Pssst...

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Sonntag, 7. Februar 2016

Wooden Sins - Für kurze Zeit gratis bei Kindle! Neuer Ausschnitt hier!

Am 8. und 9. Februar gibt's zum Karneval meinen Gay Romance Roman Wooden Sins - Die Sünden der Anderen GRATIS bei Amazon! 
Hier noch mal eine kleiner Ausschnitt von weiter hinten im Buch, den man bei der Kindle Leseprobe/Blick ins Buch nicht zu lesen bekommt ;-) 



~ Kapitel 23 ~

Darcy hob das Telefon ab und meldete sich wie üblich: „Kensington Constructions, Darcy Meadows am Apparat?“
„Hier ist Miss Lamotte. Könnte ich ihren Boss sprechen, bitte?“ Sie klang noch etwas mitgenommen.
„Augenblick, ich frage nach, ob er Zeit hat. Momentan hat er einen Kunden im Büro.“ Sie drückte sie weg und stellte sich selbst zu Gale durch. „Hast du Zeit für die Lamotte?“
Gale sah ruckartig von seinen Unterlagen auf und hörte sein Herz bis nach oben in den Hals hämmern. Sie war also wieder fit genug. Es hatte nur drei Tage länger gedauert, als gedacht. Drei Tage, in denen Gale sich nicht getraut hatte, sich bei Sandy zu melden. Es herrschte Funkstille zwischen ihnen. Von Deacon erfuhr er, dass er seitdem nicht mehr im Club aufgetaucht war, das stimmte ihn irgendwie froh.
„Okay, stell sie durch. Aber unterbrich mich in fünf Minuten, wenn ich sie bis dahin noch an der Strippe habe, ja?“
Darcy tat wie ihr befohlen, es knackte es in der Leitung und Gale nahm das Gespräch an.
„Miss Lamotte? Schön, dass es Ihnen wieder besser geht! Was kann ich heute für Sie tun?“
„Hallo, Liebster... Wir hatten eine Vereinbarung, erinnerst du dich?“, flötete sie durch den Hörer, womit sie Gale eine echte Gänsehaut auf den Körper zauberte. „Ich gebe dir noch Zeit bis heute Abend, dann bin ich mit Brianna zu Hause in unserem neuen Heim. Sandy hat es inzwischen möbliert und ich freue mich schon, mein Bett so richtig mit dir einzuweihen.“
„Wie ich Ihnen bereits sagte, gedenke ich nicht, auf Ihr Angebot einzugehen.“
„Weil du stattdessen lieber hinter meinem Bräutigam her bist, ich weiß.“
„Weil ich mich nicht erpressen lasse und nichts verbrochen habe, darum!“
Bridget seufzte hörbar auf. „Du hast noch eine Chance, Gale. Ich bereite dir den erotischen Himmel auf Erden. Wenn du jetzt nicht einlenkst, mache ich meine Drohung wahr... Also, wie entscheidest du dich?“
„Dagegen!“, schrie er entrüstet und knallte lautstark den Hörer auf die Gabel. Was für eine blöde Kuh!
Darcy kam sofort herein und brachte ihm eine Tasse Kaffee. „Alles okay soweit?“
„Sehe ich so aus?“
„Definitiv nicht.“
„Sie wird mich hinhängen. Ganz sicher wird sie mich im Ort schlecht machen.“
„Wer weiß, vielleicht hat sie auch nur gedroht und ist am Ende doch zu feige oder zu verliebt in dich?“
„Verliebt? Die ist einfach nur geil auf mich.“ Gale schüttelte sich angewidert. Er stand auf und wollte auf seine neue Baustelle, um sich mit körperlicher Arbeit ein wenig den Frust auszutreiben.
„Sie ist inzwischen eingezogen, wusstest du das? Gestern kam die Spedition hier vorbei und hat neue Möbel angeliefert. Der Fahrer hat sich bei mir nach dem Weg erkundigt.“
„Ich weiß. Hat Sandy sich eigentlich hier auch irgendwann blicken lassen?“ Seine hungrigen Augen verrieten ihn.
Darcy grinste. „Er war im Haus, das weiß ich von meiner Mutter. Und die hat es von Frances. Die wiederum direkt von Miss Lamotte, als sie sich gestern nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Haare hat machen lassen. Meine Mum war übrigens total begeistert von Brianna.“
„Gott! Ich hasse dieses Kaff!“ Er schlug die Tür hinter sich zu und schwang sich hinter sein Lenkrad. „Wieso gehe ich eigentlich nicht als Stricher nach Atlanta? Ich muss verrückt sein!“, sprach er zu sich selbst und ließ den Motor aufheulen.

~*~

Mit einem weißen Blatt Papier in der Hand kam Police Sergeant Jackson zu seinem Boss ins Büro und legte es ihm mit einem Paar Einmal-Handschuhen daneben auf den Schreibtisch.
„Das kam heute aus Jasper rüber. Die Kollegen haben den Brief in ihrem Postkasten gefunden. Bevor ich ihn der Spurensicherung übergebe, wollte ich, dass Sie sich das ansehen.“
Commissioner Carlton zog sich die Handschuhe über und faltete den Zettel vorsichtig auseinander. Fein säuberlich waren einzelne Buchstaben aufgeklebt worden, die er schließlich mit einigem Erstaunen laut vorlas.

SIE  SOLLTEN  DEN  ARCHITEKTEN  GENAUER  UNTER  DIE  LUPE  NEHMEN –  ER  WAR  MIT  MR. BRENNIGAN  ALLEIN  IM  TALBOT-HAUS  UND  SIE  WAREN  EINDEUTIG  NETTER  ZUEINANDER  ALS  ÜBLICH.  EIN  HEIMLICHER  BEOBACHTER.

