Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?«
Caleb blickte erschrocken auf und fand sich plötzlich seinem Wunschtraum gegenüber. Zuerst hatte er noch gehofft, Parker hätte ihn angesprochen, um ihm noch ein Bier zu entlocken.
»Du hier?«, fragte er zurück, ohne ihm auf zu antworten.
»Sieht ganz so aus. Also, was lässt dich so mies drauf sein?«
»Vergiss es! Stress im Job.«
Lance grinste verrucht. »Du solltest hinter dem Tresen arbeiten, wie ich! Da relativiert sich so einiges!«
»Wieso sehe ich dich dann nie etwas ausschenken?«
»Vermutlich, weil ich nicht hier arbeite. Hatte ich dir nicht davon erzählt? Die GYM Sports Bar
Das klang einleuchtend für Caleb. Er hatte das wohl inzwischen wieder vergessen. Mit neugierigem Blick musterte er ihn und prostete ihm dann mit seinem Bier zu.
»Darf ich dir einen ausgeben?«, fragte er ihn mutig, erwartete aber eine klare Absage, wenn er ehrlich zu sich selbst war.
»Warum nicht? Ich habe noch zwei Stunden Zeit, bevor mein Dienst beginnt.« Lance lächelte vergnügt. Dieser schöne Arzt schien überhaupt nicht zu wissen, was für eine erotische Ausstrahlung er hatte. Aber er wäre sicher der Letzte, der ihm das auf dem Silbertablett präsentieren würde.
»Ein Bier für dich?«
»Danke, gerne. Hast du heute schon was vor?«
»Ich dachte, du musst später noch arbeiten?«, grinste Caleb überrascht über die ähnliche resolute Anmache. 
»Zwei Stunden sind verdammt lang.«
»Da magst du wohl Recht haben. Aber ich sage nicht nein, wenn es das ist, was du hören willst.«
Parker stellte ihnen das Bier vor die Nase und zwinkerte ihm neckisch zu. Lance schürzte kurz die Lippen zum Dank und antwortete dann Caleb auf seine Frage.
»Genau das wollte ich hören!«, prostete er Caleb vergnügt zwinkernd zu. »Normalerweise habe ich keinen Kerl zweimal, aber für dich mache ich eine Ausnahme.«
»Weil ich so armselig drein blicke?«, brummte Caleb verletzt.
»Nein, weil du keinen Schimmer zu haben scheinst, was für eine Sahneschnitte du bist! Jemand muss dir mal die Augen öffnen!«
Das aus seinem Mund zu hören, veranlasste Caleb nun doch herzhaft zu lachen. Nie zuvor hatte ihm ein Mann derart Honig um den Bart geschmiert, nur um ihn ins Bett zu bekommen. Das grenzte schon fast an Ironie des Schicksals, denn Max hatte ihm immer im Streit an den Kopf geworfen, er würde nie im Leben noch einmal so einen Schönling wie ihn treffen oder gar abschleppen. Und da stand er nun vor ihm: einer der schönsten Männer überhaupt und er hatte ihn nach einer heißen Nacht gefragt.
»Lass gut sein, Lance! So nötig habe ich es nun auch wieder nicht!«
Als ob er dieses Gesülze auch nur im Ansatz glauben könnte! Wenn er ihn flach legen wollte, bräuchte er es nur zu sagen, statt ihm so übertriebene Komplimente zu machen.
»Dann danke für das Bier, Caleb! Ich finde sicher auch einen anderen Stecher für die zwei lausigen Stunden.« Das würde noch interessant werden, dachte der Jüngere amüsiert über Calebs bissige Reaktion auf sein tatsächlich ernst gemeintes Kompliment.
