So, das letzte Kapitel ist endlich geschrieben! *freu*
Eine ziemlich schwere Geburt, diese Geschichte. Kein leichtes Thema. Schließlich soll es ja auch Hand und Fuß haben. Eine Expertin bin ich nämlich nicht auf diesem Gebiet. ;-)
Jetzt heißt es erst einmal, noch mal von vorne anfangen zu lesen und zu verbessern oder zu kürzen. Das ist mit Abstand die anstrengendere Arbeit. Ganz besonders für meinen Ellenbogen mit Tendenz zum Tennisarm, wenn ich zu viel scrolle und mit der Maus hantiere. ^^
Es kann sich also nur noch um Wochen/Monate handeln. Gut Ding will Weile haben, wie es so schön heißt.
In der Zwischenzeit kümmere ich mich auch mal um das Cover und dann gibt's sicher bald ein Cover-Reveal und einen Veröffentlichungstermin.
Die garantiert unzensierten Ansichten einer introvertierten Autorenseele...
Sonntag, 12. Juni 2016
Mittwoch, 13. April 2016
Titelabänderung von 'Einmal Hölle und zurück'
Aufgrund mehrerer existierender Bücher mit demselben Titel verschiedenen Datums der Veröffentlichung, habe ich mich entschlossen, mein eigenes Buch nunmehr in Family Affairs - Einmal Hölle und zurück umzubenennen.
Heutzutage weiß man ja nie, wann und ob sich jemand beschwert ;-)
Obwohl ich glaube, dass man speziell diesen Titel, der eigentlich eine gängige Redewendung ist, nicht wirklich schützen lassen sollte/könnte. Aber Papier ist geduldig und auch nach längerer Recherche im Internet, sowie auf der Seite des DPMA ist es mir nicht möglich ein definitiv schwarz auf weißes Ergebnis für diese Anfrage zu bekommen. Schlafende Hunde soll man nicht wecken, deshalb wähle ich den einfacheren Weg und mache einen Untertitel daraus. Mit meinem ersten Buch und dem bald noch Érscheinenden wird dann umgekehrt auch ein Schuh daraus, wie man so schön sagt, denn alle haben dann einen englischen Titel mit deutschem Untertitel. Sollte sich mal eine Übersetzung anbieten, wäre zumindest schon der halbe Titel festgelegt. Immer das Positive sehen! ^^
Wer sich das E-Book bereits heruntergeladen hatte, kann sich nun die neue Version bei Amazon herunterladen. Inhaltlich ist alles beim Alten geblieben.
Hier nun das neue Cover zur Ansicht ;-)
Leseproben findet ihr unter anderem auch hier http://mariceleste2015.blogspot.de/2016/01/leseprobe-einmal-holle-und-zuruck.html und hier http://mariceleste2015.blogspot.de/2016/03/gratis-aktion-zu-einmal-holle-und.html
Heutzutage weiß man ja nie, wann und ob sich jemand beschwert ;-)
Obwohl ich glaube, dass man speziell diesen Titel, der eigentlich eine gängige Redewendung ist, nicht wirklich schützen lassen sollte/könnte. Aber Papier ist geduldig und auch nach längerer Recherche im Internet, sowie auf der Seite des DPMA ist es mir nicht möglich ein definitiv schwarz auf weißes Ergebnis für diese Anfrage zu bekommen. Schlafende Hunde soll man nicht wecken, deshalb wähle ich den einfacheren Weg und mache einen Untertitel daraus. Mit meinem ersten Buch und dem bald noch Érscheinenden wird dann umgekehrt auch ein Schuh daraus, wie man so schön sagt, denn alle haben dann einen englischen Titel mit deutschem Untertitel. Sollte sich mal eine Übersetzung anbieten, wäre zumindest schon der halbe Titel festgelegt. Immer das Positive sehen! ^^
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Samstag, 5. März 2016
GRATIS Aktion zu Einmal Hölle und zurück - Leseprobe #2
Neue GRATIS-Aktion für EINEN Tag!
Nur am Sonntag, den 6. März 2016 gibt's meinen Gay Romance Roman Einmal Hölle und zurück für 24 Stunden umsonst zu erwerben!
Haltet euch ran, die Zeit ist knapp ;-)
Hier noch eine kostenlose neue Leseprobe von Kapitel 1 für alle Unentschlossenen (den Prolog findet ihr unter http://mariceleste2015.blogspot.de/2016/01/leseprobe-einmal-holle-und-zuruck.html ):
Nur am Sonntag, den 6. März 2016 gibt's meinen Gay Romance Roman Einmal Hölle und zurück für 24 Stunden umsonst zu erwerben!
Haltet euch ran, die Zeit ist knapp ;-)
Hier noch eine kostenlose neue Leseprobe von Kapitel 1 für alle Unentschlossenen (den Prolog findet ihr unter http://mariceleste2015.blogspot.de/2016/01/leseprobe-einmal-holle-und-zuruck.html ):
~ № 1
~
Sommer 1998
Eigentlich
bin ich, Dane Craven, siebzehn Jahre alt, ein ganz normaler Junge. Ein wenig schüchtern,
aber dennoch sehr beliebt. Meine Eltern und mein älterer Bruder wohnen zusammen
mit mir in Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas mit nicht einmal 200.000
Einwohnern. Hier sind die Menschen noch ein wenig rückständig und schwerfällig.
Alles muss seinen geregelten Gang gehen.
Ich
für meinen Teil möchte ausbrechen, die wahre Großstadtluft schnuppern und
berühmt werden. Mein großer Traum ist es noch immer, mit einer Band um die Welt
zu jetten und große Gigs zu spielen. In meiner Schulband Hot Blooded singe ich
leidenschaftlich als Frontmann. Eigentlich gehe ich nur auf der Bühne aus mir
heraus. Mein Bruder zieht mich schon immer damit auf, dass ich zwei Gesichter
hätte. Aber er ist ja auch sechzehn Jahre älter als ich und noch immer nicht
verheiratet.
Bisher
sind wir nur auf kleineren Veranstaltungen und in der High-School aufgetreten.
Meine Kumpels haben übrigens jeder eine andere Macke. Einer stylt sich wie ein
Rocker, einer fast wie Michael Jackson, ein andrer wie ein Punker und ich, ja
wie sehe ich eigentlich aus? Ein bisschen freaky würde ich sagen. Meine Haare
sind teilweise schulterlang, ausgefranst, naturschwarz und ich liebe flippige
Klamotten in allen Farben, Hauptsache es passt zusammen. Wenn ich Lust dazu
habe, trage ich ein wenig Kajal und Mascara auf, das macht meine Augen so
ausdrucksvoll und ich liebe das wirklich. Zumindest passe ich in keine gängige
Schublade, obwohl meine Eltern mich immer als Emo bezeichnen, wenn sie mich
ärgern wollen. Weil ich manchmal so sentimental sein kann. Ehrlich gesagt, ich
habe die Erfahrung gemacht, dass die Mädels mich gerade deshalb so anhimmeln,
also muss ich ja wohl irgendetwas richtig machen, oder?
Ich
könnte jeden Tag eine andere abschleppen, wenn ich wollte. Sie liegen mir
buchstäblich zu Füßen. Aber keine scheint mir gut genug. Ich verliebe mich
einfach nicht. Auch wenn ich es noch so sehr möchte. Es war bisher keine dabei,
die mich näher interessiert hätte. Neal, der Rocker unter uns, zieht mich schon
andauernd damit auf. Aber ich lasse mich nicht beirren, glaube an die Liebe auf
den ersten Blick und warte weiter auf den erhofften Blitzeinschlag. Meine
bisherigen Dates waren alle Reinfälle. Jede wollte schon am ersten Abend
geküsst werden und eine hat mich damit sogar direkt vor der Haustür überfallen.
Seitdem lasse ich die Finger davon und warte lieber auf ein Mädchen, bei der
ich mir das auch wirklich vorstellen kann.
Heute
Abend haben wir noch einen Gig auf einem Schulfest und darum verabschiede ich
mich von meinen Kumpels nach der Schule schnell mit einem lapidaren »Bis
nachher, Leute!«
»Pünktlich!«,
verlangt Neal, unser Gitarrist.
»Mach
dich schick!«, witzelt Vincent, der Drummer.
»Ich
komme in schwarz-gold wie Jacko, also sieh zu, dass ich zu dir passe!«, meint
Joel und fährt sich gekonnt durch die dunklen Haare.
Als
ob der jemals anders aussehen würde als Jacko. Sein Bass passt irgendwie
überhaupt nicht zu seiner schrillen Aufmachung. Mein Mittelfinger zeigt ihnen
unmissverständlich, was ich von ihren Ratschlägen halte und schon bin ich im
Bus verschwunden.
Leicht
habe ich es als Sänger nicht gerade. Alles sieht immer auf mich und ich muss
meine Kleidung wirklich mit Bedacht auswählen. Kann nicht zweimal
hintereinander dasselbe tragen, weil hier in der Stadt fast jeder jeden kennt.
Man sieht sich also immer wieder den gleichen Leuten gegenüber. Die ganze Fahrt
über denke ich darüber nach, was ich später bloß anziehen soll und verpasse so
fast meine Haltestelle. In der letzten Sekunde springe ich aus dem Bus und
laufe die zweihundert Meter nach Hause. Mein Magen knurrt, ich habe nicht
besonders viel Zeit bis zu unserem Auftritt nachher.
Als
ich, atemlos vom Laufen, in die Küche komme, herrscht Weltuntergangsstimmung.
So kenne ich meine Familie eigentlich nicht. Sie sind immer gut drauf, haben
eine Menge Humor und meine Eltern lieben sich – oh Wunder – noch immer. Simon
sitzt am Tisch, er ist kreidebleich. Meine Mum weint und Dad steht fassungslos
am Küchenfenster und raucht. Das hat er schon Jahre nicht mehr gemacht.
»Jemand
gestorben?«, frage ich leise und total verunsichert. Etwas anderes kann ich mir
einfach nicht vorstellen. Meine Oma vielleicht?