„Dieser Fall wird immer interessanter. Warum geht der angebliche Zeuge nicht einfach zur Polizei und erzählt, was er beobachtet hat?“, sinnierte der Commissioner vor sich hin.
„Das habe ich mich auch schon gefragt. Aber in so einer Kleinstadt gibt es nun mal eine Menge Klatsch und Tratsch. Hoffen wir auf Fingerabdrücke, die ein wenig Licht in diese Sache bringen.“
Er nahm ihm den Wisch wieder ab, faltete ihn zusammen und steckte ihn zurück in eine Plastiktüte, bevor er sich die eigenen Handschuhe abstreifte und sie in den Mülleimer beförderte.
„Wir sollten trotzdem noch einmal mit diesem Kensington sprechen. Er hat nie erwähnt, dass er mit dem Opfer irgendwann intimer gewesen wäre als üblich. Seltsam, warum sollte er uns etwas verschweigen?“
„Ich gebe Ihnen Bescheid, wenn wir die Untersuchungsergebnisse haben, dann können wir vielleicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“ Jackson grinste überzeugt und verließ das Büro seines Chefs.
Carlton holte sich die Akte Brennigan erneut auf den Tisch und begann darin zu blättern. Er hatte es schon hundertmal gelesen, irgendwo musste die Antwort darin zu finden sein. Und dieser anonyme Brief war vielleicht endlich ein weiteres Puzzleteil in diesem undurchsichtigen Fall. Etwa drei Stunden später kam Jackson zurück in sein Büro.
„Keinerlei Spuren oder Fingerabdrücke. Da war zumindest kein Idiot am Werk.“
„Habe ich mir fast gedacht. Welche Zeitungen hat er benutzt?“
„Örtliche Tageszeitungen, diverse Hochglanzmagazine.“
„Hochglanzmagazine?“
„Ja, steht so in dem Bericht.“
„Wir sollten auch eine Frau in Betracht ziehen, was denken sie? Raffinesse ist meist weiblichen Tätern zuzuordnen. Kann man feststellen aus welchen Zeitschriften konkret?“
„Nicht auf die Schnelle. Aber ich kann das veranlassen, wenn Sie wünschen.“
„Wir fahren nach Jasper und sprechen mit Kensington. Vielleicht hat er ja irgendwelche Feinde, denen er so etwas zutraut? Egal ob es der Wahrheit entspricht oder nicht. Und packen Sie vorsichtshalber einige DNS-Test Sets mit ein, man kann nie wissen.“
Zusammen machten sie sich auf den Weg zu ihren Ermittlungen und nahmen das anonyme Schreiben im Plastikbeutel gleich mit. Was sie bisher über den Architekten herausgefunden hatten, war alles andere als uninteressant. Er galt in der Szene als berüchtigt und es war allgemein bekannt, dass das Opfer sich seit langem nach ihm verzehrt hatte, sowie, laut Barkeeper, sogar intimen Kontakt mit ihm gehabt haben sollte. Er hatte kein Alibi für die Tatzeit und jetzt kam auch noch diese anonyme Anschuldigung hinzu. Es wurde langsam eng für den jungen Unternehmer.

