Heute gibt's den dritten Teil von Rebellion für euch!
Viel Spaß beim Mitlesen ;-)
Teil 1 + 2 findet ihr hier http://mariceleste2015.blogspot.de/2016/11/rebellion-aufbruch-nach-new-york-two.html
Rating
P18
Kategorie
Gay Romance, Drama, History, Lemon
Zusammenfassung
Max und Leon, zwei Jungs aus Virginia/USA in den 30er Jahren aus einer kleinen Stadt namens Hopewell, entdecken ihre Gefühle füreinander und sind alsbald auf der Flucht in die Großstadt.
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REBELLION
Aufbruch nach New York
~ THREE ~
Zu Hause wartete bereits ein ziemlich
verärgerter Vater, als Leon kurz vor dem Mittagessen innerlich jubelnd den
Laden betrat.
Er hatte sich nach
dem Treffen mit Max nicht sofort nach Hause begeben, sondern war mit Storm
wieder einmal zu seinem kleinen Teich außerhalb der Stadt gefahren und hatte
sich dort förmlich in den Erinnerungen an den Jagdausflug gesuhlt. Mittlerweile
war er sich sicher, dass Max genau wusste, was mit ihm los war, es nur noch
nicht laut aussprechen oder gar zugeben wollte. Wenn er nächstes Wochenende zu
ihm in die Stadt käme, würde er ihn mit nach Richmond zum Square Dance nehmen.
Tanzen war immer gut, um sich näher zu kommen und man musste nicht so viel
sprechen, sondern mehr agieren. Sie konnten sich ja um die Mädchen kümmern, mal
sehen, wie es sich entwickeln würde. Dann wäre sein Vater auch nicht abgeneigt,
ihm den Wagen zu geben. Leon hatte zwar schon mal ein Mädchen ausgeführt, aber
schnell festgestellt, dass das nichts für ihn war. Max musste schließlich auch
seine Erfahrungen machen, umso eher würde er sich für ihn entscheiden.
»Deine Mutter und
ich gehen heute Abend aus. Du bleibst bei Amy und lässt den Laden auf bis neun
Uhr.«
Leon nickte. Ihm
war egal, was sein Vater ihm auferlegte, Hauptsache, er konnte dabei an Max
denken. Außerdem musste er Punkte gut machen, um für das nächste Date den Wagen
zu bekommen.
»Nächsten Samstag
brauche ich den Twin Six, Dad! Wir wollen zum Square Dance nach Richmond!«,
rief er seinem Vater noch zu, bevor dieser die Küche verlassen konnte.
»Wurde auch Zeit,
dass du wieder mal unter zivilisierte Leute gehst! Wer ist wir?«
»Max und ich.«
»Max? Etwa dieser
Farmerbengel mit den Latzhosen?« Genervt starrte sein Vater ihn an.
Leon zuckte nur mit
den Schultern. »Warum nicht? Wir sehen uns gleich noch das College an, denn
sein Dad möchte unbedingt, dass er studiert.« Eine glatte Lüge, aber
hoffentlich wirkungsvoll für seine Zwecke.
Stirnrunzelnd
dachte Mr. Sickler kurz darüber nach. »Höchste Zeit, dass du dich darum
kümmerst!«
»Können wir uns das
inzwischen denn leisten?«
»Wenn der Farmer
das kann, dann wir allemal!«, brummte sein Vater angesäuert. Das wollte er sich
nicht nachsagen lassen, dass sein Sohn weniger Chancen bekommen sollte als ein
dummer Farmerjunge!
So ähnlich hatte
Leon sich das schon gedacht. Mal sehen, was sein Vater machte, wenn er sich
tatsächlich im College anmelden wollte. Das dürfte noch spannend werden! Sein
Ziel war eigentlich schon immer ein Wirtschaftsstudium gewesen, aber bisher
hatte es aus finanziellen Gründen nie zur Debatte gestanden. Er hätte nebenbei
arbeiten müssen und das wollte sein Vater nicht erlauben, es sei denn im
eigenen Geschäft, wofür er ihn allerdings nicht bezahlen wollte.
Leon hing
kopfschüttelnd das Geschlossen Schild in die Tür, sperrte ab und folgte seinem
Vater nach hinten in die Küche zum Mittagessen. Manchmal dachte er schon
darüber nach, einfach von hier wegzugehen und auf eigenen Beinen zu stehen.