»Nein,
Dane, nicht direkt«, antwortet meine Mum und wischt sich dabei über die Augen.
»Also
indirekt?« Ich verstehe überhaupt nichts mehr. »Ins Koma gefallen?«
»Setz
dich. Simon wird es dir erklären.«
Mein
Bruder? Hat der auch mal ein Problem? Sonst ist er doch meist die Perfektion in
Person. So wie er gerade aussieht, hat er entweder ein Gespenst gesehen oder
eine tödliche Krankheit.
Ich
setze mich also an den Tisch auf meinen üblichen Platz und warte auf Simons
Erklärung. Er schweigt, fährt sich mit den Fingern zitternd durchs Haar. Jetzt
ist er schon 33 und kommt mir gerade vor wie ein kleiner Junge. Das gefällt mir
gar nicht, ist ein denkbar schlechtes Zeichen.
»Dane,
ich hab Mist gebaut. Vor siebzehn Jahren.«
»Oh
Gott! Und jetzt haben sie mit einer DNS-Probe deine Schuld bewiesen?« Ich sehe
ihn schon als verurteilten Mörder in der Todeszelle. Meine Fantasie geht ab und
zu mit mir durch, habe ich das schon erwähnt?
»Dane!«
Meine Mum ist sauer, ich bin ohne Zweifel ins Fettnäpfchen getreten...
»In
deinem Alter hatte ich meine erste Freundin«, beginnt er zu erzählen. »Ihr Name
war Helen, ich habe sie sehr geliebt. Nach einem halben Jahr ist sie mit ihren
Eltern weggezogen nach Kalifornien. Ich habe gelitten wie ein Hund. Und nie
wieder etwas von ihr gehört.«
»Und
jetzt ist sie gestorben?«, hauche ich vorsichtig über den Tisch. Wie überaus
gruselig.
»Ja,
ein Autounfall.«
Simon
wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Er ist wohl nie über sie
hinweggekommen, wie romantisch. Da kommt jetzt doch wieder der Emo in mir zum
Vorschein.
»Das
tut mir leid.« Was soll ich auch sonst dazu sagen? Ich kannte sie ja nicht
einmal, war damals noch nicht mal ein Jahr alt oder sogar noch gar nicht
geboren.
»Sie
hat einen Sohn, Ryan, sechzehn Jahre alt.« Wieder schweigt er eine Weile und
ich frage mich was jetzt noch kommen könnte. »Er ist von mir. Mein Sohn.«
Da
bin ich doch platt. Ich habe einen Neffen, der fast so alt ist wie ich. Wow...
Simon muss ganz schön nah an dieser Helen dran gewesen sein, schießt es mir
spontan durch den Kopf.
»Und
er hat den Unfall überlebt?«, frage ich naiv wie ein Kindergartenkind. Manchmal
ist mein Mund eben schneller als das Gehirn.
»Ja.
Er war nicht mit im Auto und kommt jetzt zu mir, ich habe das Sorgerecht.«
»Zu
dir... Also hierher? Zu uns?« Langsam verstehe ich, warum sie alle so betreten
dreinschauen.
»Ja,
hierher. Ich wusste nichts von ihm. Sie hat ihn mir verschwiegen, die ganzen
Jahre über.« Simon schluckt schon wieder, es scheint ihn richtig mitzunehmen,
dass er plötzlich Vater sein soll.
»Wo
wird er schlafen?« Unser Haus ist nicht gerade riesig, ich ahne Schreckliches.
»Würdest
du... Ich meine, könnte er vielleicht...?« Mein Bruder sieht mich so bettelnd
an, dass ich ihm das unmöglich abschlagen kann.
»Bei
mir? Muss das sein?«
»Dane,
wir überlegen uns noch eine Lösung, aber vorerst...«, mischt sich meine Mum plötzlich
ein.
»Vielleicht
wäre es an der Zeit, endlich mal auszuziehen, mit 33, meinst du nicht?«, murmle
ich zu Simon, der mich prompt enttäuscht ansieht. Ja, ja, ich weiß, er ist
arbeitslos, sein Arbeitgeber hat Konkurs gemacht und jetzt sucht er schon seit
einem Jahr eine neue Stelle als Bauleiter. Aber hey! Ich habe doch Recht!
»Er
kommt schon übermorgen. Bitte sei nett zu ihm, seine Mutter ist gerade
gestorben und er hat mich noch nie im Leben gesehen«, übergeht Simon meinen
Einwand einfach.
»Bin
ich das nicht immer? Solange er mich nicht wegen meines Stylings anmacht, ist
er herzlich willkommen – für den Anfang.« Irgendwie werde ich das schon
schaffen, denke ich zuversichtlich und stelle mir vor, was ich tun würde, wenn
ich plötzlich ganz alleine auf der Welt wäre. Es muss ihm wirklich, wie heißt
er noch mal – Ryan, bestimmt richtig dreckig gehen. Er tut mir aufrichtig leid.
Simon
bedankt sich bei mir und ich bekomme von meiner Mum endlich das Essen
hingestellt. Mein Dad schweigt dazu. Raucht nur wie ein Schlot und starrt
unentwegt aus dem Fenster. Als ich mich dann endlich nach oben in mein Zimmer
verziehe, überlege ich, welchen Platz ich ihm freimachen soll, er hat ja sicher
auch Kleidung. Beim Umräumen entscheide ich mich gleich für ein passendes Outfit
für den gleich folgenden Gig und bin schon fast wieder durch die Tür, als Simon
bei mir klopft.
»Kann
ich mit dir reden?«, fragt er mit traurigen Augen.
»Klar,
aber ich muss gleich los, ein Gig im Schulsaal.«
»Klar.
Wie soll ich anfangen... Ich habe keine Erfahrung als Vater, das weißt du ja.
Mit dir vielleicht ein bisschen, ja, aber das ist verschwindend gering. Damals
hab ich mich um dich nie gekümmert, du warst mir eher lästig, weil du andauernd
geplärrt hast. Und jetzt bist du fast erwachsen, genau wie Ryan.«
»Erzählt
Mum andauernd, ich weiß.«
»Was
ich sagen wollte... Würdest du dich ein bisschen um ihn kümmern? In der Schule
und so? Ist doch alles neu hier für ihn.«
»Natürlich,
wenn er nett zu mir ist, bin ich nett zu ihm. War‘s das?« Ich habe es echt
eilig, normalerweise würge ich meinen Bruder nicht so ab. Außerdem ist dieses
Thema mir einfach irgendwie unangenehm.
»Ja,
das war‘s. Nur eins noch. Benutz um Gottes Willen einen Gummi, wenn du einem
Groupie doch mal nachgeben solltest!«, meint er lachend und wuschelt mir
vertraut durch die Haare.
Das
musste ja jetzt kommen! Hat mich schon gewundert, dass Mum oder Dad nicht
wieder davon angefangen haben.
»Als
ob ich so dämlich wäre!«, entrüste ich mich und erkenne sofort meinen Fauxpas.
Simon scheint sichtlich verletzt.
»Ich
war nicht dämlich, falls du das von mir denken solltest. Es muss ein Unfall
gewesen sein. Wir waren immer vorsichtig. Umso schlimmer, dass es trotzdem
passieren konnte.«
»Wirst
du einen Vaterschaftstest machen?«
»Ich
glaube ihr. Wir waren sehr verliebt damals. Hab bisher jede Frau mit ihr
verglichen. Und alle kamen schlechter weg...«, murmelt er traurig.
»Du
hättest doch nach ihr suchen können?«
»Ich
dachte, sie wollte mich vergessen. Nie kam ein Brief, meine hat sie auch nie
beantwortet.«
»Also
dumm gelaufen. Wie hat man dich jetzt gefunden?«
»Der
Vormund des Jungen hat in ihrem Testament meinen Namen als Vater entdeckt.«
»Verstehe.
Wird schon werden, Kopf hoch!«, lächle ich ermutigend. So hoppla di hopp Vater
zu werden muss ganz schön beängstigend sein.
»Danke,
Dane. Ich bin dir was schuldig.«
»Schon
gut, ich hau jetzt ab, sonst ziehen mir die Jungs noch das Fell über die
Ohren!«
Und
weg bin ich.
*
Draußen
ist eindeutig bessere Luft. Ich atme erst einmal tief durch. Ryan also.
Hoffentlich ist das nicht so ein Spießer. Ich sollte mich überraschen lassen.
Mit einem unguten Gefühl im Bauch fahre ich zurück in die Schule und komme
gerade rechtzeitig zum Aufbau. Mein Mikro habe ich gleich angeschlossen und
helfe dann den anderen bei ihren Instrumenten. Es läuft wie geschmiert. So ein
Schulfest ist immer eine gute Gelegenheit, sich Fans zu verschaffen. Schon
vorher stehen die Girls um uns herum und hoffen auf ein Autogramm oder einen
tiefergehenden Blick. Ich blocke das alles ab, weil ich diese Art der Anmache
einfach nicht mag. Meist halten mich die Leute für ‚Jackos‘ Bruder, aber Joel
streitet das immer sofort ab, weil ich ihm zu peinlich bin. Dabei lebt die Band
nur von meinem Charisma, das hat er nur noch nicht begriffen.
Unsere
Songs sind noch nicht perfekt, aber auf dem Weg dahin. Ich texte sie selbst und
Neal schreibt nach meiner Idee mit den anderen dann die Musik dazu. Darauf bin
ich echt stolz. Ich bin ein kleiner Poet, das war ich schon immer.
Anscheinend
habe ich heute wieder einmal ein Mädchen mit meinen Texten verzaubert, denn sie
lässt mich nach unserem Auftritt nicht mehr aus den Augen. Sie ist wirklich
süß, aber trotzdem nicht mein Typ.
»Würdest
du vielleicht mal mit mir ausgehen?«, fragt sie mich tatsächlich, als wir
unsere Instrumente wieder abbauen und die Veranstaltung schon längst zu Ende
ist.