»Keine Ursache. Such dir in Zukunft einen anderen Dummen für deine schleimige Anmache.«
Ohne sich noch einmal umzudrehen, machte sich Lance davon auf die Tanzfläche, um sich dort ein wenig abzureagieren und nach einem neuen Opfer Ausschau zu halten. Immer mit der Absicht, den jungen Arzt damit eifersüchtig zu machen und doppelt zu reizen. So schnell wollte er nicht aufgeben. Seine Ausstrahlung hatte bisher noch nie ihre Wirkung verfehlt.
Caleb trank sein Bier aus und wollte den Club gerade verlassen, als ihm noch auffiel, dass Lance inzwischen tatsächlich einen anderen Typ aufgetan hatte und mit ihm förmlich über die Tanzfläche flirtete. Er konnte sich ohne Zweifel bewegen. Mit geöffneten Lippen sah er ihm von weitem noch eine Weile zu und ärgerte sich über seine verpatzte Chance. Schließlich hätte es ja nur eine geile Nacht werden sollen und keine Ehe für die Ewigkeit. Aber nun war es eindeutig zu spät. Unbefriedigt trat er schließlich durch die Tür ins Freie und kramte eine Zigarette aus seiner Jackentasche, was er eigentlich nur machte, wenn er richtig fertig war. Vielleicht war das einer dieser Augenblicke, er wusste es nicht genau.
»Feuer?«, hielt ihm Lance plötzlich sein Feuerzeug vor die Nase, noch bevor Caleb die Zigarette selbst hatte entzünden können.
Nach einigen Zügen brannte der Glimmstängel und Caleb war wieder sicher genug, um ihm zu antworten.
»Das war aber eine schnelle Nummer!«
»Ich fand den Song schon immer geil.«
Verblüfft über seine schlagfertige Antwort, schüttelte Caleb nur den Kopf und wandte sich zum Gehen.
Aber Lance hielt ihn kurzerhand am Ärmel auf. »Eigentlich laufe ich Männern nicht hinterher, aber bei dir mache ich eine Ausnahme.«
»Schon wieder? Du gibst wohl nie auf?«
»Das sollte dir zu denken geben.«
»Mir die Augen öffnen, meinst du wohl.«
»Oder so.« Verlegen lächelte er ihm zu. »Ich pflege nicht zu schleimen. Das habe ich nicht nötig.«
»Aha. Und nun?«
»Gehen wir zu dir und du vögelst mir das Hirn raus, was denn sonst?« Seine Lippen schienen förmlich zu glänzen, was Caleb nicht gerade kalt zu lassen schien. »Irgendwelche Einwände?«
Der junge Arzt schüttelte erneut den Kopf über die dreiste Anmache des hübschen Mannes, nickte aber dann doch zustimmend und ging voraus den Bürgersteig entlang.
Lance folgte ihm auf dem Fuß, die Hände in den Hosentaschen. Er wusste selbst nicht wirklich, was in ihn gefahren war, aber dieser Mann machte ihn verrückt mit seiner Ausstrahlung, der nüchternen Art und dem offensichtlichen Desinteresse an seiner Person. Dass Caleb seinen Körper geil zu finden schien, war keine Frage, aber irgendwie genügte dem jungen Mann das in seinem Fall nicht. Er wollte ihn beeindrucken. Mit Humor und Intellekt. Nicht mit seinem wohlgeformten Körper und dem hübschen Gesicht. Vielleicht weil er ein renommierter Arzt war. Besser verdienend. Es ging hier um die Ehre, irgendwie. Zumindest kam es ihm so vor.
»Jetzt haben wir nur noch eine gute Stunde«, murmelte Caleb neben ihm, während sie Richtung seines Apartments liefen.
»Dumm gelaufen.«
Zielstrebig näherten sie sich der Wohnung. Es nieselte und leichter Wind kam auf. In Calebs Kopf herrschte absolute Leere, noch immer dachte er an das Kompliment des Jüngeren an ihn. Und er konnte es trotz allem noch nicht glauben. Aber Fakt war, der junge Schönling war ihm extra gefolgt und hatte noch einmal alles auf eine Karte gesetzt. So etwas Verrücktes war ihm noch nie vorher passiert. Max hätte sich bestimmt wieder über ihn lustig gemacht.