~*~

Darcy war mehr als besorgt, als die beiden Beamten erneut bei ihr im Büro auftauchten und nach ihrem Boss fragten. Sie schickte sie auf die derzeitige Baustelle und schnappte sich sofort das Telefon, kaum dass sie das Büro wieder verlassen hatten.
„Du bekommst Besuch, die Bullen aus Atlanta“, meldete sie sich kurz und bündig mit zitternder Stimme.
„Jetzt?“, wunderte sich Gale nicht wenig über diesen neuerlichen Überfall.
„Jetzt! Was geht da vor? Ich mache mir wirklich Sorgen, Gale! Die sahen verdammt überzeugt und zielstrebig aus!“
„Was sollen sie schon wollen? Ich bin sauber, also lass sie kommen!“
Er schüttelte den Kopf über Darcys wilde Fantasie, aber insgeheim wurde ihm schon etwas mulmig zumute. Immerhin könnte Bridget geplaudert haben und sie wollten jetzt wissen, warum er ihnen das kleine Intermezzo im Neubau verschwiegen hatte. Allerdings hatte niemand danach gefragt und ihm war es auch nicht wichtig erschienen, bis Bridget es ihm gegenüber in erpresserischer Weise erwähnt hatte.
Darcy wünschte ihm noch viel Glück und legte auf. Gale wandte sich an seine Vorarbeiterin und gab ihr noch letzte Anweisungen für den Rest des Tages. Er hatte so ein Gefühl, dass er nicht mehr allzu viel würde erledigen können, wenn die Bullen hier erst einmal aufgetaucht waren. Dann machte er sich mit Eifer wieder an die geliebte Arbeit und wartete auf die Beamten. Shania beobachtete ihn neugierig, sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu sofort merken, dass etwas nicht in Ordnung war mit ihm.
„Boss? Hast du Probleme?“, sprach sie ihn doch noch irgendwann an, als er das x-te Mal tief aufseufzte und seinen Blick auf die Zufahrtsstraße richtete.
„Hm? Nein. Es kommen gleich zwei Bullen, die mich interviewen wollen, das ist alles.“
„Wegen des Toten auf dem Highway?“
„Exakt. Ein guter Freund. Und sprich nicht so befremdlich über ihn.“ Er passte gerade einen Balken in das Gefüge.
Shania schluckte. „Verzeihung...“
„Bisher wart ihr alle recht zurückhaltend, was meinen neuen Status als Schwuchtel angeht. Verrätst du mir, was hinter den Kulissen getratscht wird, wenn ich nicht dabei bin?“ Er wollte einfach wissen, wie sie privat zu ihm standen.
Shania schluckte abermals. Es war nicht ihre Aufgabe, die anderen bei ihm auszurichten, aber er hatte es verlangt und sie konnte seine Beweggründe verstehen.
„Nicht viel, wenn ich ehrlich bin. Willie findet es ekelhaft, Antonio schade für die Frauenwelt, aber wenigstens hätte er jetzt mehr Chancen bei den Girls, Nigel hält sich komplett raus und ich... Ich bin modern. Es wäre mir lieb, wenn wir beide unser Verhältnis so beibehalten wie bisher. Mir ist egal, mit wem du ins Bett gehst, solange du mir Nigel nicht umpolst“, grinste sie verhalten.
Gale hatte ihr aufmerksam zugehört. Sie war extrem nervös, das konnte er spüren. „Nigel ist so wenig schwul, wie ich eine Hete bin. Du kannst ihn behalten! Aber jetzt mal unter uns: Du traust dich kaum mich anzusehen, geschweige denn mich anzufassen. Ich beiße nicht und ich bin nicht ansteckend, das kannst du auch gerne deinen Kollegen weitergeben.“ Er sah nicht einmal von seinen Hölzern auf dabei. „Was immer du über mich hören solltest, frag mich zuerst persönlich, ob es der Wahrheit entspricht, bevor du vorschnell über mich urteilst, haben wir uns verstanden?“ Jetzt hatte er ihr seinen Kopf zugewandt und blickte sie herausfordernd an.
„Ähm... Ja, klar... Boss.“
Etwas konsterniert stapfte sie davon. Sie hatte offensichtlich redlich Mühe, sich wieder eine etwas gesündere Gesichtsfarbe zuzulegen. Er hatte sie total beschämt. Und klar war sie unsicher ihm gegenüber, auch gegen ihre Überzeugung. Es war eben doch ein wenig gewöhnungsbedürftig für alle seine Mitmenschen.
Gale schüttelte amüsiert den Kopf über sie. Als er sich wieder seiner Arbeit zuwenden wollte, sah er schon von weitem den dunkel getönten Wagen auf sich zukommen. Sie hatten ihn also gefunden. Er wischte sich die Hände an der Jeans ab, drehte sein Cap nach hinten und trocknete sich mit seinem Baumwolltuch kurz den Schweiß von der Stirn. Auch wenn er es nicht sein sollte, er war nervös. Irgendetwas lief hier nicht rund und er spürte förmlich die unguten Schwingungen in der Luft. Sie parkten am Straßenrand, stiegen aus und kamen zügig auf ihn zu. Sein Herz pochte ihm ungewollt bis zum Hals hinauf.
„Mr. Kensington? Haben Sie kurz Zeit für uns?“, begrüßte Commissioner Carlton ihn mit einem kräftigen Händedruck.
„Natürlich. Wollen wir uns vielleicht in den Schatten setzen? Da drüben sind ein paar Klappstühle unter der Linde, wenn Ihnen das recht ist?“
Zu dritt setzten sie sich in den Schatten und Gale bot ihnen ein Glas Wasser an, schenkte ein und sah dann erwartungsvoll auf die beiden Herren in den dunklen Anzügen.
„Also, was gibt es Neues? Irgendeinen Verdächtigen?“
„Gut, dass Sie fragen. Wir haben von Ihrem Polizeirevier vor Ort einen anonymen Brief zugesandt bekommen und dachten, wir sollten Ihnen den zeigen.“
Jackson holte den Plastikbeutel aus seiner Aktentasche und gab ihn an Gale weiter. Er betrachtete den Inhalt durch die Folie und las aufmerksam, was dort fein säuberlich aufgeklebt war.
„Jetzt wird mir einiges klar...“, meinte er nickend und reichte dem Sergeant das Beweisstück zurück.
„Das da wäre?“, hakte Carlton nach.
Gale räusperte sich. „Sie fragen sich sicher, warum ich Ihnen nichts von der Sache im Neubau erzählt habe?“
„Erraten!“ Nicht einmal ein Grinsen entwich dem älteren Beamten.
„Hören Sie... Jaden war mit Deacon hier, das wissen Sie. Wir waren auch einen Moment allein im Talbot-Haus, aber ich habe ihm nur gesagt, dass ich nicht auf ihn stehe und auch nie stehen werde. Er hat es verstanden. Und mich kurz auf die Wange geküsst. Das war alles. Beobachtet hat das nur eine Person und das war Miss Bridget Lamotte, Mr. Talbots Verlobte. Sie hat mir gedroht, damit im Ort hausieren zu gehen und mich auf diese Weise zu vernichten, wenn ich nicht mit ihr.... ins Bett gehe. So verrückt das klingt, sie ist regelrecht von mir besessen.“ Ein verlegenes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