»Ich
weiß nicht. Hab wenig Zeit momentan.«
»Ein
Abend wird doch drin sein?«, bettelt sie förmlich, meine Kumpels grinsen sich
schon eins.
»Gib
mir deine Nummer, dann rufe ich dich an. Ich bekomme übermorgen wichtigen
Besuch.«
Sie
schreibt mir die Telefonnummer prompt auf meinen Unterarm und strahlt mich an.
Ich könnte mich ohrfeigen.
»Na
endlich!«, bemerkt Neal mit einem fetten Schlag auf meine Schulter und ich
bereue es bereits, mich darauf eingelassen zu haben.
Insgeheim
träume ich von einem Mädchen, das ich sehe, die mich verzaubert und sich nicht
sofort erobern lässt. Ich bin ein Jäger, kein Sammler.
»Mein
Name ist Linda. Linda Shepherd«, setzt das Mädchen noch grinsend hinzu.
»Dane
Craven», reiche ich ihr die Hand und wende mich dann wieder meinem Kabel am
Mikro zu, »aber das weißt du ja vermutlich schon.«
Sie
verschwindet so schnell wie sie aufgetaucht ist. Vince diskutiert bereits mit
Neal heftig über ihr Aussehen und ihre vermutlichen Qualitäten im Bett.
»Die
wird dich hoffentlich entjungfern, Dane! Lass dir die bloß nicht wieder durch
die Lappen gehen!«, grölt Vince derb wie immer.
Darüber
kann ich nur den Kopf schütteln. So ein Idiot.
»Kümmere
dich um deine eigenen Angelegenheiten und lass mich in Ruhe, klar?!«, knurre
ich beleidigt.
»Vince,
ich sag dir, der ist doch schwul!«, lacht Joel mich eiskalt aus.
Das
höre ich nicht zum ersten Mal und wundere mich auch nicht mehr darüber. Immer
reißen sie dieselben Witze.
»Kannst
du auch mal eine andere Platte auflegen?«, beschwere ich mich angesäuert bei
meinem angeblichen Freund.
»Sorry...«
Mehr sagt er nicht dazu.
Auch
gut, Hauptsache er gibt Ruhe. Ich packe beleidigt zusammen und seile mich dann
ab. Meine Freunde gehen mir heute ziemlich auf den Zeiger. Und diese Linda wird
meine Laune sicher auch nicht aufbessern. Wenn Ryan endlich da ist, werde ich
ihr einfach absagen, dann habe ich wenigstens einen Grund. Wenn der wüsste,
dass er schon total verplant ist...
Sonntag, 7. Februar 2016
Wooden Sins - Für kurze Zeit gratis bei Kindle! Neuer Ausschnitt hier!
Am 8. und 9. Februar gibt's zum Karneval meinen Gay Romance Roman Wooden Sins - Die Sünden der Anderen GRATIS bei Amazon!
Hier noch mal eine kleiner Ausschnitt von weiter hinten im Buch, den man bei der Kindle Leseprobe/Blick ins Buch nicht zu lesen bekommt ;-)
Hier noch mal eine kleiner Ausschnitt von weiter hinten im Buch, den man bei der Kindle Leseprobe/Blick ins Buch nicht zu lesen bekommt ;-)
~ Kapitel 23 ~
Darcy hob das Telefon ab und meldete
sich wie üblich: „Kensington Constructions, Darcy Meadows am Apparat?“
„Hier ist Miss Lamotte.
Könnte ich ihren Boss sprechen, bitte?“ Sie klang noch etwas mitgenommen.
„Augenblick, ich frage
nach, ob er Zeit hat. Momentan hat er einen Kunden im Büro.“ Sie drückte sie
weg und stellte sich selbst zu Gale durch. „Hast du Zeit für die Lamotte?“
Gale sah ruckartig von
seinen Unterlagen auf und hörte sein Herz bis nach oben in den Hals hämmern.
Sie war also wieder fit genug. Es hatte nur drei Tage länger gedauert, als
gedacht. Drei Tage, in denen Gale sich nicht getraut hatte, sich bei Sandy zu
melden. Es herrschte Funkstille zwischen ihnen. Von Deacon erfuhr er, dass er
seitdem nicht mehr im Club aufgetaucht war, das stimmte ihn irgendwie froh.
„Okay, stell sie durch.
Aber unterbrich mich in fünf Minuten, wenn ich sie bis dahin noch an der
Strippe habe, ja?“
Darcy tat wie ihr
befohlen, es knackte es in der Leitung und Gale nahm das Gespräch an.
„Miss Lamotte? Schön, dass
es Ihnen wieder besser geht! Was kann ich heute für Sie tun?“
„Hallo, Liebster... Wir
hatten eine Vereinbarung, erinnerst du dich?“, flötete sie durch den Hörer,
womit sie Gale eine echte Gänsehaut auf den Körper zauberte. „Ich gebe dir noch
Zeit bis heute Abend, dann bin ich mit Brianna zu Hause in unserem neuen Heim.
Sandy hat es inzwischen möbliert und ich freue mich schon, mein Bett so richtig
mit dir einzuweihen.“
„Wie ich Ihnen bereits
sagte, gedenke ich nicht, auf Ihr Angebot einzugehen.“
„Weil du stattdessen
lieber hinter meinem Bräutigam her bist, ich weiß.“
„Weil ich mich nicht
erpressen lasse und nichts verbrochen habe, darum!“
Bridget seufzte hörbar
auf. „Du hast noch eine Chance, Gale. Ich bereite dir den erotischen Himmel auf
Erden. Wenn du jetzt nicht einlenkst, mache ich meine Drohung wahr... Also, wie
entscheidest du dich?“
„Dagegen!“, schrie er
entrüstet und knallte lautstark den Hörer auf die Gabel. Was für eine blöde
Kuh!
Darcy kam sofort herein
und brachte ihm eine Tasse Kaffee. „Alles okay soweit?“
„Sehe ich so aus?“
„Definitiv nicht.“
„Sie wird mich hinhängen.
Ganz sicher wird sie mich im Ort schlecht machen.“
„Wer weiß, vielleicht hat
sie auch nur gedroht und ist am Ende doch zu feige oder zu verliebt in dich?“
„Verliebt? Die ist einfach
nur geil auf mich.“ Gale schüttelte sich angewidert. Er stand auf und wollte
auf seine neue Baustelle, um sich mit körperlicher Arbeit ein wenig den Frust
auszutreiben.
„Sie ist inzwischen
eingezogen, wusstest du das? Gestern kam die Spedition hier vorbei und hat neue
Möbel angeliefert. Der Fahrer hat sich bei mir nach dem Weg erkundigt.“
„Ich weiß. Hat Sandy sich
eigentlich hier auch irgendwann blicken lassen?“ Seine hungrigen Augen
verrieten ihn.
Darcy grinste. „Er war im
Haus, das weiß ich von meiner Mutter. Und die hat es von Frances. Die wiederum
direkt von Miss Lamotte, als sie sich gestern nach der Entlassung aus dem
Krankenhaus die Haare hat machen lassen. Meine Mum war übrigens total
begeistert von Brianna.“
„Gott! Ich hasse dieses
Kaff!“ Er schlug die Tür hinter sich zu und schwang sich hinter sein Lenkrad.
„Wieso gehe ich eigentlich nicht als Stricher nach Atlanta? Ich muss verrückt
sein!“, sprach er zu sich selbst und ließ den Motor aufheulen.
~*~
Mit einem weißen Blatt Papier in der
Hand kam Police Sergeant Jackson zu seinem Boss ins Büro und legte es ihm mit
einem Paar Einmal-Handschuhen daneben auf den Schreibtisch.
„Das kam heute aus Jasper
rüber. Die Kollegen haben den Brief in ihrem Postkasten gefunden. Bevor ich ihn
der Spurensicherung übergebe, wollte ich, dass Sie sich das ansehen.“
Commissioner Carlton zog
sich die Handschuhe über und faltete den Zettel vorsichtig auseinander. Fein
säuberlich waren einzelne Buchstaben aufgeklebt worden, die er schließlich mit
einigem Erstaunen laut vorlas.
SIE SOLLTEN
DEN ARCHITEKTEN GENAUER
UNTER DIE LUPE
NEHMEN – ER WAR
MIT MR. BRENNIGAN ALLEIN
IM TALBOT-HAUS UND
SIE WAREN EINDEUTIG
NETTER ZUEINANDER ALS
ÜBLICH. EIN HEIMLICHER
BEOBACHTER.
„Dieser Fall wird immer
interessanter. Warum geht der angebliche Zeuge nicht einfach zur Polizei und
erzählt, was er beobachtet hat?“, sinnierte der Commissioner vor sich hin.
„Das habe ich mich auch
schon gefragt. Aber in so einer Kleinstadt gibt es nun mal eine Menge Klatsch
und Tratsch. Hoffen wir auf Fingerabdrücke, die ein wenig Licht in diese Sache
bringen.“
Er nahm ihm den Wisch
wieder ab, faltete ihn zusammen und steckte ihn zurück in eine Plastiktüte,
bevor er sich die eigenen Handschuhe abstreifte und sie in den Mülleimer
beförderte.
„Wir sollten trotzdem noch
einmal mit diesem Kensington sprechen. Er hat nie erwähnt, dass er mit dem
Opfer irgendwann intimer gewesen wäre als üblich. Seltsam, warum sollte er uns
etwas verschweigen?“
„Ich gebe Ihnen Bescheid,
wenn wir die Untersuchungsergebnisse haben, dann können wir vielleicht gleich
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“ Jackson grinste überzeugt und verließ
das Büro seines Chefs.
Carlton holte sich die
Akte Brennigan erneut auf den Tisch und begann darin zu blättern. Er hatte es
schon hundertmal gelesen, irgendwo musste die Antwort darin zu finden sein. Und
dieser anonyme Brief war vielleicht endlich ein weiteres Puzzleteil in diesem
undurchsichtigen Fall. Etwa drei Stunden später kam Jackson zurück in sein
Büro.