Dann aber wieder sagte er sich, dass er es hier eigentlich ganz bequem hatte
und sich keine Sorgen um die nächste Mahlzeit machen musste. Wollte er
allerdings jemals mit einem Mann länger zusammen sein, musste er es entweder
der Familie sagen oder tatsächlich für immer aus ihrem Dunstkreis verschwinden.
Keine schöne Aussicht, fand er jedes Mal aufs Neue.
»Na, hast du was
geschossen?«, fragte seine Mutter ihn neugierig, nachdem sie alle am Tisch
Platz genommen hatten.
»Hab nicht
getroffen. Aber Max hat einen Fasan erlegt. Er ist ein ziemlich guter Schütze.«
»Dass du auch noch
stolz drauf wärst!«, maulte Amy mit strafendem Blick.
»Was weißt du
Winzling schon! Was du grade isst, hat auch irgendwann mal jemand getötet!«,
gab Leon selbstsicher zurück.
Leons Vater brummte
in seinen nicht vorhandenen Bart. »Ein Schlachter oder ein Ranger sind dafür da
zu töten. Nicht aber ein Privatmann zum eigenen Vergnügen. Nicht einmal in
diesen Zeiten.«
»Ja, ja, Dad, wir
wissen alle, dass du ein erkorener Gegner der Jagd bist! Jetzt lass mich essen,
verdammt!«
»Du sollst doch
nicht fluchen, Junge!«, wusste seine Mutter sich einmal mehr über seine
Ausdrucksweise zu beschweren. »Morgen kommst du mit in den Gottesdienst!«
Nicht fluchen,
nicht schießen, nicht ficken. Was er alles nicht tun sollte, war kaum noch an
einer Hand abzuzählen. Er schluckte seinen Ärger noch einmal hinunter und
steckte sich widerwillig den nächsten Bissen in den Mund.
»Dieses Mal wirst
du keine Ausrede erfinden, Sohn! Der Reverend wird sicher ein ernstes Wörtchen
mit dir wechseln.«
»Dad!« Er verzog
sein Gesicht, als hätte man ihn zum Putzen des stillen Örtchens verdonnert. Ihm
graute vor der zu erwartenden Predigt.
»Keine Widerrede!
Als rechtschaffener Bürger geht man sonntags in die Kirche, basta!«, hatte sein
Vater wie immer das letzte Wort.
Leon hatte kaum
aufgegessen, da verdrückte er sich schon wieder in den Laden, um nicht mehr
streiten zu müssen. Dort hing er zwischen den Kundschaften dann ungestört
seinen Gedanken nach. Seit heute Morgen drehten diese sich ausschließlich um
den jungen Farmer und sein Aussehen. Auf seine eigene Weise war er schön. Die
geschmeidigen blonden Locken und diese neckischen Sommersprossen auf dem
Nasenrücken! Er konnte sich gar nicht sattsehen daran! Zum ersten Mal fühlte er
diese Schmetterlinge im Bauch, von denen er schon so viel in Filmen gehört und
auch gelesen hatte. Nichts konnte ihn aufhalten, nichts konnte ihn ärgern. Er
war einfach nur glücklich. Und das den lieben langen Tag lang.
»Ich suche nach
einem Geschenk für meine Mutter…«
Wie so oft in
letzter Zeit, riss ihn eine Kundin aus den Tagträumen, die die Zeit für ihn im
Flug vergehen ließen.
»Was haben Sie sich
denn vorgestellt?«
»Es darf nicht mehr
kosten als zehn Cent…« Das junge Mädchen blickte verlegen auf die Seite.
Leon zeigte ihr
verschiedene Möglichkeiten und am Ende verließ die junge Frau mit einem
Stickrahmen zufrieden das Geschäft. Ihr letzter Blick hatte eindeutig ihm
gegolten. Dabei war ihm ganz seltsam zumute geworden. Offensichtlich hatte er
in ihr eine neue Verehrerin gewonnen. Das passierte ihm öfters, aber er hatte
sich die Mädchen bisher immer gut vom Leib zu halten gewusst, indem er ihnen
erzählte, dass er bereits in Richmond eine Verlobte hätte. Das würde er auch
dieses Mal hoffentlich wieder hinbekommen.