„Sie denken also, der Brief könnte eventuell von ihr stammen?“
„Absolut, niemand sonst wusste davon. Und sie wollte mich erpressen.“
„Also schön, nehmen wir an, es ist so geschehen, wie sie uns das weismachen wollen. Wir haben inzwischen noch einige andere Aussagen zu Protokoll genommen. Zum Beispiel heißt es da, dass Sie, Mr. Brennigan und ein Barmann aus dem Rising Sun miteinander intim gewesen wären. Was können Sie uns dazu erzählen?“
„Wer hat das behauptet?“, fragte Gale überrascht, aber er konnte es sich lebhaft vorstellen.
„Besagter Barmann, und Mr. Talbot hat es uns gestern noch bestätigt“, antwortete Carlton ruhig.
„Ja, Reuben hat ihm damit im Six Feet Under nach der Beerdigung in den Ohren gelegen. Mir war das nur unendlich peinlich und ich bin abgehauen.“
„Peinlich? Das müssen Sie mir näher erklären?“
„Mr.? Wie war noch ihr Name, Sir?“
„Carlton.“
„Ach ja, Mr. Carlton, wissen Sie... Ich prahle für gewöhnlich nicht mit meinen Abenteuern, Reuben hingegen schon. Mr. Talbot ist mein Kunde. Ich habe mich ihm gegenüber geschämt, so einfach ist das.“
Carlton ließ eine weiße Zahnreihe aufblitzen. „Gibt es so etwas überhaupt in ihrer Szene? Schamgefühl?“
Ein Seitenhieb auf die schwule Community. Gale biss notgedrungen die Zähne zusammen und schluckte seinen Ärger darüber einfach hinunter. „Durchaus, Commissioner, durchaus.“
„Wir möchten eine DNS-Probe von Ihnen nehmen, wenn Sie damit einverstanden sind.“
„Muss ich das tun?“
„Sie können gerne einen Anwalt konsultieren, aber wir sind berechtigt jeden Verdächtigen dazu zu zwingen.“ Carlton sah ihn unerbittlich an.
„Demnach gelte ich also als verdächtig – gut zu wissen...“
Gale wollte keinen Aufstand riskieren und sich noch verdächtiger machen, als er sowieso schon war, also willigte er schließlich doch ein, eine Speichelprobe abzugeben. Seine Arbeiter beobachteten das Ganze aus der Ferne und waren sichtlich empört. Als das Wattestäbchen sicher verstaut war, wollte Gale aber seine Neugierde noch einmal befriedigen und stellte dem Commissioner die ihm wichtigste Frage.
„Wieso haben Sie Mr. Talbot noch einmal dazu befragt? Ich dachte, er wäre inzwischen aus der Schusslinie?“
„Nachdem wir diesen ominösen Brief erhalten hatten, mussten wir außer Ihnen auch Ihre kleine intime Runde aus Atlanta noch einmal dazu verhören. Und wie Sie sehen, hat es sich gelohnt.“
„Mr. Talbot wollte mir demnach eins reinwürgen, verstehe...“, murmelte Gale betroffen.
„Bitte?“, fragte der Commissioner überrascht nach. „Er hat doch nur die Wahrheit gesagt, oder?“
Gale lachte kurz hysterisch auf. „Ja, das hat er! Aber wahrscheinlich hat er von selbst damit angefangen, habe ich Recht? Mit Reuben und dem nicht vollendeten Dreier, meine ich.“
„Nein, das hat er nicht. Ich wollte konkret wissen, was er über ihr intimes Treffen weiß. Und ich muss sagen, er war bestens informiert. Auch Mr. Willis hat es uns bestätigt, nachdem der Barmann geplaudert hatte. Wir machen nur unseren Job, Mr. Kensington.“
„Ja, natürlich. War das alles?“
„Vorerst ja. Halten Sie sich zur Verfügung. Auf Wiedersehen.“
Police Sergeant Jackson verabschiedete sich ebenfalls mit einem Nicken und sie verließen die Baustelle. Kaum war der Wagen außer Sichtweite, stieß Gale wütend mit dem Fuß an den Klapptisch und fluchte wie ein Rohrspatz.
„Dieser kleine Pisser! Kaum macht man mal einen Fehler, rächt er sich sofort! Scheiße!“ Krebsrot vor Wut stieg er in seinen Wagen und brauste ohne ein Wort des Abschieds davon.
Er musste sich irgendwie beruhigen und die Einzige, die ihm mitten am Nachmittag gerne zuhören würde, war Darcy. Also fuhr er in sein Büro und schlug dort geräuschvoll die Tür hinter sich zu. Seine Assistentin war erschrocken zusammengezuckt, als er so überstürzt hereingekommen war. Gale ließ sich wortlos auf seinen Ledersessel fallen und winkte sie zu sich herein. Wie immer kam sie mit einer Tasse frisch aufgebrühten Kaffees und setzte sich ihm gegenüber auf den Besuchersessel. Völlig fertig erzählte er, was geschehen war und schimpfte wie ein Rohrspatz auf Sandys Plauderlaune. Darcy versuchte, ihn zu beruhigen, aber das war gar nicht so einfach.
„Werden sie die blöde Lamotte wenigstens auch unter die Lupe nehmen?“
Zu seinem größten Entsetzen hatte er tatsächlich vergessen, danach zu fragen. „Scheiße! Hoffentlich! Sollte ich vielleicht mal nachfragen?“
„Ruf sie einfach an, mal sehen, was sie gerade macht.“ Darcy grinste hinterlistig. Warum die Bullen belästigen, wenn man den Übeltäter auch direkt ansprechen konnte.
„Gute Idee...“ Er griff zum Telefon und wählte ihre Nummer. Nicht ohne ein Zittern in den Händen.
Es war belegt. Er musste sich also noch gedulden. Erst satte dreißig Minuten und gefühlte hundert Versuche später hob sie endlich ab. Gale war inzwischen ein wahres Nervenbündel und hatte bereits zwei Tassen Kaffee intus.
„Gale? Du hast es dir also überlegt!“, begrüßte sie ihn, aufgedreht wie immer, mit zuckersüßer Stimme.
Das klang nicht nach einem kürzlichen Polizeibesuch. Er war enttäuscht. „Mr. Kensington für Sie. Und nein, machen Sie sich keine Hoffnungen! Ich wollte nur nachfragen, ob im Haus auch alles in Ordnung ist – das ist unser Kundenservice.“
„Alles ist bestens und wartet nur auf dich, mein Süßer. Jetzt gib dir doch endlich einen Ruck und besuch mich heute Abend nach der Arbeit?“, bettelte sie, als ob nie etwas gewesen wäre. „Mein Bett wartet schon auf dich! Ich kann es uns auch anwärmen, wenn dir das lieber ist?“
„Ich dachte, Ihr Verlobter zieht jetzt auch dort mit ein?“