„Keinerlei Spuren oder
Fingerabdrücke. Da war zumindest kein Idiot am Werk.“
„Habe ich mir fast
gedacht. Welche Zeitungen hat er benutzt?“
„Örtliche Tageszeitungen,
diverse Hochglanzmagazine.“
„Hochglanzmagazine?“
„Ja, steht so in dem
Bericht.“
„Wir sollten auch eine
Frau in Betracht ziehen, was denken sie? Raffinesse ist meist weiblichen Tätern
zuzuordnen. Kann man feststellen aus welchen Zeitschriften konkret?“
„Nicht auf die Schnelle.
Aber ich kann das veranlassen, wenn Sie wünschen.“
„Wir fahren nach Jasper
und sprechen mit Kensington. Vielleicht hat er ja irgendwelche Feinde, denen er
so etwas zutraut? Egal ob es der Wahrheit entspricht oder nicht. Und packen Sie
vorsichtshalber einige DNS-Test Sets mit ein, man kann nie wissen.“
Zusammen machten sie sich
auf den Weg zu ihren Ermittlungen und nahmen das anonyme Schreiben im
Plastikbeutel gleich mit. Was sie bisher über den Architekten herausgefunden
hatten, war alles andere als uninteressant. Er galt in der Szene als berüchtigt
und es war allgemein bekannt, dass das Opfer sich seit langem nach ihm verzehrt
hatte, sowie, laut Barkeeper, sogar intimen Kontakt mit ihm gehabt haben
sollte. Er hatte kein Alibi für die Tatzeit und jetzt kam auch noch diese
anonyme Anschuldigung hinzu. Es wurde langsam eng für den jungen Unternehmer.
~*~
Darcy war mehr als besorgt, als die beiden
Beamten erneut bei ihr im Büro auftauchten und nach ihrem Boss fragten. Sie
schickte sie auf die derzeitige Baustelle und schnappte sich sofort das
Telefon, kaum dass sie das Büro wieder verlassen hatten.
„Du bekommst Besuch, die
Bullen aus Atlanta“, meldete sie sich kurz und bündig mit zitternder Stimme.
„Jetzt?“, wunderte sich
Gale nicht wenig über diesen neuerlichen Überfall.
„Jetzt! Was geht da vor?
Ich mache mir wirklich Sorgen, Gale! Die sahen verdammt überzeugt und
zielstrebig aus!“
„Was sollen sie schon
wollen? Ich bin sauber, also lass sie kommen!“
Er schüttelte den Kopf
über Darcys wilde Fantasie, aber insgeheim wurde ihm schon etwas mulmig zumute.
Immerhin könnte Bridget geplaudert haben und sie wollten jetzt wissen, warum er
ihnen das kleine Intermezzo im Neubau verschwiegen hatte. Allerdings hatte
niemand danach gefragt und ihm war es auch nicht wichtig erschienen, bis
Bridget es ihm gegenüber in erpresserischer Weise erwähnt hatte.
Darcy wünschte ihm noch
viel Glück und legte auf. Gale wandte sich an seine Vorarbeiterin und gab ihr
noch letzte Anweisungen für den Rest des Tages. Er hatte so ein Gefühl, dass er
nicht mehr allzu viel würde erledigen können, wenn die Bullen hier erst einmal
aufgetaucht waren. Dann machte er sich mit Eifer wieder an die geliebte Arbeit
und wartete auf die Beamten. Shania beobachtete ihn neugierig, sie kannte ihn
inzwischen gut genug, um zu sofort merken, dass etwas nicht in Ordnung war mit
ihm.
„Boss? Hast du Probleme?“,
sprach sie ihn doch noch irgendwann an, als er das x-te Mal tief aufseufzte und
seinen Blick auf die Zufahrtsstraße richtete.
„Hm? Nein. Es kommen
gleich zwei Bullen, die mich interviewen wollen, das ist alles.“
„Wegen des Toten auf dem
Highway?“
„Exakt. Ein guter Freund.
Und sprich nicht so befremdlich über ihn.“ Er passte gerade einen Balken in das
Gefüge.
Shania schluckte.
„Verzeihung...“
„Bisher wart ihr alle
recht zurückhaltend, was meinen neuen Status als Schwuchtel angeht. Verrätst du
mir, was hinter den Kulissen getratscht wird, wenn ich nicht dabei bin?“ Er
wollte einfach wissen, wie sie privat zu ihm standen.
Shania schluckte abermals.
Es war nicht ihre Aufgabe, die anderen bei ihm auszurichten, aber er hatte es
verlangt und sie konnte seine Beweggründe verstehen.
„Nicht viel, wenn ich
ehrlich bin. Willie findet es ekelhaft, Antonio schade für die Frauenwelt, aber
wenigstens hätte er jetzt mehr Chancen bei den Girls, Nigel hält sich komplett
raus und ich... Ich bin modern. Es wäre mir lieb, wenn wir beide unser
Verhältnis so beibehalten wie bisher. Mir ist egal, mit wem du ins Bett gehst,
solange du mir Nigel nicht umpolst“, grinste sie verhalten.
Gale hatte ihr aufmerksam
zugehört. Sie war extrem nervös, das konnte er spüren. „Nigel ist so wenig
schwul, wie ich eine Hete bin. Du kannst ihn behalten! Aber jetzt mal unter
uns: Du traust dich kaum mich anzusehen, geschweige denn mich anzufassen. Ich
beiße nicht und ich bin nicht ansteckend, das kannst du auch gerne deinen
Kollegen weitergeben.“ Er sah nicht einmal von seinen Hölzern auf dabei. „Was
immer du über mich hören solltest, frag mich zuerst persönlich, ob es der
Wahrheit entspricht, bevor du vorschnell über mich urteilst, haben wir uns
verstanden?“ Jetzt hatte er ihr seinen Kopf zugewandt und blickte sie
herausfordernd an.
„Ähm... Ja, klar... Boss.“
Etwas konsterniert stapfte
sie davon. Sie hatte offensichtlich redlich Mühe, sich wieder eine etwas
gesündere Gesichtsfarbe zuzulegen. Er hatte sie total beschämt. Und klar war
sie unsicher ihm gegenüber, auch gegen ihre Überzeugung. Es war eben doch ein
wenig gewöhnungsbedürftig für alle seine Mitmenschen.
Gale schüttelte amüsiert
den Kopf über sie. Als er sich wieder seiner Arbeit zuwenden wollte, sah er
schon von weitem den dunkel getönten Wagen auf sich zukommen. Sie hatten ihn
also gefunden. Er wischte sich die Hände an der Jeans ab, drehte sein Cap nach
hinten und trocknete sich mit seinem Baumwolltuch kurz den Schweiß von der
Stirn. Auch wenn er es nicht sein sollte, er war nervös. Irgendetwas lief hier
nicht rund und er spürte förmlich die unguten Schwingungen in der Luft. Sie
parkten am Straßenrand, stiegen aus und kamen zügig auf ihn zu. Sein Herz
pochte ihm ungewollt bis zum Hals hinauf.
„Mr. Kensington? Haben Sie
kurz Zeit für uns?“, begrüßte Commissioner Carlton ihn mit einem kräftigen
Händedruck.
„Natürlich. Wollen wir uns
vielleicht in den Schatten setzen? Da drüben sind ein paar Klappstühle unter
der Linde, wenn Ihnen das recht ist?“
Zu dritt setzten sie sich
in den Schatten und Gale bot ihnen ein Glas Wasser an, schenkte ein und sah
dann erwartungsvoll auf die beiden Herren in den dunklen Anzügen.
„Also, was gibt es Neues?
Irgendeinen Verdächtigen?“
„Gut, dass Sie fragen. Wir
haben von Ihrem Polizeirevier vor Ort einen anonymen Brief zugesandt bekommen
und dachten, wir sollten Ihnen den zeigen.“
Jackson holte den
Plastikbeutel aus seiner Aktentasche und gab ihn an Gale weiter. Er betrachtete
den Inhalt durch die Folie und las aufmerksam, was dort fein säuberlich
aufgeklebt war.
„Jetzt wird mir einiges
klar...“, meinte er nickend und reichte dem Sergeant das Beweisstück zurück.
„Das da wäre?“, hakte
Carlton nach.
Gale räusperte sich. „Sie
fragen sich sicher, warum ich Ihnen nichts von der Sache im Neubau erzählt
habe?“
„Erraten!“ Nicht einmal
ein Grinsen entwich dem älteren Beamten.
„Hören Sie... Jaden war
mit Deacon hier, das wissen Sie. Wir waren auch einen Moment allein im
Talbot-Haus, aber ich habe ihm nur gesagt, dass ich nicht auf ihn stehe und
auch nie stehen werde. Er hat es verstanden. Und mich kurz auf die Wange
geküsst. Das war alles. Beobachtet hat das nur eine Person und das war Miss
Bridget Lamotte, Mr. Talbots Verlobte. Sie hat mir gedroht, damit im Ort
hausieren zu gehen und mich auf diese Weise zu vernichten, wenn ich nicht mit
ihr.... ins Bett gehe. So verrückt das klingt, sie ist regelrecht von mir
besessen.“ Ein verlegenes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
„Sie denken also, der
Brief könnte eventuell von ihr stammen?“
„Absolut, niemand sonst
wusste davon. Und sie wollte mich erpressen.“
„Also schön, nehmen wir
an, es ist so geschehen, wie sie uns das weismachen wollen. Wir haben
inzwischen noch einige andere Aussagen zu Protokoll genommen. Zum Beispiel
heißt es da, dass Sie, Mr. Brennigan und ein Barmann aus dem Rising Sun
miteinander intim gewesen wären. Was können Sie uns dazu erzählen?“
„Wer hat das behauptet?“,
fragte Gale überrascht, aber er konnte es sich lebhaft vorstellen.
„Besagter Barmann, und Mr.