*
Den ganzen restlichen Tag lang war Max
nicht mehr ansprechbar gewesen. Der Fasan war schließlich beim Abendessen auf
den Tisch gekommen. Nie hatte ihm etwas besser geschmeckt. Seine Gedanken
kreisten ständig um diese neuen Gefühle und was genau er davon halten sollte.
Ansprechbar war er nicht gewesen. Seine Mutter hatte vergeblich versucht, ein
Gespräch beim Essen mit ihm zu führen. Schließlich hatte Rosalie die Augen
verdreht und ihm unterstellt, verliebt zu sein. Nicht einmal das hatte er
registriert, sondern stattdessen Löcher in die Luft gestarrt. Erst als das Wort
Kirche gefallen war, war er wieder zu sich gekommen.
»Hä?«
»Deine Mutter
möchte, dass du uns morgen wieder zur Kirche begleitest, Max. Keine Widerrede!«
Verdutzt blickte er
vom Teller auf. »Okay.«
»Ist das alles, was
du dazu zu sagen hast?«, wollte seine Mutter von ihm wissen.
Max räusperte sich
kurz. »Keine Widerrede hat es geheißen. Ich halte mich nur an die Vorgaben.«
Glücklich sah er nicht gerade dabei aus, aber es blieb ihm ja nichts anderes
übrig.
»Und zieh was
Anständiges an! Du hast nicht umsonst einen teuren Anzug im Schrank hängen!«,
meinte sie noch fürsorglich. Oder eher um ihren Ruf bedacht.
Max nickte
versonnen. Er war schon wieder ganz woanders mit den Gedanken. Noch immer
konnte er Leons Nähe förmlich körperlich spüren, wenn er zurück an den
Jagdausflug dachte. Und jedes Mal wieder kribbelte es dabei wie wild in seinem
Bauch. Er hatte fast Mühe, seine schmerzende Erregung in der Hose vor den
anderen zu verbergen.
So schnell er konnte,
verzog er sich zurück zu seiner Arbeit auf dem Feld, um nur ja aus dem
Blickfeld der Familie zu verschwinden. Lange währte die Einsamkeit nicht, denn
Rosalie brachte ihm eine Tasse Kaffee auf den Acker, was sie bisher noch nie
gemacht hatte. Verwundert blickte er ihr gegen die Sonne entgegen.
»Hey, Brüderchen!
Ich hab hier was für dich!«
Sie reichte ihm den
Becher und er streckte die Hand aus, um ihr nach oben neben sich auf die
Beifahrerbank zu helfen.
»Was verschafft mir
die Ehre?«
»Nur so. Mir war
langweilig.«
»Rosie, ich bin
nicht blöd. Was willst du?«
»Muss ich immer was
von dir wollen, wenn ich mal freundlich sein möchte?« Beleidigt zog sie eine
Schnute. Damit wickelte sie ihn jedes Mal um den Finger.
Max seufzte
geschlagen. »Dann danke ich dir für den Kaffee. Fährst du eine Runde mit?«
Sie nickte
zufrieden. Ihre Verabredung mit einer Schulkameradin war wegen Krankheit
abgesagt worden und sie hatte sonst nichts zu tun.
Zusammen pflügten
sie das Feld, es rumpelte ordentlich auf dem Sitz, aber den beiden gefiel
gerade das.
»Morgen in der
Kirche solltest du aufpassen«, meinte Rosalie nach einer Weile stummer
Zweisamkeit.
Max schmunzelte.
»Ach ja? Worauf?«
»Lach nicht! Der
Reverend hat eine Tochter im heiratsfähigen Alter und Dad findet, sie würde gut
zu dir auf die Farm passen.«
»Die langweilige
Clementine?«, rutschte ihm sofort entsetzt heraus.
»Genau die! Ich mag
ja oft grässlich zu dir sein, aber das wünsche ich dir dennoch nicht.«
»Danke für die
Warnung.«
»Mutter hat den
Reverend und seine Familie letzten Sonntag für morgen Nachmittag zum Kaffee
eingeladen. Du kommst also nicht aus. Ich fürchte, Clementine hat ein Auge auf
dich geworfen.«
Abrupt trat Max auf
die Bremse. Fast wären sie beide nach vorn übergekippt. »Bitte!?«
»Kaffee und Kuchen.
Ich muss gleich rein und mich um den Kuchen kümmern. Soll ich zu viel Salz
reintun?«, grinste sie schelmisch.