„Sandy kommt erst morgen wieder her. Er kann immer nur am Wochenende hier sein, das ist doch perfekt für uns beide, findest du nicht? Brianna gebe ich zu meinem Babysitter. Miss Constance freut sich immer, wenn sie auf die Kleine aufpassen darf. Und wir haben das ganze Haus für uns allein!“
„Constance McDillon?“
Ein junges Mädchen aus der kirchlichen Gemeinschaft, das absolut unschuldig und naiv in seinen Augen war. Selbst Darcy hatte erschrocken ihre Augen aufgerissen, als ihr Name gefallen war.
„Ja, ein liebes Mädchen. Und so höflich! Also, was ist jetzt, kommst du vorbei?“, säuselte sie unbeirrt weiter.
„Nein, Herrgott noch mal! Und wenn Sie Constance auch nur ein Haar krümmen, erwürge ich Sie mit meinen eigenen Händen!“, brüllte er besorgt durchs Telefon und legte einfach auf. „Scheiße!“
Darcy seufzte schwer. „Das gefällt mir nicht, Gale, das gefällt mir gar nicht. Wenn sie den Brief geschrieben hat, wer weiß, wozu sie noch alles fähig ist? Constance ist da nicht sicher, wenn du mich fragst.“
Er nickte bestürzt und überlegte seinen nächsten Schritt. Soviel er wusste, hatte Ellen guten Kontakt zu den Kirchenmitgliedern. Aber sie war derzeit nicht wirklich gut auf ihn zu sprechen. Trotzdem wollte er es versuchen und rief sie zu Hause an. Er hätte es sich nie verziehen, wenn dem Mädchen etwas passiert wäre und er nichts unternommen hätte. Darcy ging in der Zwischenzeit einmal kurz ans Telefon an ihrem Schreibtisch und kam dann zurück, als er gerade mit Nolans Noch-Frau sprach.
„Ellen, könntest du mir einen Gefallen tun?“
„Und Nolan zurücknehmen?! Du kannst mich mal!“, keifte sie ihn eiskalt an.
„Nein, es geht um etwas anderes. Lass mal unsere Differenzen kurz beiseite, bitte. Du kennst doch die McDillons?“
„Ja, warum?“ Ihre Stimme hatte sich ein wenig beruhigt und sie versuchte sich zu beherrschen.
„Ihre Tochter Constance babysittet Brianna, die Tochter von Miss Lamotte und Mr. Talbot.“
„Kann sein, was geht mich das an?“
Gale unterdrückte einen kleinen Fluch, denn mit Ellen kam man am besten zurecht, wenn man sich christlich und wohlerzogen benahm.
„Diese Lamotte ist vielleicht gefährlich. Ich traue ihr buchstäblich alles zu und ich wäre dir sehr dankbar, wenn du den McDillons irgendeinen Vorwand nennen könntest, dass sie Constance den Job verbieten. Ist das irgendwie möglich?“
„Hör zu! Ich weiß nicht, was bei euch da eigentlich läuft. Ich will es auch gar nicht wissen! Aber die Lamotte erzählt überall im Ort, dass du mit dem Opfer allein gewesen sein sollst, in ihrem Haus. Und dass er dich geküsst haben soll. Falls das also jetzt eine Retourkutsche werden soll, dann nicht mit meiner Hilfe!“, fauchte Ellen erbost.
„Es ist mein Ernst, Ellen. Du kennst mich doch, seit wir klein waren. Ich war nie ein Lügner. Sie ist mit Vorsicht zu genießen. Mich wollte sie erpressen, weil sie mich und Jaden damals zusammen gesehen hat. Und das nur, um mich selbst ins Bett zu kriegen, kannst du dir das vorstellen?“ Er hielt die Luft an, so deutlich war er noch nie geworden.
„Du bist doch schwul, was will sie dann mit dir?!“
„Mich verwöhnen, sagt sie. Sie ist wahnsinnig! Du musst das Mädchen da herausholen, bevor sie sie für ihre Zwecke einspannt. Ich weiß nicht, was sie noch alles auf dem Kerbholz hat. Am Ende hat sie bei Jaden auch irgendwie ihre Finger im Spiel gehabt, wer weiß das schon so genau?“ Gale hatte das einfach so daher gesagt, aber kaum war es raus, schien es ihm sogar plausibel.
„Du musst verrückt geworden sein!“
„Nein, ich bin so klar wie seit langem nicht mehr. Hol Constance da raus, verdammt noch mal!“
„Und wie soll ich das anstellen, zum Kuckuck!? Ruf doch diesen Talbot an, soll der das regeln!“
„Das kann ich nicht, wir haben privaten Ärger. Außerdem hört sie nicht auf ihn. Bitte, ich flehe dich an im Namen des jungen Mädchens!“
„Scheiße! Na ja... Vielleicht kann ich den Reverend dazu überreden, dass er mit ihren Eltern spricht. Aber glaub bloß nicht, dass damit alles zwischen uns wieder in Ordnung ist!“, zischte Ellen ins Telefon und Gale fiel ein Stein vom Herzen.
„Danke, Ellen. Du hast was bei mir gut!“
„Ach ja? Dann behalte Nolan und führ ihn zum Traualtar!“ Sie legte abrupt auf.
Gale starrte erst auf den Hörer in seiner Hand und dann auf Darcy. Sie sah ihn fragend an.
„Und?“
„Ich soll Nolan heiraten.“
Darcy lachte spontan laut los. Gales trockener Humor war einfach manchmal nicht zu überbieten.
„Man kann sagen, was man will, sie ist echt witzig!“
„Hör auf!“ Er war trotz allem schlecht gelaunt. „Der arme Nolan hat keine Chance mehr bei ihr. Er muss irgendwie eine Regelung für Penelope finden.“
„Tut mir leid, aber du bringst mich immer zum Lachen.“ Sie schmollte gespielt. „Ihr wärt übrigens ein schönes Paar“, setzte sie noch mutig hinzu und grinste.
Selbst Gale musste jetzt lachen. Nolan und er den Mittelgang entlang schreitend, er im schwarzen Anzug und Nolan im weißen Tüllkleid, der Reverend schon auf sie wartend und die halbe Stadt sitzt in den Bänken und singt das Halleluja. Unvorstellbar für den jungen Mann.
„Sag bloß nichts zu Nolan darüber, hörst du? Er ist derzeit ein wenig empfindlich.“
„So wie du.“
„Lass das, Darcy! Ich bin nicht gut aufgelegt.“
„Ich weiß, Mr. Talbot hat dich abblitzen lassen.“
„Woher weißt du denn davon?“, knurrte er angepisst.
„Dein Babysitter und Wunschehemann laut Ellen hat mich telefonisch vorgewarnt, bevor du nach der Beerdigung wieder zur Arbeit kamst. Er meinte, ich soll alles Stressige von dir fernhalten, denn du wärst ein wenig neben der Spur wegen Sandy Talbot.“
„Elendes Plappermaul!“
„Nolan hat es nur gut gemeint. Sei ihm bitte nicht böse deswegen. So, ich muss jetzt deine Rechnungen schreiben. Kommst du zurecht?“
Gale nickte und sie verließ sein Büro. Müde legte er seinen Kopf auf die Hände auf seinem Schreibtisch und seufzte tief. Er hatte das Gefühl, als würden die Geier schon über ihm kreisen.
                                                         http://bit.ly/WoodenSins