Die gute Stunde begannen sie schließlich nicht lange mit Small Talk, sondern kamen sofort zum Wesentlichen. Nur dass Caleb ihn diesmal nicht an Max‘ Stelle bestrafen wollte, sondern sich vielmehr nur zu gerne in seinem Erfolg sonnte. Auch wenn der Sex wieder wild und unverblümt war, hatte es jetzt doch eine etwas freundschaftlichere Note. Vor allem konnte Caleb dieses Mal nicht sofort danach einschlafen, sondern starrte neben Lance an die Zimmerdecke und wunderte sich über ihr einzigartiges Zusammenspiel beim Sex.
Lance seufzte zufrieden. »Hat sich gelohnt. Definitiv.«
»Bisher haben sich öfter mal Kerle beschwert über meine Aktivitäten im Bett. Du scheinst dich allerdings ganz wohl mit mir zu fühlen.«
»Beschwert? Über den Sex mit dir?«
»Ich wäre langweilig. Zu schnell. Egoistisch. Total daneben. Such dir was aus!«
Lance war ja einiges gewöhnt, aber das hier setzte dem Fass die Krone auf. »Dann waren die offensichtlich alle nicht ganz dicht. Oder aber hetero.« Er grinste über seinen kleinen Scherz.
»Hattest du schon viele im Bett?« Schließlich muss man ja vergleichen können, wenn man solche Behauptungen aufstellt, dachte Caleb interessiert.
»Mehr als fünfzig bestimmt. Reicht das, um dich beurteilen zu können?«
»Definitiv. Das reicht. Gegen dich bin ich ein armseliger Tropf.«
»Qualität ist besser als Quantität.«
»Auch wieder wahr. Ich hatte nur vier. Mit dir fünf. Nicht gerade viel Übung.«
»Hattest du auch Frauen?«
»Zwei. Also sieben insgesamt. Du?«
»Ich weiß nicht.« Nachdenklich kratzte Lance sich am Kopf.
»Du weißt es nicht?«
»Ja. Ich kann mich an keine erinnern, aber mein Gefühl sagt mir, ich habe damit Erfahrung. Klingt das sehr dumm für dich?«
»Immerhin bist du ein Bottom. Das ist auch eine Art von weiblicher Erfahrung…«, meinte Caleb tiefsinnig und grinste ihm amüsiert ins Gesicht.
»So habe ich das nicht gemeint, aber es wäre eine Erklärung«, lachte Lance amüsiert. »Obwohl ich manchmal auch gern der Top bin.«
»Man vergisst doch keine sexuellen Abenteuer?«
»Ich schon. Offensichtlich. Vielleicht bin ich ja mal auf den Kopf gefallen, oder so. Ich habe keinerlei Erinnerung an meine Kindheit.«
»Ich glaube, du solltest jetzt in die GYM Bar und ausschenken.«
»Wohl wahr. Sehen wir uns wieder?«, hörte Lance sich tatsächlich fragen und wusste kaum wie ihm geschah.
»Lassen wir den Zufall entscheiden.«
»Er wird mir Recht geben, du wirst sehen!« Grinsend schlüpfte er in seine Hose und das Hemd und winkte noch kurz zum Abschied.
Dann war er auch schon weg. Caleb starrte ihm noch eine ganze Weile sprachlos hinterher. Zwickte sich schließlich selbst in den Oberschenkel und schrie kurz auf vor Schmerz. Nein, er träumte nicht. Offensichtlich hatte der jüngere Mann tatsächlich einen Narren an ihm gefressen. Auch wenn es wohl nur eine Bettgeschichte werden sollte, alles war besser als nichts. Nur die vergessene Kindheit und Jugend gab ihm ein wenig zu denken, nicht umsonst beschäftigte er sich tagtäglich beruflich mit Psychologie. 



      



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