Talbot hat es uns gestern noch bestätigt“, antwortete Carlton ruhig.
„Ja, Reuben hat ihm damit
im Six Feet Under nach der Beerdigung in den Ohren gelegen. Mir war das nur
unendlich peinlich und ich bin abgehauen.“
„Peinlich? Das müssen Sie
mir näher erklären?“
„Mr.? Wie war noch ihr
Name, Sir?“
„Carlton.“
„Ach ja, Mr. Carlton,
wissen Sie... Ich prahle für gewöhnlich nicht mit meinen Abenteuern, Reuben
hingegen schon. Mr. Talbot ist mein Kunde. Ich habe mich ihm gegenüber
geschämt, so einfach ist das.“
Carlton ließ eine weiße
Zahnreihe aufblitzen. „Gibt es so etwas überhaupt in ihrer Szene? Schamgefühl?“
Ein Seitenhieb auf die
schwule Community. Gale biss notgedrungen die Zähne zusammen und schluckte
seinen Ärger darüber einfach hinunter. „Durchaus, Commissioner, durchaus.“
„Wir möchten eine
DNS-Probe von Ihnen nehmen, wenn Sie damit einverstanden sind.“
„Muss ich das tun?“
„Sie können gerne einen
Anwalt konsultieren, aber wir sind berechtigt jeden Verdächtigen dazu zu
zwingen.“ Carlton sah ihn unerbittlich an.
„Demnach gelte ich also
als verdächtig – gut zu wissen...“
Gale wollte keinen
Aufstand riskieren und sich noch verdächtiger machen, als er sowieso schon war,
also willigte er schließlich doch ein, eine Speichelprobe abzugeben. Seine
Arbeiter beobachteten das Ganze aus der Ferne und waren sichtlich empört. Als
das Wattestäbchen sicher verstaut war, wollte Gale aber seine Neugierde noch
einmal befriedigen und stellte dem Commissioner die ihm wichtigste Frage.
„Wieso haben Sie Mr.
Talbot noch einmal dazu befragt? Ich dachte, er wäre inzwischen aus der Schusslinie?“
„Nachdem wir diesen
ominösen Brief erhalten hatten, mussten wir außer Ihnen auch Ihre kleine intime
Runde aus Atlanta noch einmal dazu verhören. Und wie Sie sehen, hat es sich
gelohnt.“
„Mr. Talbot wollte mir
demnach eins reinwürgen, verstehe...“, murmelte Gale betroffen.
„Bitte?“, fragte der
Commissioner überrascht nach. „Er hat doch nur die Wahrheit gesagt, oder?“
Gale lachte kurz
hysterisch auf. „Ja, das hat er! Aber wahrscheinlich hat er von selbst damit
angefangen, habe ich Recht? Mit Reuben und dem nicht vollendeten Dreier, meine
ich.“
„Nein, das hat er nicht.
Ich wollte konkret wissen, was er über ihr intimes Treffen weiß. Und ich muss
sagen, er war bestens informiert. Auch Mr. Willis hat es uns bestätigt, nachdem
der Barmann geplaudert hatte. Wir machen nur unseren Job, Mr. Kensington.“
„Ja, natürlich. War das
alles?“
„Vorerst ja. Halten Sie
sich zur Verfügung. Auf Wiedersehen.“
Police Sergeant Jackson
verabschiedete sich ebenfalls mit einem Nicken und sie verließen die Baustelle.
Kaum war der Wagen außer Sichtweite, stieß Gale wütend mit dem Fuß an den
Klapptisch und fluchte wie ein Rohrspatz.
„Dieser kleine Pisser!
Kaum macht man mal einen Fehler, rächt er sich sofort! Scheiße!“ Krebsrot vor
Wut stieg er in seinen Wagen und brauste ohne ein Wort des Abschieds davon.
Er musste sich irgendwie
beruhigen und die Einzige, die ihm mitten am Nachmittag gerne zuhören würde,
war Darcy. Also fuhr er in sein Büro und schlug dort geräuschvoll die Tür
hinter sich zu. Seine Assistentin war erschrocken zusammengezuckt, als er so
überstürzt hereingekommen war. Gale ließ sich wortlos auf seinen Ledersessel
fallen und winkte sie zu sich herein. Wie immer kam sie mit einer Tasse frisch
aufgebrühten Kaffees und setzte sich ihm gegenüber auf den Besuchersessel. Völlig
fertig erzählte er, was geschehen war und schimpfte wie ein Rohrspatz auf
Sandys Plauderlaune. Darcy versuchte, ihn zu beruhigen, aber das war gar nicht
so einfach.
„Werden sie die blöde
Lamotte wenigstens auch unter die Lupe nehmen?“
Zu seinem größten
Entsetzen hatte er tatsächlich vergessen, danach zu fragen. „Scheiße!
Hoffentlich! Sollte ich vielleicht mal nachfragen?“
„Ruf sie einfach an, mal
sehen, was sie gerade macht.“ Darcy grinste hinterlistig. Warum die Bullen
belästigen, wenn man den Übeltäter auch direkt ansprechen konnte.
„Gute Idee...“ Er griff
zum Telefon und wählte ihre Nummer. Nicht ohne ein Zittern in den Händen.
Es war belegt. Er musste
sich also noch gedulden. Erst satte dreißig Minuten und gefühlte hundert
Versuche später hob sie endlich ab. Gale war inzwischen ein wahres Nervenbündel
und hatte bereits zwei Tassen Kaffee intus.
„Gale? Du hast es dir also
überlegt!“, begrüßte sie ihn, aufgedreht wie immer, mit zuckersüßer Stimme.
Das klang nicht nach einem
kürzlichen Polizeibesuch. Er war enttäuscht. „Mr. Kensington für Sie. Und nein,
machen Sie sich keine Hoffnungen! Ich wollte nur nachfragen, ob im Haus auch
alles in Ordnung ist – das ist unser Kundenservice.“
„Alles ist bestens und
wartet nur auf dich, mein Süßer. Jetzt gib dir doch endlich einen Ruck und
besuch mich heute Abend nach der Arbeit?“, bettelte sie, als ob nie etwas
gewesen wäre. „Mein Bett wartet schon auf dich! Ich kann es uns auch anwärmen,
wenn dir das lieber ist?“
„Ich dachte, Ihr Verlobter
zieht jetzt auch dort mit ein?“
„Sandy kommt erst morgen
wieder her. Er kann immer nur am Wochenende hier sein, das ist doch perfekt für
uns beide, findest du nicht? Brianna gebe ich zu meinem Babysitter. Miss
Constance freut sich immer, wenn sie auf die Kleine aufpassen darf. Und wir haben
das ganze Haus für uns allein!“
„Constance McDillon?“
Ein junges Mädchen aus der
kirchlichen Gemeinschaft, das absolut unschuldig und naiv in seinen Augen war.
Selbst Darcy hatte erschrocken ihre Augen aufgerissen, als ihr Name gefallen
war.
„Ja, ein liebes Mädchen.
Und so höflich! Also, was ist jetzt, kommst du vorbei?“, säuselte sie unbeirrt
weiter.
„Nein, Herrgott noch mal!
Und wenn Sie Constance auch nur ein Haar krümmen, erwürge ich Sie mit meinen
eigenen Händen!“, brüllte er besorgt durchs Telefon und legte einfach auf.
„Scheiße!“
Darcy seufzte schwer. „Das
gefällt mir nicht, Gale, das gefällt mir gar nicht. Wenn sie den Brief
geschrieben hat, wer weiß, wozu sie noch alles fähig ist? Constance ist da
nicht sicher, wenn du mich fragst.“
Er nickte bestürzt und
überlegte seinen nächsten Schritt. Soviel er wusste, hatte Ellen guten Kontakt
zu den Kirchenmitgliedern. Aber sie war derzeit nicht wirklich gut auf ihn zu
sprechen. Trotzdem wollte er es versuchen und rief sie zu Hause an. Er hätte es
sich nie verziehen, wenn dem Mädchen etwas passiert wäre und er nichts
unternommen hätte. Darcy ging in der Zwischenzeit einmal kurz ans Telefon an
ihrem Schreibtisch und kam dann zurück, als er gerade mit Nolans Noch-Frau
sprach.
„Ellen, könntest du mir
einen Gefallen tun?“
„Und Nolan zurücknehmen?!
Du kannst mich mal!“, keifte sie ihn eiskalt an.
„Nein, es geht um etwas
anderes. Lass mal unsere Differenzen kurz beiseite, bitte. Du kennst doch die
McDillons?“
„Ja, warum?“ Ihre Stimme
hatte sich ein wenig beruhigt und sie versuchte sich zu beherrschen.
„Ihre Tochter Constance
babysittet Brianna, die Tochter von Miss Lamotte und Mr. Talbot.“
„Kann sein, was geht mich
das an?“
Gale unterdrückte einen
kleinen Fluch, denn mit Ellen kam man am besten zurecht, wenn man sich
christlich und wohlerzogen benahm.
„Diese Lamotte ist
vielleicht gefährlich. Ich traue ihr buchstäblich alles zu und ich wäre dir
sehr dankbar, wenn du den McDillons irgendeinen Vorwand nennen könntest, dass
sie Constance den Job verbieten. Ist das irgendwie möglich?“
„Hör zu! Ich weiß nicht,
was bei euch da eigentlich läuft. Ich will es auch gar nicht wissen! Aber die
Lamotte erzählt überall im Ort, dass du mit dem Opfer allein gewesen sein
sollst, in ihrem Haus. Und dass er dich geküsst haben soll. Falls das also
jetzt eine Retourkutsche werden soll, dann nicht mit meiner Hilfe!“, fauchte
Ellen erbost.
„Es ist mein Ernst, Ellen.
Du kennst mich doch, seit wir klein waren. Ich war nie ein Lügner. Sie ist mit
Vorsicht zu genießen. Mich wollte sie erpressen, weil sie mich und Jaden damals
zusammen gesehen hat. Und das nur, um mich selbst ins Bett zu kriegen, kannst
du dir das vorstellen?“ Er hielt die Luft an, so deutlich war er noch nie
geworden.