Sonntag, 31. Januar 2016

Löschen bei KDP? Nicht möglich.

Was soll man dazu sagen? 
Es sollte doch möglich sein, das eigene, bereits einmal veröffentlichte Buch wieder komplett aus dem Kindle Direct Publishing löschen zu können, oder ist das gar zu viel verlangt? 
Manchmal möchte man eine Entscheidung vielleicht rückgängig machen, nicht nur etwas daran verbessern oder verändern. Leider wird einem bis ans Ende des Lebens diese Fehlentscheidung gnadenlos angezeigt und man kann, außer jedesmal den Filter der Anzeige im Bücherregal richtig zu setzen, nichts machen, um das Machwerk komplett aus dem Speicher verschwinden zu lassen. 
Eindeutig inakzeptable Handhabung für mein Empfinden.  
Bisher konnte ich mich noch über nichts bei KDP wirklich beschweren, aber das ärgert mich schon ein bisschen. Da bekommt man irgendwie das Gefühl, bei Facebook zu sein, statt im Online-Buchhandel. Nichts geht verloren, jedes Bild gehört Facebook, sobald man es einmal hochgeladen hat, bla, bla, bla. Das ist doch... eine Frechheit! Und jetzt also auch noch ganze Bücher, die da ausharren müssen, ohne weiter im Verkauf zu verbleiben.... Pfui Spinne! 
Allerdings habe ich bisher keine Erfahrung mit anderen Selfpublishing Plattformen oder gar Verlagen und deren Speicher-/Sicherungsgewohnheiten. Vielleicht handhaben die das ja auf dieselbe Art und Weise? Und will ich das wirklich wissen?
Frust.
Abgesehen davon wurde das vorab nicht mal im Kleingedruckten erwähnt, soviel ich mich erinnere. 
Da soll man sich nicht drüber ärgern! *hmpf*




Sonntag, 10. Januar 2016

Leseprobe "Einmal Hölle und zurück"