»Bloß nicht! Oh
Gott! Wie werde ich die wieder los?«
»Wie wirst du sie
sonst los? Die Mädchen, meine ich.«
»Gar nicht. So
direkt ist noch keine auf mich zugekommen.«
»Dann würd ich mir
schnellstens was einfallen lassen!«, gab sie altklug zurück und sprang vom
Traktor herunter. Mit einem Zwinkern verabschiedete sie sich von ihrem Bruder,
der schockiert auf dem Traktor sitzend zurückblieb.
Was, zum Teufel,
sollte er sich da einfallen lassen? Man durfte ja auch nicht verletzend werden.
Missmutig trat er wieder aufs Gas und übte sich bei der Arbeit in verbalen
Abfuhren, statt wieder an Leon und seine samtweiche Haut an der Wange zu
denken. Verdammt!
*
Der Anzug zwickte, Max fühlte sich
scheußlich. Die Krawatte schnürte ihm fast die Kehle zu, er war definitiv
schlecht gelaunt und immer noch nicht vorbereitet auf die Abfuhr, die er
Clementine später vielleicht erteilen musste. Schon beim Eintritt in die
Kirche, hatte der Reverend ihn mit einem extra netten Lächeln begrüßt. Am
liebsten wäre er einfach geflüchtet. Seine Eltern unterhielten sich mit
Nachbarn und alten Freunden, während Rosalie und er dumm daneben standen.
Endlich suchten sie
sich einen Platz und setzten sich nebeneinander wie die Hühner auf der Stange.
Als sein Blick ein paar Reihen weiter nach vorne wanderte, bemerkte Max
zufällig den dunkelhaarigen Hinterkopf eines ihm sehr wohlbekannten jungen Mannes.
Sein Herz hüpfte ihm vor Freude bis zum Hals hinauf. Ein Lichtblick! Auch wenn
er sicher keine Zeit haben würde, sich mit Leon zu unterhalten. Dafür würden
seine Eltern schon sorgen.
Leon hatte ihn noch
nicht bemerkt, seine Augen waren streng nach vorn zum Altar gerichtet. Zum
ersten Mal seit langer Zeit entschloss Max sich, freiwillig zur Kommunion zu
gehen, nur um auf dem Rückweg in Leons Gesicht blicken zu können. Wie
lächerlich man sich doch benehmen konnte! Er schämte sich für seine kleine
Manipulation.
Aufmerksam
verfolgte er neben seinen Eltern den Gottesdienst. Machte alles mit, sang an
den richtigen Stellen und fühlte sich dennoch wie eine Marionette an Fäden.
Erst als er auf dem Weg nach vorne war, um die heilige Kommunion zu empfangen,
wurde er nervös und hatte Probleme mit dem Atmen. Nur jetzt nicht
hyperventilieren! Er hatte das einmal bei seiner Mutter gesehen, als sie seine
Großmutter zu Grabe getragen hatten, und es war kein schöner Anblick gewesen.
Immerhin wusste er seitdem, dass man im Falle eines Falles nur in eine Tüte zu
atmen brauchte, damit es einem wieder besser ging. Das hätte ihm jetzt gerade
noch gefehlt.
Der Reverend
lächelte ihm erneut hocherfreut über seine aktive Teilnahme am Gottesdienst zu,
als er ihm die Hostie auf die Zunge legte. Max bedankte sich auf die übliche
Weise und drehte sich um, um sich auf den Rückweg zu seinem Platz zu machen.
Sein Blick streifte die umliegenden Besucher in den Kirchenbänken und blieb mit
einem mal an Leon hängen. Der strahlte ihn mit großen Augen an und nickte
unmerklich zur Begrüßung. Max nickte ebenso unauffällig zurück und schlich sich
dann hinter seiner Familie wieder zu seinem Sitzplatz.
Mit Herzklopfen saß
er da, sein Gehirn wie leergefegt. Es war kaum zu glauben, was dieser Junge für
Gefühle in ihm auszulösen vermochte. Noch immer staunte er darüber wie ein
kleines Kind zu Weihnachten. Wenn man es einmal zuließ, fühlte es sich einfach
wundervoll an. Wie hatte er das nur so viele Jahre lang nicht bemerken können?