„Du bist doch schwul, was
will sie dann mit dir?!“
„Mich verwöhnen, sagt sie.
Sie ist wahnsinnig! Du musst das Mädchen da herausholen, bevor sie sie für ihre
Zwecke einspannt. Ich weiß nicht, was sie noch alles auf dem Kerbholz hat. Am
Ende hat sie bei Jaden auch irgendwie ihre Finger im Spiel gehabt, wer weiß das
schon so genau?“ Gale hatte das einfach so daher gesagt, aber kaum war es raus,
schien es ihm sogar plausibel.
„Du musst verrückt
geworden sein!“
„Nein, ich bin so klar wie
seit langem nicht mehr. Hol Constance da raus, verdammt noch mal!“
„Und wie soll ich das
anstellen, zum Kuckuck!? Ruf doch diesen Talbot an, soll der das regeln!“
„Das kann ich nicht, wir
haben privaten Ärger. Außerdem hört sie nicht auf ihn. Bitte, ich flehe dich an
im Namen des jungen Mädchens!“
„Scheiße! Na ja...
Vielleicht kann ich den Reverend dazu überreden, dass er mit ihren Eltern
spricht. Aber glaub bloß nicht, dass damit alles zwischen uns wieder in Ordnung
ist!“, zischte Ellen ins Telefon und Gale fiel ein Stein vom Herzen.
„Danke, Ellen. Du hast was
bei mir gut!“
„Ach ja? Dann behalte
Nolan und führ ihn zum Traualtar!“ Sie legte abrupt auf.
Gale starrte erst auf den
Hörer in seiner Hand und dann auf Darcy. Sie sah ihn fragend an.
„Und?“
„Ich soll Nolan heiraten.“
Darcy lachte spontan laut
los. Gales trockener Humor war einfach manchmal nicht zu überbieten.
„Man kann sagen, was man
will, sie ist echt witzig!“
„Hör auf!“ Er war trotz
allem schlecht gelaunt. „Der arme Nolan hat keine Chance mehr bei ihr. Er muss
irgendwie eine Regelung für Penelope finden.“
„Tut mir leid, aber du
bringst mich immer zum Lachen.“ Sie schmollte gespielt. „Ihr wärt übrigens ein
schönes Paar“, setzte sie noch mutig hinzu und grinste.
Selbst Gale musste jetzt
lachen. Nolan und er den Mittelgang entlang schreitend, er im schwarzen Anzug
und Nolan im weißen Tüllkleid, der Reverend schon auf sie wartend und die halbe
Stadt sitzt in den Bänken und singt das Halleluja. Unvorstellbar für den jungen
Mann.
„Sag bloß nichts zu Nolan
darüber, hörst du? Er ist derzeit ein wenig empfindlich.“
„So wie du.“
„Lass das, Darcy! Ich bin
nicht gut aufgelegt.“
„Ich weiß, Mr. Talbot hat
dich abblitzen lassen.“
„Woher weißt du denn
davon?“, knurrte er angepisst.
„Dein Babysitter und
Wunschehemann laut Ellen hat mich telefonisch vorgewarnt, bevor du nach der
Beerdigung wieder zur Arbeit kamst. Er meinte, ich soll alles Stressige von dir
fernhalten, denn du wärst ein wenig neben der Spur wegen Sandy Talbot.“
„Elendes Plappermaul!“
„Nolan hat es nur gut
gemeint. Sei ihm bitte nicht böse deswegen. So, ich muss jetzt deine Rechnungen
schreiben. Kommst du zurecht?“
Gale nickte und sie
verließ sein Büro. Müde legte er seinen Kopf auf die Hände auf seinem
Schreibtisch und seufzte tief. Er hatte das Gefühl, als würden die Geier schon
über ihm kreisen.
Sonntag, 31. Januar 2016
Löschen bei KDP? Nicht möglich.
Was soll man dazu sagen?
Es sollte doch möglich sein, das eigene, bereits einmal veröffentlichte Buch wieder komplett aus dem Kindle Direct Publishing löschen zu können, oder ist das gar zu viel verlangt?
Manchmal möchte man eine Entscheidung vielleicht rückgängig machen, nicht nur etwas daran verbessern oder verändern. Leider wird einem bis ans Ende des Lebens diese Fehlentscheidung gnadenlos angezeigt und man kann, außer jedesmal den Filter der Anzeige im Bücherregal richtig zu setzen, nichts machen, um das Machwerk komplett aus dem Speicher verschwinden zu lassen.
Eindeutig inakzeptable Handhabung für mein Empfinden.
Bisher konnte ich mich noch über nichts bei KDP wirklich beschweren, aber das ärgert mich schon ein bisschen. Da bekommt man irgendwie das Gefühl, bei Facebook zu sein, statt im Online-Buchhandel. Nichts geht verloren, jedes Bild gehört Facebook, sobald man es einmal hochgeladen hat, bla, bla, bla. Das ist doch... eine Frechheit! Und jetzt also auch noch ganze Bücher, die da ausharren müssen, ohne weiter im Verkauf zu verbleiben.... Pfui Spinne!
Allerdings habe ich bisher keine Erfahrung mit anderen Selfpublishing Plattformen oder gar Verlagen und deren Speicher-/Sicherungsgewohnheiten. Vielleicht handhaben die das ja auf dieselbe Art und Weise? Und will ich das wirklich wissen?
Frust.
Abgesehen davon wurde das vorab nicht mal im Kleingedruckten erwähnt, soviel ich mich erinnere.
Da soll man sich nicht drüber ärgern! *hmpf*
Es sollte doch möglich sein, das eigene, bereits einmal veröffentlichte Buch wieder komplett aus dem Kindle Direct Publishing löschen zu können, oder ist das gar zu viel verlangt?
Manchmal möchte man eine Entscheidung vielleicht rückgängig machen, nicht nur etwas daran verbessern oder verändern. Leider wird einem bis ans Ende des Lebens diese Fehlentscheidung gnadenlos angezeigt und man kann, außer jedesmal den Filter der Anzeige im Bücherregal richtig zu setzen, nichts machen, um das Machwerk komplett aus dem Speicher verschwinden zu lassen.
Eindeutig inakzeptable Handhabung für mein Empfinden.
Bisher konnte ich mich noch über nichts bei KDP wirklich beschweren, aber das ärgert mich schon ein bisschen. Da bekommt man irgendwie das Gefühl, bei Facebook zu sein, statt im Online-Buchhandel. Nichts geht verloren, jedes Bild gehört Facebook, sobald man es einmal hochgeladen hat, bla, bla, bla. Das ist doch... eine Frechheit! Und jetzt also auch noch ganze Bücher, die da ausharren müssen, ohne weiter im Verkauf zu verbleiben.... Pfui Spinne!
Allerdings habe ich bisher keine Erfahrung mit anderen Selfpublishing Plattformen oder gar Verlagen und deren Speicher-/Sicherungsgewohnheiten. Vielleicht handhaben die das ja auf dieselbe Art und Weise? Und will ich das wirklich wissen?
Frust.
Abgesehen davon wurde das vorab nicht mal im Kleingedruckten erwähnt, soviel ich mich erinnere.
Da soll man sich nicht drüber ärgern! *hmpf*
Sonntag, 10. Januar 2016
Leseprobe "Einmal Hölle und zurück"
~ Prolog ~
Sommer 2008
Mir dreht sich alles. Ich
habe hämmernde Kopfschmerzen und mir ist kotzübel. Meine Lider sind so verdammt
schwer. Ich möchte die Augen öffnen, aber es gelingt mir nur ganz langsam.
Irgendjemand stöhnt hier. Bin ich das etwa selbst? Das grelle Sonnenlicht
trifft mich völlig unvorbereitet, als ich endlich wieder etwas sehen kann.
Zuerst nur ganz verschwommen, dann langsam immer deutlicher.
»Mr. Craven? Da sind
Sie ja wieder! Wie fühlen Sie sich?«
Wer zur Hölle fragt
mich das? Mir geht‘s beschissen. Ich könnte kotzen und meine Zähne klappern.
Warum geben die mir nicht einfach etwas, damit das wieder aufhört? Es tut so
weh...
»Wo bin ich?«, frage
ich mit letzter Kraft und unterdrücke mit Mühe und Not ein Würgen.
»Sie sind in der
Entzugsklinik. In Malibu«, antwortet mir die Stimme aus dem Nebel.
»Oh... Was... fehlt
mir?« Ich weiß es wirklich nicht, bin noch ganz benebelt und nur halb wach. Irgendwie
kann ich mich an nichts erinnern.
»Sie hatten einen
heftigen Drogenrausch nach einer Aftershow-Party und waren zwei volle Tage
bewusstlos.«
Jetzt fällt es mir
wieder ein. Dieses verdammte Zeug... Unser Auftritt, der Preis für die beste
Rockband. Neal hat mich noch gewarnt. Ich wollte nicht hören. Wollte nur noch
vergessen. Die ganze Scheiße hinter mir lassen und vielleicht sogar endlich
sterben.
»Ihre Eltern kommen
heute vorbei. Sie müssen jetzt ein bisschen was essen, ja? Ich stelle die Suppe
hier auf den Nachttisch.«
Endlich kann ich sie
erkennen. Der Schleier lichtet sich vor meinen Augen. Eine ziemlich junge
Krankenschwester bemüht sich um mein Wohlergehen. Oh Gott, meine Eltern...! Ich
schäme mich. Für meinen Aussetzer, und dass ich überhaupt jemals Drogen
ausprobiert habe. Das ist nur diese verdammte Einsamkeit, die bringt mich noch
um. Seit zehn Jahren habe ich diese unstillbare Sehnsucht nach ihm.
Ryan.