~ Prolog ~

Sommer 2008



Mir dreht sich alles. Ich habe hämmernde Kopfschmerzen und mir ist kotzübel. Meine Lider sind so verdammt schwer. Ich möchte die Augen öffnen, aber es gelingt mir nur ganz langsam. Irgendjemand stöhnt hier. Bin ich das etwa selbst? Das grelle Sonnenlicht trifft mich völlig unvorbereitet, als ich endlich wieder etwas sehen kann. Zuerst nur ganz verschwommen, dann langsam immer deutlicher.
»Mr. Craven? Da sind Sie ja wieder! Wie fühlen Sie sich?«
Wer zur Hölle fragt mich das? Mir geht‘s beschissen. Ich könnte kotzen und meine Zähne klappern. Warum geben die mir nicht einfach etwas, damit das wieder aufhört? Es tut so weh...
»Wo bin ich?«, frage ich mit letzter Kraft und unterdrücke mit Mühe und Not ein Würgen.
»Sie sind in der Entzugsklinik. In Malibu«, antwortet mir die Stimme aus dem Nebel.
»Oh... Was... fehlt mir?« Ich weiß es wirklich nicht, bin noch ganz benebelt und nur halb wach. Irgendwie kann ich mich an nichts erinnern.
»Sie hatten einen heftigen Drogenrausch nach einer Aftershow-Party und waren zwei volle Tage bewusstlos.«
Jetzt fällt es mir wieder ein. Dieses verdammte Zeug... Unser Auftritt, der Preis für die beste Rockband. Neal hat mich noch gewarnt. Ich wollte nicht hören. Wollte nur noch vergessen. Die ganze Scheiße hinter mir lassen und vielleicht sogar endlich sterben.
»Ihre Eltern kommen heute vorbei. Sie müssen jetzt ein bisschen was essen, ja? Ich stelle die Suppe hier auf den Nachttisch.«
Endlich kann ich sie erkennen. Der Schleier lichtet sich vor meinen Augen. Eine ziemlich junge Krankenschwester bemüht sich um mein Wohlergehen. Oh Gott, meine Eltern...! Ich schäme mich. Für meinen Aussetzer, und dass ich überhaupt jemals Drogen ausprobiert habe. Das ist nur diese verdammte Einsamkeit, die bringt mich noch um. Seit zehn Jahren habe ich diese unstillbare Sehnsucht nach ihm.
Ryan.
Ich habe ihn einfach nicht wiedergefunden. Was ich auch versucht habe, es hat nichts gebracht. Er ist und bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Und der Gedanke, dass er mich schon längst vergessen haben könnte, macht mich fix und fertig. Nur darum will ich manchmal vor der Realität fliehen. Was nutzt mir der Erfolg mit der Band, wenn er nicht da ist, um ihn mit mir zu teilen, um mich zu lieben? Er war doch mein zweites Ich, mein Seelenverwandter.
Eine einsame Träne kullert über meine Wange und ich bin heilfroh, dass die Schwester schon wieder aus dem Zimmer gegangen ist. Jetzt bin ich schon fast 28 Jahre alt und benehme mich noch immer wie ein unreifer Teenie. Aber der Schmerz ist einfach zu groß. Niemand, mit dem ich meine goldenen Schallplatten oder CDs feiern könnte, auch wenn wir nur in den Staaten bekannt sind und kaum mit den derzeit weltweit angesagten Bands konkurrieren können, ich bin sehr stolz auf meine Karriere als Sänger und Frontmann bei Hot Blooded. Nicht viele schaffen das, was wir geschafft haben, denn wir können tatsächlich von der Musik leben. Und das nicht einmal schlecht.
Aber mir fehlt ein Freund. Ein Partner. Ich habe mich seit damals nie wieder verliebt. Sicher hatte ich ab und zu ein paar heiße Abenteuer, aber ich war nie wirklich glücklich dabei. Ryan fehlt mir so sehr und ich kann ohne ihn einfach nicht leben. Er ohne mich offenbar schon. Er hat sich seit zehn Jahren nicht wieder bei mir gemeldet, auch nicht, als er endlich achtzehn Jahre alt war. Dabei müsste er doch nur einmal bei meinen Eltern anrufen, ich bin noch immer an Ort und Stelle. Er hat schließlich den Kontinent gewechselt, nicht ich. Es tut verflucht weh, so zurückgewiesen zu werden.
Gott, mein Körper zeigt mir deutlich, dass ich etwas ändern muss, wenn ich nicht dabei drauf gehen will. Vielleicht versuche ich es zuerst mal mit der Suppe. Vorsichtig nehme ich einen Löffel voll. Sie schmeckt gut, aber ich habe absolut keinen Appetit. Mir ist übel und ich friere. Nicht einmal erinnern kann ich mich daran, was ich auf dieser gottverdammten Party eigentlich eingeworfen habe. So schlimm war ich noch nie drauf. Alles, was ich noch weiß, ist, dass ich lebensmüde war, ich wollte nichts mehr fühlen, nichts mehr wissen und vor allem nicht mehr einsam sein und mich nach Ryan sehnen. Ich habe meinen eigenen Tod in Kauf genommen und das erschreckt mich sehr.
Der Abend verlief eigentlich ganz gut, wir bekamen diesen Preis und waren überglücklich. Ich habe ein bisschen über den Durst getrunken, ist ja nicht ungewöhnlich, wenn man was zu feiern hat. Nur werde ich dann immer so melancholisch. Wünsche mir Ryan an meiner Seite und labere meine Jungs aus der Band damit zu. Sie sind das schon gewöhnt von mir. Am nächsten Tag kann ich mich dann meist nie daran erinnern, was ich alles gesagt habe. Aber diesmal scheint mich wohl ein Dealer irgendwo auf dieser Party am Wickel gehabt zu haben. In so einem traurigen Zustand höre ich auf niemanden mehr, ich bin dann so sentimental und absolut unzugänglich, dass ich nicht einmal meinen Freunden einen Vorwurf machen kann. Sie hätten mich schon fesseln und knebeln müssen, damit ich das Zeug nicht nehme.
»Dane?« Meine Mum guckt vorsichtig zur Tür herein.
Ich bin gerührt und kämpfe mit den Tränen. Noch immer sind sie für mich da und nicht einmal haben sie mich bisher für meine Aussetzer verurteilt. Fliegen von Arkansas bis hierher nach Kalifornien, nur um mir beizustehen. Gott, ich liebe sie dafür.
Die Jungs aus der Band dagegen blasen mir immer wieder gehörig den Marsch. Ich bin ihr Zugpferd, ohne mich geht‘s nicht weiter. Und sie haben Angst um mich. Neal versteht wenigstens, warum es mir so schlecht geht. Er hat inzwischen eine hübsche Frau und eine kleine Tochter, die ihn sehr lieben und in allem unterstützen. Die beiden anderen pflegen noch immer ihre Rockstar-Allüren und laben sich von Zeit zu Zeit an ganz ansehnlichen Groupies. Auf Neal und mich wollen sie nicht hören.
»Kommt rein...«, krächze ich leise.
»Du siehst furchtbar aus, Junge!«, bemerkt meine Mutter ohne Umschweife und setzt sich zu mir auf die Bettkante.
Mein Vater schnappt sich den Stuhl neben dem Bett und mustert mich besorgt.
»Ich weiß. Es tut mir leid, dass ich euch schon wieder Sorgen mache...«, murmle ich betroffen.
»Ihr steht in der Zeitung, es kommt auf jedem Sender überall in der Welt und sogar im Internet seid ihr der Renner«, sagt mein Vater trocken und hält mir besorgt die gestrige Tageszeitung hin.
Ich habe keinerlei Erinnerung daran, was eigentlich passiert ist. Also lese ich den Artikel und komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
New York.
Hot Blooded, eine aufstrebende Rock-Band aus Little Rock in Arkansas, wagte es gestern Abend tatsächlich nach der Verleihung eines nationalen Musikpreises am Tag zuvor, vollkommen nackt mitten in New York auf dem Ground Zero ein spontanes Konzert zu geben.
Protest gegen den amtierenden Präsidenten George Bush und die Republikaner, um damit Werbung für den aktuellen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Barak Obama, zu machen, war das angebliche Ziel der im Vorfeld gut geplanten Veranstaltung. Mit aufrüttelnden Texten, verschwitzten Körpern und harten Riffs zogen sie das Publikum in ihren Bann, bis die Polizei dem fröhlichen Treiben schließlich ein Ende machte. Nicht genehmigte Demonstration, Drogenmissbrauch und Erregung öffentlichen Ärgernisses lautet die Anklage.
Ihr Frontmann Dane Craven war angeblich so zugedröhnt, dass er noch im Polizeiwagen ohnmächtig wurde und als Notfall ins Krankenhaus gebracht werden musste. Kenner der Musikszene halten diesen schamlosen Auftritt für das Ende ihrer gerade noch so viel versprechenden Karriere. Damit sei die Nominierung zu den VMAs im September nahezu ausgeschlossen.
Mr. Craven erholt sich derzeit in einer Entzugsklinik von einem zweitägigen Drogenrausch. Präsidentschaftskandidat Barak Obama hat sich vom Auftritt der Band aufs Schärfste distanziert. Ganz Amerika ist entsetzt über die schamlose Zurschaustellung nackter Tatsachen. Das Ganze wird ein gerichtliches Nachspiel für die Musiker haben, die sich noch immer nicht persönlich zu den Vorfällen äußern wollten. Das Management hat bis auf weiteres jegliche Interviews abgesagt. ©Jerry Weber, New York Times
»Oh mein Gott...«, murmle ich entsetzt über meine eigenen Taten. Kann man noch mehr erröten? Was ist da bloß in uns gefahren?
Langsam fällt mir so manches wieder ein und ich schäme mich fürchterlich dafür. Meine Eltern müssen sich zu Hause sicher ganz schön was anhören meinetwegen. Das ist nahezu unverzeihlich.
»Was hast du dir nur dabei gedacht, Junge?«, fragt mein Vater ruhig, wobei er mich neugierig ansieht.
Ich kenne seine politische Einstellung, er hasst Bush. Insgeheim freut ihn meine kleine Einlage, wenn ich nur nicht nackt gewesen wäre und unter Drogen gestanden hätte.
»Ich kann mich kaum genau erinnern, aber das hatten wir schon länger geplant, das Management hat das für uns organisiert. Es war bloß nie die Rede von nackt und unter Drogeneinfluss gewesen. Ich weiß noch, dass wir nach der Aftershow-Party kaum geschlafen haben und schon am nächsten Abend mitten auf dem Ground Zero antanzen wollten. Dieses Teufelszeug hat mich total unzurechnungsfähig gemacht. Hat euch Neal denn inzwischen noch nichts Genaueres darüber erzählt? Mein Gott, was wird Jenny jetzt von ihm denken? Und die kleine Sam? Was habe ich da nur abgezogen? Das ist doch sicher auf meinem Mist gewachsen, oder?« Ich kann noch gar nicht fassen, was ich da in meinem Drogenrausch angezettelt habe. Ich meine, splitterfasernackt?!
»Doch, Neal hat uns angerufen. Und es war nicht deine Idee. Joel ist dafür verantwortlich. Aber ihr fandet es alle ziemlich originell und publicityträchtig. Neal wollte kein Spielverderber sein und deshalb hat er mitgemacht, auch wenn er der einzige war, der nachweislich nicht unter Drogen stand«, erzählt mein Vater mir mit traurigen Augen. »Dane, du musst endlich was unternehmen! Finde Ryan oder vergiss ihn! So geht das einfach nicht mehr weiter!«
»Ich weiß... Ich muss auf jeden Fall clean bleiben. Wird nicht allzu schwer werden, ich habe immer nur alle drei heiligen Zeiten was eingeworfen. Aber ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich ohne Ryan leben soll. Ich muss wenigstens wissen, dass es ihm gut geht.« Meine Stimme bricht.
»Versuch ihn zu finden, du hast doch jetzt Geld genug. Engagier einen Privatdetektiv oder was weiß ich, nur tu endlich was!«, bekniet mich meine Mum und ich umarme sie dafür. Jeder Knochen und jeder Muskel im Leib schmerzt mich, es ist die reinste Hölle nach so einem intensiven Trip.
Meine Eltern wollen noch ein paar Tage an der Westküste bleiben, bis es mir wieder besser geht. Das beruhigt mich sehr. Ich fühle mich nicht so allein, wenn sie bei mir bleiben. Aber eine Frage habe ich noch.
»Wer hat mich eigentlich hierher nach Malibu verfrachtet? Ich scheine hier in guter prominenter Gesellschaft zu sein.«
»Neal hat uns angerufen und uns diesen Vorschlag gemacht. Er hat das zusammen mit dem Management veranlasst, um dir zu helfen. Enttäusche ihn nicht. Er war auch selbst beim Flugtransport dabei, hat sich rührend um dich gekümmert. Du bist ihm was schuldig, Dane...«, klärt meine Mum mich dankbar lächelnd auf.
Mir kommen nun doch die Tränen, ich bin einfach überwältigt, was mein Freund alles für mich in die Wege geleitet hat. Auf Neal konnte ich mich schon immer verlassen, aber das jetzt ist etwas ganz Besonderes für mich. Weil seine Frau Jenny und seine Tochter Sam sicher nicht begeistert davon waren. Sie ist ziemlich sauer auf mich, weil ich immer öfter abstürze, das hat sie mir selbst schon ins Gesicht gesagt und mir gedroht, mich umzubringen, wenn ich Neal da mit hineinziehe.
»Könnt ihr mich jetzt bitte allein lassen?«, frage ich mit letzter Kraft und drehe mich weg. Ich will nicht, dass sie meine Tränen sehen.
»Wir kommen morgen wieder, ja? Erhol dich gut und denk über das nach, was wir dir gesagt haben.«
Mein Vater klopft mir freundschaftlich auf die Schulter, während meine Mum mir liebevoll eine Haarsträhne hinter die Ohren streicht. Sicher bemerkt sie jetzt meine feuchten Wangen, wenn auch nur von der Seite. Dann verabschieden sie sich und ich bin wieder allein. Allein mit dieser unheimlichen Sehnsucht und dem elenden, schlechten Gewissen.