Ein paarmal drehte
sich Leon tatsächlich während des Gottesdienstes zu ihm um und grinste
verboten. Wenn er es nicht besser wüsste… Hoffentlich lag er mit seinen
Vermutungen richtig, nichts wünschte Max sich sehnlicher. Auch wenn das viele
Probleme und Heimlichkeiten nach sich ziehen sollte, das Kribbeln in seinen
Eingeweiden, allein beim Anblick des anderen, schien jede erdenkliche Mühe
wert.
Am Ausgang der
Kirche verabschiedeten sich seine Eltern noch persönlich vom Reverend und
nannten ihm drei Uhr als passende Zeit für einen Besuch draußen auf der Farm.
Dieses Mal stand auch dessen Familie neben ihm und Clementine grinste verschämt
in seine Richtung. Max nickte nur kurz dazu, verzog aber keine Miene. Bloß
nicht noch ermutigen!
Zurück auf der
Farm, wollte seine Mutter ihm noch einmal die gebräuchlichen Anstandsregeln
eintrichtern, als ob sie noch nie Besuch von jungen Mädchen gehabt hätten.
Seine Cousine und ihr Mann aus New York City waren auch schon ein paarmal
dagewesen, er kannte sich definitiv aus mit den Benimmregeln für die oberen
Zehntausend.
»Und lass die
Ellbogen vom Tisch! Leg das Besteck immer richtig ab, auch wenn es nur die
Kuchengabel ist!«
»Meine Güte, Mum!
Ich bin doch kein Hobo!«
»Du bist ein
einfacher Farmer und Clementine ist eine wohlerzogene junge Dame aus einem
Pfarrhaushalt. Du musst einen guten Eindruck auf sie machen!«
»Sie gefällt mir
überhaupt nicht!«, meinte er bestimmt. »Ich habe keine Lust ihr schöne Augen zu
machen, wenn ich doch gar nichts von ihr will!«
»Du musst ja nichts
überstürzen, Junge! Lern sie doch erst mal kennen! Sie ist wirklich nett. Und
sehr höflich.«
»Und zu fett!«,
schlug er noch einmal in die Kerbe.
»Max! Wie kannst du
es wagen!« Empört schnappte seine Mutter nach Luft.
»Ihr könnt mich
doch nicht einfach an die meistbietende verschachern, Herrgott noch mal!«
Sein Vater schlug
krachend auf den Tisch. »Schluss damit! Sie wird dir eine gute Frau sein, also
benimm dich gefälligst! Nicht jede ist gewillt mit dir auf der Farm zu leben
und schwer zu schuften!«
»Genau. Clem sieht
einfach nicht danach aus! Sie ist schon auf dem Pausenhof immer die Faulste
gewesen! Ich erinnere mich noch gut an sie, niemand wollte sie in die
Mannschaft wählen, weil sie so fett ist!«
»Sie ist nicht
fett. Sie ist wohlgenährt. Das ist ein feiner Unterschied. Und sie kann viele
gesunde Kinder bekommen. Basta!« Wütend starrte seine Mutter ihn an.
Bisher hatte
Rosalie geschwiegen, doch jetzt erhob auch sie ihre Stimme. »Mutter, das kannst
du Max doch nicht ernsthaft antun? Sie ist hässlich und … wirklich fett! Er hat
was Besseres verdient!«
Sein Vater
schüttelte energisch den Kopf. »Es wird Zeit, dass er sich um eine Frau
kümmert! Er muss ja nicht sofort heiraten. Eine Verlobung tut es auch.«
»Ich bin doch erst
siebzehn! Die Farm läuft uns doch nicht weg!«
»Je früher du dich
umsiehst, umso besser! Du machst ja nicht einmal Anstalten, dich um eine Frau
zu bemühen!«
»Hab ich nicht
gesagt, dass ich mit Leon am Samstag zum Square Dance nach Richmond will? Wozu,
glaubst du, fahren wir in die Stadt?«
»Dort findest du
doch keine vernünftige Frau, Junge! Eine, die auf dem Hof hart arbeiten will«,
meinte seine Mutter vernünftig.
»Dafür aber eine,
die ich lieben kann! Oder so«, murmelte Max verzweifelt. Diese Clementine war
ja vielleicht ganz nett, aber er ekelte sich geradezu vor ihr, wenn er nur an
ihre blasse Haut und die strähnigen Haare dachte…
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