Ich habe ihn einfach
nicht wiedergefunden. Was ich auch versucht habe, es hat nichts gebracht. Er
ist und bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Und der Gedanke, dass er mich
schon längst vergessen haben könnte, macht mich fix und fertig. Nur darum will
ich manchmal vor der Realität fliehen. Was nutzt mir der Erfolg mit der Band,
wenn er nicht da ist, um ihn mit mir zu teilen, um mich zu lieben? Er war doch
mein zweites Ich, mein Seelenverwandter.
Eine einsame Träne
kullert über meine Wange und ich bin heilfroh, dass die Schwester schon wieder
aus dem Zimmer gegangen ist. Jetzt bin ich schon fast 28 Jahre alt und benehme
mich noch immer wie ein unreifer Teenie. Aber der Schmerz ist einfach zu groß. Niemand,
mit dem ich meine goldenen Schallplatten oder CDs feiern könnte, auch wenn wir
nur in den Staaten bekannt sind und kaum mit den derzeit weltweit angesagten
Bands konkurrieren können, ich bin sehr stolz auf meine Karriere als Sänger und
Frontmann bei Hot Blooded. Nicht
viele schaffen das, was wir geschafft haben, denn wir können tatsächlich von
der Musik leben. Und das nicht einmal schlecht.
Aber mir fehlt ein
Freund. Ein Partner. Ich habe mich seit damals nie wieder verliebt. Sicher
hatte ich ab und zu ein paar heiße Abenteuer, aber ich war nie wirklich
glücklich dabei. Ryan fehlt mir so sehr und ich kann ohne ihn einfach nicht
leben. Er ohne mich offenbar schon. Er hat sich seit zehn Jahren nicht wieder
bei mir gemeldet, auch nicht, als er endlich achtzehn Jahre alt war. Dabei
müsste er doch nur einmal bei meinen Eltern anrufen, ich bin noch immer an Ort
und Stelle. Er hat schließlich den
Kontinent gewechselt, nicht ich. Es tut verflucht weh, so zurückgewiesen zu
werden.
Gott, mein Körper
zeigt mir deutlich, dass ich etwas ändern muss, wenn ich nicht dabei drauf
gehen will. Vielleicht versuche ich es zuerst mal mit der Suppe. Vorsichtig
nehme ich einen Löffel voll. Sie schmeckt gut, aber ich habe absolut keinen
Appetit. Mir ist übel und ich friere. Nicht einmal erinnern kann ich mich
daran, was ich auf dieser gottverdammten Party eigentlich eingeworfen habe. So
schlimm war ich noch nie drauf. Alles, was ich noch weiß, ist, dass ich
lebensmüde war, ich wollte nichts mehr fühlen, nichts mehr wissen und vor allem
nicht mehr einsam sein und mich nach Ryan sehnen. Ich habe meinen eigenen Tod
in Kauf genommen und das erschreckt mich sehr.
Der Abend verlief
eigentlich ganz gut, wir bekamen diesen Preis und waren überglücklich. Ich habe
ein bisschen über den Durst getrunken, ist ja nicht ungewöhnlich, wenn man was
zu feiern hat. Nur werde ich dann immer so melancholisch. Wünsche mir Ryan an
meiner Seite und labere meine Jungs aus der Band damit zu. Sie sind das schon
gewöhnt von mir. Am nächsten Tag kann ich mich dann meist nie daran erinnern,
was ich alles gesagt habe. Aber diesmal scheint mich wohl ein Dealer irgendwo
auf dieser Party am Wickel gehabt zu haben. In so einem traurigen Zustand höre
ich auf niemanden mehr, ich bin dann so sentimental und absolut unzugänglich,
dass ich nicht einmal meinen Freunden einen Vorwurf machen kann. Sie hätten
mich schon fesseln und knebeln müssen, damit ich das Zeug nicht nehme.
»Dane?« Meine Mum
guckt vorsichtig zur Tür herein.
Ich bin gerührt und
kämpfe mit den Tränen. Noch immer sind sie für mich da und nicht einmal haben
sie mich bisher für meine Aussetzer verurteilt. Fliegen von Arkansas bis
hierher nach Kalifornien, nur um mir beizustehen. Gott, ich liebe sie dafür.
Die Jungs aus der Band
dagegen blasen mir immer wieder gehörig den Marsch. Ich bin ihr Zugpferd, ohne
mich geht‘s nicht weiter. Und sie haben Angst um mich. Neal versteht
wenigstens, warum es mir so schlecht geht. Er hat inzwischen eine hübsche Frau
und eine kleine Tochter, die ihn sehr lieben und in allem unterstützen. Die
beiden anderen pflegen noch immer ihre Rockstar-Allüren und laben sich von Zeit
zu Zeit an ganz ansehnlichen Groupies. Auf Neal und mich wollen sie nicht
hören.
»Kommt rein...«,
krächze ich leise.
»Du siehst furchtbar
aus, Junge!«, bemerkt meine Mutter ohne Umschweife und setzt sich zu mir auf
die Bettkante.
Mein Vater schnappt
sich den Stuhl neben dem Bett und mustert mich besorgt.
»Ich weiß. Es tut mir
leid, dass ich euch schon wieder Sorgen mache...«, murmle ich betroffen.
»Ihr steht in der
Zeitung, es kommt auf jedem Sender überall in der Welt und sogar im Internet
seid ihr der Renner«, sagt mein Vater trocken und hält mir besorgt die gestrige
Tageszeitung hin.
Ich habe keinerlei
Erinnerung daran, was eigentlich passiert ist. Also lese ich den Artikel und
komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
New York.
Hot
Blooded,
eine aufstrebende Rock-Band aus Little Rock in Arkansas, wagte es gestern Abend
tatsächlich nach der Verleihung eines nationalen Musikpreises am Tag zuvor,
vollkommen nackt mitten in New York auf dem Ground Zero ein spontanes Konzert zu
geben.
Protest gegen den amtierenden Präsidenten George Bush
und die Republikaner, um damit Werbung für den aktuellen Präsidentschaftskandidaten
der Demokraten, Barak Obama, zu machen, war das angebliche Ziel der im Vorfeld
gut geplanten Veranstaltung. Mit aufrüttelnden Texten, verschwitzten Körpern
und harten Riffs zogen sie das Publikum in ihren Bann, bis die Polizei dem
fröhlichen Treiben schließlich ein Ende machte. Nicht genehmigte Demonstration,
Drogenmissbrauch und Erregung öffentlichen Ärgernisses lautet die Anklage.
Ihr Frontmann Dane Craven war angeblich so
zugedröhnt, dass er noch im Polizeiwagen ohnmächtig wurde und als Notfall ins
Krankenhaus gebracht werden musste. Kenner der Musikszene halten diesen
schamlosen Auftritt für das Ende ihrer gerade noch so viel versprechenden
Karriere. Damit sei die Nominierung zu den VMAs im September nahezu
ausgeschlossen.
Mr. Craven erholt sich derzeit in einer
Entzugsklinik von einem zweitägigen Drogenrausch. Präsidentschaftskandidat
Barak Obama hat sich vom Auftritt der Band aufs Schärfste distanziert. Ganz
Amerika ist entsetzt über die schamlose Zurschaustellung nackter Tatsachen. Das
Ganze wird ein gerichtliches Nachspiel für die Musiker haben, die sich noch
immer nicht persönlich zu den Vorfällen äußern wollten. Das Management hat bis auf weiteres jegliche
Interviews abgesagt. ©Jerry Weber, New York Times
»Oh mein Gott...«,
murmle ich entsetzt über meine eigenen Taten. Kann man noch mehr erröten? Was
ist da bloß in uns gefahren?
Langsam fällt mir so
manches wieder ein und ich schäme mich fürchterlich dafür. Meine Eltern müssen
sich zu Hause sicher ganz schön was anhören meinetwegen. Das ist nahezu
unverzeihlich.
»Was hast du dir nur
dabei gedacht, Junge?«, fragt mein Vater ruhig, wobei er mich neugierig ansieht.
Ich kenne seine
politische Einstellung, er hasst Bush. Insgeheim freut ihn meine kleine
Einlage, wenn ich nur nicht nackt gewesen wäre und unter Drogen gestanden
hätte.
»Ich kann mich kaum
genau erinnern, aber das hatten wir schon länger geplant, das Management hat
das für uns organisiert. Es war bloß nie die Rede von nackt und unter Drogeneinfluss
gewesen. Ich weiß noch, dass wir nach der Aftershow-Party kaum geschlafen haben
und schon am nächsten Abend mitten auf dem Ground Zero antanzen wollten. Dieses
Teufelszeug hat mich total unzurechnungsfähig gemacht. Hat euch Neal denn
inzwischen noch nichts Genaueres darüber erzählt? Mein Gott, was wird Jenny
jetzt von ihm denken? Und die kleine Sam? Was habe ich da nur abgezogen? Das
ist doch sicher auf meinem Mist gewachsen, oder?« Ich kann noch gar nicht
fassen, was ich da in meinem Drogenrausch angezettelt habe. Ich meine,
splitterfasernackt?!
»Doch, Neal hat uns
angerufen. Und es war nicht deine Idee. Joel ist dafür verantwortlich. Aber ihr
fandet es alle ziemlich originell und publicityträchtig. Neal wollte kein
Spielverderber sein und deshalb hat er mitgemacht, auch wenn er der einzige
war, der nachweislich nicht unter Drogen stand«, erzählt mein Vater mir mit
traurigen Augen. »Dane, du musst endlich was unternehmen! Finde Ryan oder
vergiss ihn! So geht das einfach nicht mehr weiter!«
»Ich weiß... Ich muss
auf jeden Fall clean bleiben. Wird nicht allzu schwer werden, ich habe immer
nur alle drei heiligen Zeiten was eingeworfen. Aber ich weiß beim besten Willen
nicht, wie ich ohne Ryan leben soll. Ich muss wenigstens wissen, dass es ihm
gut geht.« Meine Stimme bricht.
»Versuch ihn zu
finden, du hast doch jetzt Geld genug. Engagier einen Privatdetektiv oder was
weiß ich, nur tu endlich was!«, bekniet mich meine Mum und ich umarme sie
dafür. Jeder Knochen und jeder Muskel im Leib schmerzt mich, es ist die reinste
Hölle nach so einem intensiven Trip.