*

Müde dämmere ich vor mich hin. In meinem Kopf schwirren die Gedanken nur so herum. Ich muss ihn finden. Irgendwie. Aber zuerst muss ich gesund werden, clean und stark. So wie früher einmal. Ganz Amerika denkt, mir wäre das Leben als Rockmusiker zu Kopf gestiegen und ich würde deshalb ab und zu abstürzen. Aber das ist es nicht. Ich liebe meine Musik, das Touren und alles, was dazu gehört. Alle wissen inzwischen, dass ich schwul bin, das ist es auch nicht. Es ist nur das stille und immer noch brennende Verlangen, die immerwährende tiefe Liebe und Sehnsucht nach meinem blonden Engel von damals. Würde er jetzt in diesem Augenblick zur Tür herein kommen, wäre ich endlich wirklich glücklich. Aber er kommt natürlich nicht, bleibt wie immer verschwunden. Dafür besucht mich eine Frau Dr. Watson. Ich höre schon an ihrem Namen, dass sie mich aushorchen wird, und siehe da, sie ist meine Psychologin.
»Mr. Craven, ich werde ab heute jeden Tag eine Stunde mit ihnen arbeiten, ist das in Ordnung für Sie?«
»Hm... Ich weiß doch, was mir fehlt, wozu brauche ich da noch einen Seelenklempner?«
»Ach ja? Dann erzählen Sie doch mal, was Sie vermuten.«
Einfach so? Die hat vielleicht gut reden! Ich bin kein sehr mitteilsamer Mensch, das war ich noch nie. Und außerdem kenne ich sie doch gar nicht.
»Also... Ich... Das kann ich nicht!«, stammle ich etwas unbeholfen.
Sie ist in meinem Alter, ich kann ihr doch nicht einfach so intime Dinge über mich erzählen, was soll denn das?
»Versuchen Sie es. Ich höre nur zu. Mache mir vielleicht Notizen, aber das ist auch schon alles für den Anfang.«
»Ich soll nur erzählen? Sie fragen mich gar nichts?«
»Nein, ich frage gar nichts. Das kommt später.«
»Also doch.«
»Wenn ich der Meinung bin, dass Sie etwas genauer aufarbeiten sollten, dann hake ich nach. Nicht mehr und nicht weniger.«
»Hm...« Gefällt mir trotzdem nicht.
»Also, warum geht es Ihnen so schlecht? Was meinen Sie?«, fängt sie nun doch mit einer persönlichen Frage an.
»Ich dachte, Sie fragen nichts?«
»Fangen Sie an, dann schweige ich.«
»Das ist Erpressung.«
»Nein, das ist Therapie.«
»Wortklauberei. Ich bin nur unglücklich verliebt, ich brauche keine Therapie!«
»Also verliebt. Erzählen Sie mir mehr davon.«
»Sie haben mich reingelegt«, brumme ich frustriert.
»Nein, habe ich nicht und das wissen Sie auch.«
»Sie sind ein schwerer Brocken.«
»Sie auch, Dane Craven. Also, Sie sind verliebt. In wen?«
»Das war eine Frage, ganz klar!«
»Stimmt. Bekomme ich eine Antwort?«
»Nein.«
»Dann frage ich noch mal. In wen sind Sie verliebt?«
Meine Gedanken überschlagen sich förmlich... »Es reicht, wenn Sie wissen, dass ich verliebt bin. Der Name tut nichts zur Sache. Ich bin nie darüber hinweggekommen, seit ich siebzehn Jahre alt war. Zufrieden?«
»Sehr gut. Jetzt kann ich mir schon ein besseres Bild machen. Was muss ich noch darüber wissen?«
»Nichts.«
»Mr. Craven! Bitte...«
Ihre Augen flehen mich an, doch endlich mitzuarbeiten. Und irgendwie tut es auch gut, darüber zu reden. Bisher habe ich meist geschwiegen, jeder wusste, was mich bedrückt, ich musste nie groß etwas dazu sagen. Es wurde einfach totgeschwiegen, um mich nicht noch trauriger zu machen, als ich eh schon war.
»Wir wurden gewaltsam getrennt.«
»Verstehe. Von wem?«
»Von Simon. Haben uns total aus den Augen verloren.«
»Das tut weh«, meint sie leise und ziemlich verständnisvoll.
Sie scheint nett zu sein. Vielleicht ist das doch eine ganz gute Idee, dass ich mich mal so richtig auskotze?
»Verdammt weh! Ich... Ich denke pausenlos an nichts anderes. Seit zehn Jahren hoffe ich darauf, ihn wiederzusehen.«
»Ihn?« Sie zieht die Brauen hoch.
Jetzt habe ich mich verraten, wenn Sie mich nicht doch schon aus der Presse kennt. Meine Vorliebe für männliche Wesen ist ja kein Geheimnis im Showbusiness.
»Ja, ihn. Überall glaube ich, ihn in der Menge zu entdecken und stelle dann gefrustet fest, dass ich mich doch wieder geirrt habe.«
Sie schweigt. Fast sind mir ihre Fragen lieber. Aber nichts dergleichen passiert, sie hält ihr Wort. Nach kurzem Zögern setze ich doch wieder an, ich habe Mitteilungsbedarf. Tatsächlich.
»Sein Dad kam nicht damit klar, dass sein Sohn homosexuell sein sollte. Deshalb hat er die Biege mit ihm gemacht. Nach Europa, einfach so bei Nacht und Nebel. Ich habe noch immer seine letzte SMS auf meinem Handy...« Mir kommen schon wieder die Tränen, wenn ich an diese Nacht zurückdenke. »Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört. Ich habe solche Angst, dass er vielleicht schon tot sein könnte.« Ich muss kräftig schlucken. »Warum sonst hätte er sich nie wieder bei mir gemeldet?«
»Die Ungewissheit macht Sie also fertig.«
»Hm..., ja«, versuche ich meine aufwallenden Emotionen erfolgreich wieder zu verdrängen.
»Es ginge Ihnen besser, wenn Sie wüssten, was mit ihm geschehen ist, wie es ihm geht?«
»Vermutlich schon, ja.«
»Sie haben nie nach ihm gesucht?«
»Doch, aber es kam nichts dabei heraus. Und ich hatte wegen der Band auch nicht wirklich Zeit für solche langwierigen und vor allem auch teuren Nachforschungen.«
»Verstehe.«
»Aber ich werde das jetzt anpacken. Ganz professionell, mit einem Privatdetektiv. Ich kann es mir inzwischen schließlich leisten, verdammt!« Meine plötzliche Entschlossenheit macht mir selbst ein wenig Angst. Schließlich könnte ich am Ende doch nur enttäuscht werden.
»Das ist ein wirklich guter Vorsatz. Dabei belassen wir es für heute. Morgen erzählen Sie mir dann mehr über ihn. Einverstanden?«, lächelt sie mich mit warmen Augen an.
Sie ist nett. Ich mag sie. Es könnte vielleicht funktionieren.
Mit einem Zwinkern verlässt sie mein Zimmer und lässt mich mit vielen aufwühlenden Gedanken zurück. Ja, ich werde ihn suchen, wenn ich wieder fit bin. Keine Minute werde ich mehr verlieren, wir waren schon viel zu lange getrennt. Und wenn er inzwischen ein eigenes Leben führt, ohne mich, dann bin ich auch zufrieden, Hauptsache es geht ihm gut und ich muss keine Angst mehr haben, dass er vielleicht tot sein könnte. Und das nur meinetwegen.
Dabei fing alles so vielversprechend an...










Mittwoch, 6. Januar 2016

Eure Meinung?

Ich bin grade mal wieder sprachlos.
Da fällt mir nichts mehr dazu ein. 
Ich lass das mal so stehen.
Irgendwelche Kommentare? Meinungen? 

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 *lol*