Meine Eltern wollen
noch ein paar Tage an der Westküste bleiben, bis es mir wieder besser geht. Das
beruhigt mich sehr. Ich fühle mich nicht so allein, wenn sie bei mir bleiben.
Aber eine Frage habe ich noch.
»Wer hat mich
eigentlich hierher nach Malibu verfrachtet? Ich scheine hier in guter
prominenter Gesellschaft zu sein.«
»Neal hat uns
angerufen und uns diesen Vorschlag gemacht. Er hat das zusammen mit dem
Management veranlasst, um dir zu helfen. Enttäusche ihn nicht. Er war auch
selbst beim Flugtransport dabei, hat sich rührend um dich gekümmert. Du bist
ihm was schuldig, Dane...«, klärt meine Mum mich dankbar lächelnd auf.
Mir kommen nun doch
die Tränen, ich bin einfach überwältigt, was mein Freund alles für mich in die
Wege geleitet hat. Auf Neal konnte ich mich schon immer verlassen, aber das
jetzt ist etwas ganz Besonderes für mich. Weil seine Frau Jenny und seine
Tochter Sam sicher nicht begeistert davon waren. Sie ist ziemlich sauer auf
mich, weil ich immer öfter abstürze, das hat sie mir selbst schon ins Gesicht
gesagt und mir gedroht, mich umzubringen, wenn ich Neal da mit hineinziehe.
»Könnt ihr mich jetzt bitte
allein lassen?«, frage ich mit letzter Kraft und drehe mich weg. Ich will
nicht, dass sie meine Tränen sehen.
»Wir kommen morgen
wieder, ja? Erhol dich gut und denk über das nach, was wir dir gesagt haben.«
Mein Vater klopft mir
freundschaftlich auf die Schulter, während meine Mum mir liebevoll eine
Haarsträhne hinter die Ohren streicht. Sicher bemerkt sie jetzt meine feuchten
Wangen, wenn auch nur von der Seite. Dann verabschieden sie sich und ich bin
wieder allein. Allein mit dieser unheimlichen Sehnsucht und dem elenden,
schlechten Gewissen.
*
Müde dämmere ich vor mich
hin. In meinem Kopf schwirren die Gedanken nur so herum. Ich muss ihn finden.
Irgendwie. Aber zuerst muss ich gesund werden, clean und stark. So wie früher
einmal. Ganz Amerika denkt, mir wäre das Leben als Rockmusiker zu Kopf
gestiegen und ich würde deshalb ab und zu abstürzen. Aber das ist es nicht. Ich
liebe meine Musik, das Touren und alles, was dazu gehört. Alle wissen
inzwischen, dass ich schwul bin, das ist es auch nicht. Es ist nur das stille
und immer noch brennende Verlangen, die immerwährende tiefe Liebe und Sehnsucht
nach meinem blonden Engel von damals. Würde er jetzt in diesem Augenblick zur
Tür herein kommen, wäre ich endlich wirklich glücklich. Aber er kommt natürlich
nicht, bleibt wie immer verschwunden. Dafür besucht mich eine Frau Dr. Watson.
Ich höre schon an ihrem Namen, dass sie mich aushorchen wird, und siehe da, sie
ist meine Psychologin.
»Mr. Craven, ich werde
ab heute jeden Tag eine Stunde mit ihnen arbeiten, ist das in Ordnung für Sie?«
»Hm... Ich weiß doch,
was mir fehlt, wozu brauche ich da noch einen Seelenklempner?«
»Ach ja? Dann erzählen
Sie doch mal, was Sie vermuten.«
Einfach so? Die hat
vielleicht gut reden! Ich bin kein sehr mitteilsamer Mensch, das war ich noch
nie. Und außerdem kenne ich sie doch gar nicht.
»Also... Ich... Das
kann ich nicht!«, stammle ich etwas unbeholfen.
Sie ist in meinem
Alter, ich kann ihr doch nicht einfach so intime Dinge über mich erzählen, was
soll denn das?
»Versuchen Sie es. Ich
höre nur zu. Mache mir vielleicht Notizen, aber das ist auch schon alles für
den Anfang.«
»Ich soll nur
erzählen? Sie fragen mich gar nichts?«
»Nein, ich frage gar
nichts. Das kommt später.«
»Also doch.«
»Wenn ich der Meinung
bin, dass Sie etwas genauer aufarbeiten sollten, dann hake ich nach. Nicht mehr
und nicht weniger.«
»Hm...« Gefällt mir
trotzdem nicht.
»Also, warum geht es
Ihnen so schlecht? Was meinen Sie?«, fängt sie nun doch mit einer persönlichen
Frage an.
»Ich dachte, Sie
fragen nichts?«
»Fangen Sie an, dann
schweige ich.«
»Das ist Erpressung.«
»Nein, das ist
Therapie.«
»Wortklauberei. Ich
bin nur unglücklich verliebt, ich brauche keine Therapie!«
»Also verliebt.
Erzählen Sie mir mehr davon.«
»Sie haben mich
reingelegt«, brumme ich frustriert.
»Nein, habe ich nicht
und das wissen Sie auch.«
»Sie sind ein schwerer
Brocken.«
»Sie auch, Dane
Craven. Also, Sie sind verliebt. In wen?«
»Das war eine Frage,
ganz klar!«
»Stimmt. Bekomme ich
eine Antwort?«
»Nein.«
»Dann frage ich noch
mal. In wen sind Sie verliebt?«
Meine Gedanken
überschlagen sich förmlich... »Es reicht, wenn Sie wissen, dass ich verliebt
bin. Der Name tut nichts zur Sache. Ich bin nie darüber hinweggekommen, seit
ich siebzehn Jahre alt war. Zufrieden?«
»Sehr gut. Jetzt kann
ich mir schon ein besseres Bild machen. Was muss ich noch darüber wissen?«
»Nichts.«
»Mr. Craven! Bitte...«
Ihre Augen flehen mich
an, doch endlich mitzuarbeiten. Und irgendwie tut es auch gut, darüber zu
reden. Bisher habe ich meist geschwiegen, jeder wusste, was mich bedrückt, ich
musste nie groß etwas dazu sagen. Es wurde einfach totgeschwiegen, um mich
nicht noch trauriger zu machen, als ich eh schon war.
»Wir wurden gewaltsam
getrennt.«
»Verstehe. Von wem?«
»Von Simon. Haben uns
total aus den Augen verloren.«
»Das tut weh«, meint
sie leise und ziemlich verständnisvoll.
Sie scheint nett zu
sein. Vielleicht ist das doch eine ganz gute Idee, dass ich mich mal so richtig
auskotze?
»Verdammt weh! Ich...
Ich denke pausenlos an nichts anderes. Seit zehn Jahren hoffe ich darauf, ihn
wiederzusehen.«
»Ihn?« Sie zieht die
Brauen hoch.
Jetzt habe ich mich
verraten, wenn Sie mich nicht doch schon aus der Presse kennt. Meine Vorliebe
für männliche Wesen ist ja kein Geheimnis im Showbusiness.
»Ja, ihn. Überall
glaube ich, ihn in der Menge zu entdecken und stelle dann gefrustet fest, dass
ich mich doch wieder geirrt habe.«
Sie schweigt. Fast
sind mir ihre Fragen lieber. Aber nichts dergleichen passiert, sie hält ihr
Wort. Nach kurzem Zögern setze ich doch wieder an, ich habe Mitteilungsbedarf.
Tatsächlich.
»Sein Dad kam nicht
damit klar, dass sein Sohn homosexuell sein sollte. Deshalb hat er die Biege
mit ihm gemacht. Nach Europa, einfach so bei Nacht und Nebel. Ich habe noch
immer seine letzte SMS auf meinem Handy...« Mir kommen schon wieder die Tränen,
wenn ich an diese Nacht zurückdenke. »Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört.
Ich habe solche Angst, dass er vielleicht schon tot sein könnte.« Ich muss
kräftig schlucken. »Warum sonst hätte er sich nie wieder bei mir gemeldet?«
»Die Ungewissheit
macht Sie also fertig.«
»Hm..., ja«, versuche
ich meine aufwallenden Emotionen erfolgreich wieder zu verdrängen.
»Es ginge Ihnen
besser, wenn Sie wüssten, was mit ihm geschehen ist, wie es ihm geht?«
»Vermutlich schon, ja.«
»Sie haben nie nach
ihm gesucht?«
»Doch, aber es kam
nichts dabei heraus. Und ich hatte wegen der Band auch nicht wirklich Zeit für
solche langwierigen und vor allem auch teuren Nachforschungen.«
»Verstehe.«
»Aber ich werde das
jetzt anpacken. Ganz professionell, mit einem Privatdetektiv. Ich kann es mir inzwischen
schließlich leisten, verdammt!« Meine plötzliche Entschlossenheit macht mir
selbst ein wenig Angst. Schließlich könnte ich am Ende doch nur enttäuscht
werden.
»Das ist ein wirklich
guter Vorsatz. Dabei belassen wir es für heute. Morgen erzählen Sie mir dann
mehr über ihn. Einverstanden?«, lächelt sie mich mit warmen Augen an.
Sie ist nett. Ich mag
sie. Es könnte vielleicht funktionieren.
Mit einem Zwinkern
verlässt sie mein Zimmer und lässt mich mit vielen aufwühlenden Gedanken
zurück. Ja, ich werde ihn suchen, wenn ich wieder fit bin. Keine Minute werde
ich mehr verlieren, wir waren schon viel zu lange getrennt. Und wenn er
inzwischen ein eigenes Leben führt, ohne mich, dann bin ich auch zufrieden,
Hauptsache es geht ihm gut und ich muss keine Angst mehr haben, dass er
vielleicht tot sein könnte. Und das nur meinetwegen.
Dabei fing alles so
vielversprechend an...
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